19.11.2020 - 15:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Dominik Kahun im Interview: "WM-Teilnahme unwahrscheinlich"

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Eishockey-Star Dominik Kahun hält sich derzeit in München fit. Im Interview spricht der 25-Jährige über seinen künftigen Teamkollegen Leon Draisaitl, seinen Traum in der NHL und den Besuch beim neuen Sponsor seines Jugendvereins aus Weiden.

Aktuell stürmt Dominik Kahun für den EHC Red Bull München beim Magenta-Sport-Cup, einem Vorbereitungsturnier auf die ab Mitte Dezember geplante Saison in der DEL.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

ONETZ: Anfang Oktober waren Sie im Restaurant „Holzfellas“ von Stefan Ziegler in Wiesau zu Gast, dem neuen Hauptsponsor der Blue Devils Weiden. Wie kam dieses Treffen zustande?

Dominik Kahun: Das hat sich durch Freunde und Bekannte ergeben. Dadurch, dass sich Stefan Ziegler jetzt bei Weiden engagiert und ein großer Eishockey-Fan ist, hat er mich zum Essen eingeladen. Das war ein sehr schöner Abend.

ONETZ: Als das Foto Ihres Besuchs in den Sozialen Medien veröffentlicht wurde, haben die Fans der Blue Devils schon von einer Rückkehr zu Ihrem Jugendverein geträumt ...

Dominik Kahun: (lacht) Darüber haben wir auch gesprochen. Aber nur im Spaß.

ONETZ: Verfolgen Sie die Weidener Ergebnisse aus der Ferne?

Dominik Kahun: Ja natürlich. Ich schaue mir die Spiele jetzt nicht an, aber ich verfolge schon ab und an den Liveticker und wo sie in der Tabelle stehen.

ONETZ: Sie sind aktuell an Ihren Ex-Verein EHC Red Bull München ausgeliehen. Eingewöhnungsprobleme sollten Sie also kaum verspürt haben…

Dominik Kahun: Nein, das ist richtig. Ich stehe mit den Jungs nach wie vor in Kontakt. Die Abläufe und die verantwortlichen Personen sind mir noch weitgehend vertraut.

ONETZ: Werfen wir einen Blick auf die sportliche Situation: Beim Magenta-Cup stehen bislang ein Sieg gegen Mannheim und eine Niederlage gegen Schwenningen zu Buche. Zufrieden?

Dominik Kahun: Nach so einer langen Zeit ohne ein einziges Spiel ist es für alle schwierig, wieder reinzukommen. Aber bereits gegen Schwenningen war ein Fortschritt erkennbar, da habe auch ich mich schon besser gefühlt.

ONETZ: Welchen Stellenwert messen Sie diesem Vorbereitungsturnier bei? Vor allem vor dem Hintergrund, dass nicht alle Teams am Start sind und teils auch nicht in voller Besetzung.

Dominik Kahun: Ich habe die Vorgeschichte über die Verschiebung des DEL-Starts gar nicht so genau mitbekommen. Aber es ist wichtig für das deutsche Eishockey, dass es zur Vorbereitung auf die mögliche DEL-Saison wieder einen Wettbewerb gibt. Alle Teams sind engagiert bei der Sache und wollen dieses Turnier gewinnen.

ONETZ: Wie sind die aktuellen Pläne in der NHL? Wann geht‘s hier mit der Saison los?

Dominik Kahun: Da haben wir Spieler keinerlei Informationen. Mal war Anfang, dann Mitte Januar im Gespräch. Jetzt sind wir schon bei Anfang Februar. Ich habe nun hier in München noch einen Ein-Monatsvertrag, danach werde ich schauen, ob und wann es wieder nach Nordamerika geht.

ONETZ: Ist es ein vielleicht sogar ein realistisches Szenario, dass Sie auch zum angepeilten DEL-Start Mitte Dezember noch für München auf dem Eis stehen?

Dominik Kahun: Das werden wir sehen. Sollte sich der Start in der NHL weiter verschieben, könnte ich mir das durchaus vorstellen.

Aber klar ist auch, je später der Saisonstart in Amerika erfolgt, desto unwahrscheinlicher ist eine WM-Teilnahme der NHL-Spieler.

Dominik Kahun

Dominik Kahun

ONETZ: Könnte sich der verspätete NHL-Start auch auf Ihren Einsatz für Deutschland bei der WM im nächsten Jahr (21. Mai bis 6. Juni) auswirken?

