14.03.2019 - 21:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Auf dem Boden der Tatsachen

Die Bayern scheitern verdient an Liverpool - sind in 180 Minuten chancenlos. Die Spieler prangern eine falsche taktische Herangehensweise an. Hummels und Lewandowski wollen dies aber nicht als Kritik am Trainer verstanden wissen.

Bayern-Trainer Niko Kovac wählte gegen den FC Liverpool eine ultra-defensive Taktik.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

5:1 in Gladbach, 6:0 gegen Wolfsburg: Der FC Bayern bewies vor dem Achtelfinal-Showdown in der Champions-League gegen den FC Liverpool großen Torhunger. Nach 90 bitteren Minuten am Mittwochabend standen für die Bayern zwar sechs Torschüsse in der Statistik verbucht, davon kam jedoch nur einer - ein direkter Freistoß von David Alaba genau auf Liverpools Keeper Alisson Becker - aufs Gäste-Gehäuse.

Auf sich allein gestellt

Derart angriffsunlustig fanden die Münchener kein Mittel gegen die kompakt und britisch-robust verteidigende Hintermannschaft von Trainer Jürgen Klopp. "Wir haben in beiden Spielen zu defensiv gespielt. Wir haben nicht versucht, nach vorne zu schieben und etwas zu kreieren", bemängelte Robert Lewandowski, der als Stoßstürmer zu oft auf sich allein gestellt war. "Es war schwer, alleine gegen zwei, drei Gegenspieler etwas auszurichten", klagte der Pole, der nun seit sieben K.-o.-Spielen in der Königsklasse nicht mehr getroffen hat. "Ich finde, wir haben zu tief gespielt und zu wenig Risiko genommen. Und ich weiß nicht, warum", fuhr Lewandowski fort.

Kommentar zum Champions-League-Aus der Bayern

Weiden in der Oberpfalz

Bezeichnenderweise zeichneten auch für den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer für Bayern die Reds verantwortlich - in Person des Ex-Schalkers Joel Matip, der eine scharfe Gnabry-Hereingabe ins eigene Tor lenkte. Jeder Offensivakteur der Hausherren, der an den Ball kam, war gänzlich auf sich allein gestellt. Es fehlte jegliche Unterstützung durch nachrückende Mittelfeldspieler oder Außenverteidiger - kein Tempo, kein vertikales Spiel: Die Defensive des FC Liverpool hatte so keine Probleme, Lewandowski, Ribéry, Gnabry oder James zu kontrollieren. Diese ultra-defensive Ausrichtung war auch Innenverteidiger Mats Hummels ein Dorn im Auge, der seine Worte in der Mixed-Zone jedoch wohlüberlegt wählen wollte. "Was soll ich sagen, ohne dafür auf die Mütze zu bekommen? Alles, was ich jetzt sage, wäre eigentlich inhaltlich spannend, aber ich weiß ja, was immer draus gemacht wird."

Lob für Klopp

Und so verklausulierte der 30-jährige Ex-Nationalspieler seine Botschaft bestmöglichst: "Wir haben eine gewisse Spielweise, die gegen pressende Mannschaften nicht immer zum hundertprozentigen Erfolg führt. Da täten uns ein bis zwei andere Begebenheiten in unserem Spiel gut." Diese mangelnde Variabilität in der taktischen Ausrichtung und nicht vorhandene Flexibilität, auf unterschiedliche Verläufe in den Spielen zu reagieren, wollte Hummels jedoch nicht als Kritik am Trainer verstanden wissen. "Da muss ich den Trainer mal in Schutz nehmen. Er fordert das oft, aber es klappt nicht immer so gut, wie der Trainer das von uns sehen möchte." Die Bayern hätten "zu oft nach hinten gespielt", was den Auftritt der Hausherren "zu passiv und zu wenig druckvoll" geraten ließ. Immerhin hatte Hummels abschließend doch noch etwas Lob übrig - für den Gegner und seinen Dortmunder Ex-Trainer: "Jürgen Klopp hat es geschafft, unsere Stärken aus dem Spiel zu nehmen." In der Tat: Von Bayern-Stärken war an diesem tristen Abend in der Allianz-Arena nichts zu sehen.

Pressestimmen zum europäischen Aus der Bayern:

"Auf dem absteigenden Ast"

„Guardian“ (Großbritannien): „Ja, die Beweise lassen sich nicht widerlegen, dass Bayern sich auf dem absteigenden Ast befindet, wie es der Verfall des einst eindrucksvollen Franck Ribéry zeigt. Auch ist der 28-fache Bundesliga-Champion fade geworden, vielleicht als Folge seiner wiederholten Erfolge daheim.“

„Sun“ (Großbritannien): „Während unsere Politiker zaudern und sich blamieren, sind die Fußballvereine des Landes für das genaue Gegenteil des Brexit verantwortlich – extreme Kompetenz und ein sehr klarer Verbleib in Europa.“

„The Telegraph“ (Großbritannien): „In all den Jahren gab es so viele große europäische Abende für Liverpool. So viele unvergessliche Auswärtsspiele. Aber dieser nachdrückliche Sieg gegen Bayern München gehört zu den besten.

„Mirror“ (Großbritannien): „Jürgen Klopps Mannschaft hat bewiesen, dass seine leidenschaftlichen Worte, in Europa bleiben zu wollen und an den Reichtümern der Champions-League teilhaben zu wollen, keine leeren Worte waren, denn sein Team hat einen beeindruckenden Sieg in München gefeiert.

„The Independent“ (Großbritannien): „Es könnte auch das Ende einer Ära für die Champions-League sein. Seit 2011 haben Bayern und Real Madrid 15 der 32 letzten vier Plätze belegt und seit 2009 kein Halbfinale verpasst, jetzt sind sie schon im Achtelfinale ausgeschieden und wurden durch den alten Status Quo (der Jahre) 2004–2009 ersetzt: die Premier League.“

„Mundo Deportivo“ (Spanien): „Klopps Liverpool verschlingt Bayern mit einem Doppelpack von Mané. Jürgen Klopp ist nach Deutschland zurückgekehrt und hat sich in den Henker von Bayern München - seines großen Rivalen – verwandelt.

„Sport“ (Spanien): „Es ist schwer, sich an ein derart schlechtes Spiel von Bayern München in einer europäischen K.-o.-Runde zu erinnern. (...) Ohne Angriffsideen und ohne Ballkontrolle schien das Team von Kovac auf dem Rasen verloren (...)."

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