08.12.2020 - 10:32 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Fast schon Resignation bei Weidener Wasserballern: "Aber ..."

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Sie sind ein bisschen die Exoten in der Oberpfälzer Sportwelt: Die Weidener Wasserballer. Bei vielen Eltern und Kindern ist die Sportart aber dennoch beliebt. Die SV-Macher sind derweil in der Coronakrise nachdenklich.

Die Jugendlichen des SV Weiden sind immer mit voller Begeisterung bei der Sache.
von Josef Maier Kontakt Profil

Alex Schäfer liebt dieses Spiel, liebt Wasserball von klein auf. Später wurde er auch Nationalspieler in seinem Geburtsland Weißrussland. Dann kam er nach Deutschland und fand dort seine sportliche Heimat beim SV Weiden. Der mittlerweile 47-Jährige spielte mit den Oberpfälzer Wasserballern auch in der Bundesliga. Seit 2005 engagiert er sich in der Jugendarbeit des SV. Derzeit, in der Coronakrise, ist die Spannung, die Begeisterung, diese Lust aber total weg: "Momentan habe ich das Gefühl, ich habe etwas verloren." Und damit meint der dreifache Familienvater nicht nur den Wochen-Rhythmus, der abends und am Wochenende von Wasserball bestimmt war.

Viele Sportarten trifft die Pandemie vor allem in der Nachwuchsarbeit. Die Wasserballer trifft sie besonders. Beim Wasserball sei die Aufbauarbeit noch viel intensiver als etwa beim Fußball oder Handball, meint Schäfer. "Wenn da ein Monat an Training fehlt, ist das wahnsinnig viel." Schon im Sommer, als die Corona-Welle etwas abgeebbt war, war es für die Jungs und Mädels schwierig, sie bei Laune zu halten. Training war eigentlich nur im Schätzlerbad-Weiher – inklusive Karpfenbegegnung – möglich. "Da sind schon einige dann nicht mehr gekommen", blickt Schäfer zurück. Die Eltern hätten es nicht so toll gefunden, dass ihre Kinder im trüben Wasser trainieren mussten.

Die Pandemie könnte auch ein zartes Pflänzchen zerstören, das Schäfer und seine Kollegin Stefanie Zillmann erst seit kurzem gehen und pflegen: die im Aufbau befindliche Mädels-Mannschaft. Auch Schäfers kleine Tochter Marie (7) – die Jungs Miron (9) und Martin (14) sind natürlich auch Wasserballer - ist normalerweise mit Begeisterung dabei. Und jetzt zum Nichtstun verurteilt. Es sei klar, dass die Motivation , die Disziplin in solchen Zeiten schwinde, erklärt Schäfer. "Ich versuche, die Kinder immer per Whats-App zum Training, zum Bewegen zu animieren." Am Ende bleibt ihm aber nur eines, wie er sagt: "Die Hoffnung, dass nicht zu viele in dieser Krise abspringen."

Die Corona-Folgen für Weidens Bundesliga-Wasserballer

Weiden in der Oberpfalz

Hoffen, das ist irgendwie auch das, was Irek Luczak (54) derzeit nur kann. Der Abteilungsleiter der SV-Wasserballer hat sich noch ein paar Jahre länger als Schäfer dem Wasserball verschrieben. Anfang der 1990er Jahre galt er mit Sigi Luczak, Gerhard Wodarz oder Michel Schuster als Architekt der neuen Wasserball-Abteilung. Irek Luczak ist keiner, der sagt, früher sei alles besser gewesen. „Natürlich ist es aber heute schwieriger, die jungen Leute zu begeistern“, meint er. Aber auch heute noch würden viele Eltern aus Weiden und Umgebung ihre Kinder zum Wasserball schicken. Dort, das wissen die Erwachsenen, geht es neben dem Sportlichen auch darum, dass die Kinder auch Disziplin und das sich einfügen in ein Team lernen. Etwa 70 Jugendliche sind derzeit beim SV in fünf Altersklassen (U16, U14, U12, U10 und die Mädchen) aktiv. Früher waren es auch nicht mehr. Die jungen Leute wollen natürlich beschäftigt werden. Aber was machen, wenn beispielsweise in Corona-Zeiten die Schwimmbäder geschlossen sind?

Mittlerweile dürfen wenigstens die Bundesliga-Mannschaft und einige junge Wasserballer, die Auswahlteams angehören, wieder trainieren, allerdings sind da aus jeder Jugendmannschaft nur ein paar Spieler dabei. „Ein Mannschaftstraining ist da eigentlich nicht möglich“, meint Luczak, der da schon das Problem einer Zwei-Klassen-Gesellschaft sieht. Und so sagt auch er wie Schäfer: „Ich hoffe nur, dass nicht allzu viele abspringen.“ Die Folgen, so ergänzt der Abteilungsleiter, würden ohnehin erst später richtig spürbar. Die Bundesliga-Mannschaft speist sich nahezu aus dem eigenen Nachwuchs. Erstliga-Wasserball in Weiden könnte bald keine Selbstverständlichkeit mehr sein. Deswegen spricht Luczak auch die Eltern an: „Die müssen mit anschieben, mit motivieren.“ Auch so eine Hoffnung von Luczak, der sich aber so anhört, wie man ihn normalerweise nicht kennt: „Das klingt von mir alles schon ein bisschen nach Resignation“, sagt er. „Das ist es wohl fast auch.“ Dann überlegt er kurz: „Aber wir geben nicht auf.“ So kennt man Irek Luczak.

Hintergrund:

Der SV Weiden

  • Die Weidener Wasserballer gehören als eigenständige Abteilung zum SV (Schwimmverein) Weiden.
  • Die erste Mannschaft spielt in der Wasserball-Bundesliga (Hauptrundengruppe B)
  • Mit dem Weidener Thomas Kick hat der SV auch einen Ex-Nationalspieler in seinen Reihen.
  • Etwa 70 Jugendliche spielen in den Jugendteams des SV.

Die müssen mit anschieben, mit motivieren, damit ihre Kinder etwas tun.

Appell von SV-Abteilungsleiter Irek Luczak an die Eltern

Appell von SV-Abteilungsleiter Irek Luczak an die Eltern

Ich versuche, die Kinder immer per Whatsapp zum Training, zum Bewegen zu animieren.“

Alex Schäfer, Jugendtrainer des SV, zu seinen Motivationsversuchen

Alex Schäfer, Jugendtrainer des SV, zu seinen Motivationsversuchen

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.