Dominik Kahun: Das ist eine schwierige Frage, die ich noch nicht beantworten kann. Aber klar ist auch, je später der Saisonstart in Amerika erfolgt, desto unwahrscheinlicher ist eine WM-Teilnahme der NHL-Spieler. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei einem Saisonstart im Februar die NHL im Mai schon wieder wegen der WM pausiert.

ONETZ: In der NHL laufen Sie künftig für die Edmonton Oilers auf und bilden dort mit Leon Draisaitl das deutsche Traumduo. Hat Sie Ihr Nationalmannschaftskollege zu diesem Schritt ermutigt?

Dominik Kahun: Natürlich haben wir im Vorfeld gesprochen. Und Leon hat mir auch gesagt, dass sie in Edmonton ein gutes Team haben, aber er hat mir eben auch gesagt, dass es meine Entscheidung und meine Karriere ist, weswegen ich die für mich beste Wahl treffen müsse.

ONETZ: Welche Ziele haben Sie für sich und die Oilers im Kopf?

Dominik Kahun: Jeder Sportler will Titel gewinnen. Und ich habe den großen Traum, eines Tages den Stanley-Cup bejubeln zu dürfen.

ONETZ: Die Edmonton Oilers sind bereits Ihr vierter Verein in Nordamerika seit dem Wechsel 2018. Gehört dieses ständige Wechseln zum Geschäft oder sehnen Sie sich manchmal nach Kontinuität und einer konstanten Entwicklung?

Dominik Kahun: Natürlich hegt jeder den Wunsch, länger in einem Team zu spielen, aber in der NHL hast du das nicht in der eigenen Hand. Egal, ob du gut oder schlecht spielst, es kann sein, dass du von heute auf morgen getradet wirst, weil dein Verein andere Pläne verfolgt oder andere Spieler benötigt. So war es leider auch bei mir.

ONETZ: Sind Sie inzwischen ein Umzugsprofi oder nervt das ständige Kofferpacken allmählich?

Dominik Kahun: Wenn der Wechsel im Sommer vollzogen wird, geht es einigermaßen. Aber als ich im Februar von Pittsburgh nach Buffalo transferiert wurde, musste alles ganz schnell gehen. Ich war in Buffalo, meine Koffer, mein Auto, einfach alles war noch in Pittsburgh. Nicht schön, aber das gehört zum Geschäft.

ONETZ: Wir kommen an einem Thema nicht vorbei: Corona. Ist es aus Sportlersicht vertretbar, dass der Profi-Spielbetrieb teilweise auf Biegen und Brechen durchgezogen wird, während die Einschränkungen seitens der Regierung immer gravierender werden?

Dominik Kahun: Ich weiß es sehr zu schätzen, welches Privileg wir als Profisportler genießen, indem wir auch in der aktuellen Krise unserem Beruf nachgehen können. Uns wurden zwar auch die Gehälter gekürzt, aber das finanzielle Niveau in Amerika ist mit dem hier in Deutschland nicht zu vergleichen. In Deutschland weiß noch keiner, wie‘s weitergeht. Ein kompletter Saisonausfall würde viele Vereine vor existenzielle Nöte stellen. Letztlich entscheiden nicht die Spieler, sondern die Politik.

ONETZ: Abschließend noch einmal der Blick nach Weiden: Haben Sie noch viel Kontakt in die Heimat Ihrer Kindheit?

Dominik Kahun: Meine Familie wohnt mittlerweile in Regensburg, aber ein paar Freunde und Bekannte haben wir schon noch in Weiden. Aber der Kontakt ist nicht mehr so intensiv wie früher.

2018 spielte Dominik Kahun beim Benefiz-Fußballspiel der Bananenflanker am Weidener Wasserwerk

Weiden in der Oberpfalz

2019 feierte Dominik Kahun seinen Geburtstag in Mantel

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Das ist Dominik Kahun

  • Geboren am 2. Juli 1995 im tschechischen Planá
  • Position: Center
  • Bisherige Vereine: 1. EV Weiden (2005-07), HC Pilsen (2007-08), Jungadler Mannheim (2008-2012), Sudbury Wolves (2012-2014), EHC Red Bull München (2014-2018), Chicago Blackhawks (2018-19), Pittsburgh Penguins (2019-20), Buffalo Sabres (2020), Edmonton Oilers (seit November 2020, aktuell ausgeliehen an Red Bull München)
  • Nationalmannschaft: Seit 2016 absolvierte Kahun 40 Länderspiele für Deutschland und erzielte dabei 27 Scorerpunkte (7 Tore/20 Assists)
  • Größte Erfolge: Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018, dreifacher Deutscher Meister mit Red Bull München (2016-2018)

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