31.07.2020 - 23:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Bundesliga trifft Karpfen: Wasserballer des SV Weiden trainieren im Weiher

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Außergewöhnliche Zeiten, außergewöhnliche Maßnahmen. Man stelle sich nur mal vor, die Kicker des FC Bayern müssten auf einem Sandplatz trainieren.

SV -Trainer Thomas Aigner (links) und sein Jungs am Schätzlerbadweiher in Weiden. Die Bundesliga-Wasserballer müssen in Coronazeiten auf besondere Maßnahmen zurückgreifen.
von Josef Maier Kontakt Profil

Aus dem Wasser kommt eine beruhigende Meldung: "Heute hatte ich noch keinen Kontakt mit einem Fisch." Da ist SV-Wasserballer Thomas Kick schon einige Bahnen geschwommen. Draußen, im Trockenen, klärt Thomas Aigner auf: "Hier gibt's schon dicke Brummer."

Daneben steht Sean Ryder. Der hat sich die olympischen Ringe auf dem Oberkörper tätowieren lassen. 2012 hat er für sein Heimatland an den Spielen in London teilgenommen - in der hochmodernen Water Polo Arena. Jetzt ist der gebürtige Brite kurz davor, in den Oberpfälzer Teich zu springen - zu den Karpfen. Seine Miene verrät, dass er nicht den größten Spaß dabei hat. Viele Fische genießen das Leben im Weiher des Weidener Schätzlerbades. So manch ein Spieler macht das nicht: "So einen Kontakt mag nicht jeder", erklärt der Trainer.

Die Bundesliga ist in Corona-Zeiten im Weiher angekommen. Eine andere Möglichkeit zu trainieren, gibt es für die Wasserballer des SV Weiden nicht. "Wir machen das drei Mal die Woche hier", erklärt Aigner. Aber die Umgebung sei schon schwierig für sein Jungs: "Du hast keine Orientierung im Wasser", erklärt er. In den gefliesten Bädern gibt es Linien. Auch das Schwimmen sei schwierig, wobei der Trainer auch betont: "Die Wasserqualität hier ist top." Und das ist auch zumeist die Einstellung.

Du hast keine Orientierung im Wasser

Thomas Aigner, Trainer des SV Weiden, zum Training im Weiher

Problem: Keine Ziele

Etwa 15 Jungs sind an diesem Sommerabend im Training, ringsherum aalen sich die Badegäste noch in der Sonne. Im Weiher wird Kondition gebolzt. Dass seine Jungs ab und an doch Motivationsprobleme haben, kann der Trainer nur zu gut verstehen. "Unser größtes Problem ist, dass wir kein Ziel haben, wofür wir trainieren." Sportler brauchen Daten und Wettbewerbe, auf die sie hinarbeiten. Sie brauchen Ziele. Für die Wasserballer gibt es derzeit keine. Niemand weiß, wann die Saison wieder losgeht.

Unser größtes Problem ist, dass wir kein Ziel haben, wofür wir trainieren.

SV -Trainer Thomas Aigner

Thomas Kick, der ein bisschen das Organisatorische mit in die Hand nimmt, ist per Videokonferenzen immer mal wieder mit anderen Vereinsvertretern in Kontakt. Auch bei denen herrscht viel Unsicherheit. Die großen Klubs wie die aus Spandau oder Hannover wollen unbedingt spielen, für die kleineren Vereine, wie etwa den SV Weiden, wären die Hygienemaßnahmen kaum zu stemmen. So dürfen beispielsweise nur drei Mann in ein Auto bei Auswärtsfahrten. Das wären schon mal fünf und mehr Autos für eine Fahrt. Und alle Insassen tragen Maske. Die Oberpfälzer legen gerne mal 600 Kilometer zu den Spielorten zurück - einfach. Aigner muss schmunzeln, wenn er darüber nachdenkt, wie das alles gehen soll.

Zuallererst bräuchten die Weidener Erstliga-Wasserballer gute Trainingsbedingungen. Das Becken im Schätzlerbad wird renoviert, die Thermenwelt öffnet wegen der Corona-Unsicherheit frühestens Ende September - wenn überhaupt. "Wir sind auf die Schwimmbäder angewiesen", sagt Aigner. Und so ist er froh, dass es wenigstens im Weiher ein bisschen Betätigung gibt. "Irgendwie müssen wir uns ja fithalten." Bei aller Ungewissheit, wie es weitergeht, ein bisschen was Fixes gibt es doch: Die ambitionierte Mannschaft bleibt zusammen. Die Reichert-Brüder Dennis und Robert werden in Weiden studieren, Nikolaj Neumann hat hier eine Lehrstelle. Auch Andreas Widiker kann weiter fest eingeplant werden, das gilt auch für Jakob Ströll. Routiniers wie Thomas Kick, Andreas Jahn oder Sean Ryder sind auch in der Region verwurzelt. "Zudem kriegen wir auch einen interessanten Jungen aus der Jugend", sagt der Trainer. Dennis Underberg sei mit seinen erst 15 Jahren schon sehr weit.

Die Wasserballer in Corona-Zeiten

Weiden in der Oberpfalz

Komplett ratlos

Wann vielleicht auch Underberg sein Debüt in der ersten Mannschaft des SV geben kann, ist unsicherer denn je. "Ich mache mir keine Gedanken mehr darüber, was sein könnte", sagt Aigner nachdenklich. Da geht es ihm wie Irek Luczak, dem Abteilungsleiter der Wasserballer: "Ich bin komplett ratlos." Wenn das einer sagt, der eigentlich immer Lösungen weiß, dann ist das kein besonders gutes Zeichen ...

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