14.05.2021 - 12:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

BFV-Abstimmung: "Mittelfeld-Vereine" das Zünglein an der Waage

Zwei fixe Aufsteiger, dafür keine Absteiger: Diese Variante bei der Abstimmung zur Wertung des Saisonabbruchs im Fußball erscheint auf den ersten Blick verlockend. Wie sehen das die Vereine, die die Abstimmung vermutlich entscheiden werden?

Nicht per Kärtchen (wie hier beim Kreistag 2018 in Amberg), sondern digital sind die bayerischen Amateurvereine bis kommenden Dienstag zur Abstimmung über die Wertung des Saisonabbruchs aufgerufen.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Sie dürften bei der Online-Abstimmung in den kommenden Tagen so etwas wie das Zünglein an der Waage werden: Die Vereine, bei denen es weder um Auf- noch um Abstieg geht. Wie diese "Mittelfeldclubs" bezüglich der Wertung der abgebrochenen Fußball-Saison 2019/21 votieren, wird für das Abstimmungsergebnis – allem Anschein nach – entscheidend werden. Dass die beiden Erstplatzierten einer jeden Liga sowie die Teams, die auf einem Abstiegsplatz rangieren, eher das Modell "Zwei Aufsteiger, keine Absteiger" favorisieren, mag aus sportlicher Sicht nachvollziehbar sein. Doch wie schätzen die Vereine fern aller Aufstiegshoffnungen oder Abstiegssorgen die Lage ein? Wir haben exemplarisch fünf solcher Clubs aus unserem Verbreitungsgebiet nach ihrer Meinung befragt.

TSV Waldershof (8. der Kreisliga Süd im Kreis Hof/Wunsiedel/Tirschenreuth)

TSV-Abteilungsleiter Stefan Schindler will sich noch mit seinen Vorstandskollegen sowie den Spielern final beraten, ehe er seine Stimme abgibt. "Aber unsere Tendenz geht ganz klar in Richtung der Wertung mit Auf- und Abstieg nach der Quotientenregel." Ansonsten seien die Vereine in den kommenden beiden Spielzeiten gestraft, die nach einer ordentlichen Spielzeit wegen der verschärften Abstiegsregel doch den Gang in die nächsttiefere Liga antreten müssen. "Hinzu kommt die vermutliche Mehrzahl an Spielen. Das erscheint für uns nicht mehr stemmbar." Diese Variante sei zwar für manche Vereine aktuell bitter, "aber insgesamt doch die fairere und sinnvollere Lösung".

SV Diendorf (8. der Kreisklasse Nord im Kreis Cham/Schwandorf)

Thomas Ehemann, Abteilungsleiter beim Schwandorfer Kreisklassisten, treibt die Sorge vor viel größeren Ligen und einem künftig verschärften Abstieg um, weswegen der SV Diendorf vermutlich für die Wertung mit Auf- und Abstieg votieren wird. "Sonst haben wir die Konstellation, dass heuer ein Team mit beispielsweise acht Punkten die Liga hält, nächstes Jahr eine Mannschaft mit 36 erreichten Punkten aber absteigen muss." Um ein solches Szenario zu verhindern, sei es seiner Meinung nach unabdingbar, dass es auch heuer "mindestens jeweils einen Auf- und Absteiger" geben müsse.

SpVgg Schirmitz (9. der Bezirksliga Oberpfalz Nord)

"Wir bevorzugen eine Wertung mit Auf- und Abstieg und werden daher auch dafür stimmen", sagt SpVgg-Abteilungsleiter Christian Schieder. Bei der Entscheidungsfindung hätte es keine Rolle gespielt, dass die SpVgg Schirmitz den Ligaverbleib in der Bezirksliga bereits in der Tasche hat. "Vielmehr fürchten wir die zusätzlichen Spieltage, die auch an Wochentagen stattfinden müssten." Weniger im Fokus hatte er dabei den künftig verschärften Abstieg. "Diese Konstellation hat bei unseren Gesprächen eher eine untergeordnete Rolle gespielt."

TSV Erbendorf (6. der Kreisliga Nord im Kreis Amberg/Weiden)

Beim TSV Erbendorf steht die Entscheidung, für welche Variante letztlich gestimmt wird, noch aus. „Wir werden im Vorstand eine Abstimmung abhalten, nach deren Ausgang wir uns dann richten werden“, sagt TSV-Abteilungsleiter Stefan Klamt, der sich persönlich allerdings bereits entschieden hat, wie er im Vorstand stimmen wird: nämlich für die Variante „Zwei Aufsteiger, keine Absteiger“. Dies sei aus seiner Sicht die fairste Variante für die Vereine, die aktuell oben und unten in der Tabelle stehen. „Und für die nächste Spielzeit sind bereits zwei starke Vereine weg.“ Vor einem daraus resultierenden verschärften Abstieg fürchtet sich zumindest Klamt nicht. „Darauf kann man sich vor der Saison einstellen. Das war zu Zeiten, als die BOL abgeschafft worden ist, ähnlich.“ Für seinen TSV hat er daher bereits die Devise für die kommende, sorgenfreie Spielzeit formuliert: „Einfach Erster werden.“

SV Schmidmühlen (9. der Kreisliga Süd im Kreis Amberg/Weiden)

Abteilungsleiter Christian Humml hält nicht viel davon, den Abstieg nach dem kommenden Saisonabbruch auszusetzen. Daher werde der SV Schmidmühlen "vermutlich" für eine Saisonwertung gemäß der Quotientenregel mit einem Auf- und mindestens einem Absteiger stimmen. "Mit den ganzen anderen Umschachtelungen kann gar niemand voraussagen, wie sich das in den kommenden Spielzeiten umsetzen lässt. Daher sind wir dafür, auch in Zukunft den geregelten Auf- und Abstieg beizubehalten." Auch wenn sich der SVS der "glücklichen Lage" bewusst sei, nicht direkt betroffen zu sein, und dass es für manche Vereine "wirklich brutal" werden könnte, hält Humml fest: "Selbst wenn wir als Tabellenzweiter oder möglicher Absteiger betroffen wären, müssten wir diese Kröte schlucken und würden genauso abstimmen."

Über diese beiden Modelle stimmen die bayerischen Fußballvereine in den nächsten Tagen ab

Amberg

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.