01.04.2021 - 12:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Für Emily Dotzler ist der Judosport mehr als nur Medaillen

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Als Fünfjährige steht sie erstmals auf der Matte, zehn Jahre später wird sie Deutsche Meisterin: Emily Dotzler ist die erfolgreichste Athletin im Judobezirk Oberpfalz. Der Sport hat ihr aber mehr gegeben als nur Siegerpokale.

Emily Dotzler (rechts) beim Grenzlandpokal 2009 in Aktion:Die vom TB Weiden ausgerichtete Veranstaltung war über Jahre hinweg ein Magnet für Judoka aus ganz Deutschland
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Eigentlich ist der Judo-Pass recht nüchtern gehalten. Ein kleines Heftchen, in dem Prüfungen, Lehrgänge und Turniererfolge notiert werden. Mehr nicht. Für Emily Dotzler hat das Papier aber eine große Bedeutung. "Als Kind war ich mächtig stolz, wenn ich mir nach den Wettkämpfen einen Stempel abholen durfte. Das war schon etwas Besonderes."

Pokalturniere aller Art, Meisterschaften von der Bezirksebene bis hinauf zur "Deutschen" – Einträge in besagtem Dokument hat die 27-Jährige jede Menge vorzuweisen. Kein Wunder, denn die Weidenerin stieg bereits im Vorschulalter in den Judosport ein. "Meine Familie ist einfach judobegeistert. Meine Schwester Marlies ging zum Judo, mein Bruder Vinzenz auch. Da hat es sich zwangsläufig ergeben, dass ich auch dort gelandet bin", berichtet Dotzler.

Fußstapfen ehemaliger TB-Judo-Meister

Dort, das war die Judoabteilung des Turnerbund Weiden. Eine Sparte, die Anfang der sechziger Jahre gegründet wurde und bereits Deutsche Meister wie Hans Sperrer, Fritz Fißl und Roland Hösl hervorgebracht hatte. Dass die kleine Emily in deren große Fußstapfen treten würde, ahnt zunächst keiner. Selbst Vater Gerhard nicht, der als Trainer dafür sorgte, dass die Tochter im Vorschulalter spielerisch den Zugang zur japanischen Kampfsportart findet. "Wir sind damals auf der Matte rumgepurzelt, haben turnerische Dinge gemacht", erzählt Emily Dotzler. "Es war eine schöne Zeit. Ich bin gerne ins Training gegangen. Man hat dort Freunde gefunden."

Dass mit der kleinen Dotzler ein bemerkenswertes Judo-Talent heranreift, kristallisiert sich bei den ersten Wettkämpfen in der Altersklasse U9 heraus. "Ich habe damals nur ganz wenige Kämpfe verloren. Mein großes Plus war, dass ich ein super Körpergefühl hatte." Die ersten großen Siege lassen nicht lange auf sich warten. Mit elf Jahren startet sie in der Altersklasse U14 unter TB-Trainer Stefan Bolleininger durch und gewinnt 2004 auf Anhieb die bayerische Einzelmeisterschaft.

Dreifache Deutsche Meisterin

Ein Ergebnis, das motiviert. Es folgen Top-Resultate auf nationaler Ebene. Von 2008 bis 2010 erringt die Gymnasiastin dreimal in Folge die deutsche Meisterschaft, zweimal bei der U17 und einmal bei der U20. "Ich glaube, es war eine gesunde Mischung aus Talent und Trainingsaufwand", erklärt sie ihre herausragenden Leistungen. Ihre relativ geringe Körpergröße gleicht Dotzler mit anderen Qualitäten aus: "Ich war wendig und kräftig. Außerdem habe ich viel investiert, um mich weiter zu verbessern."

Dreimal die Woche Judotraining, dazu Kraft- und Fitnesseinheiten - wenn Mitschülerinnen sich treffen, feilt Emily Dotzler an ihrer Technik. Einmal pro Woche geht es zum Judo-Stützpunkt nach Altdorf, um sich dort mit anderen Trainingspartnern zu messen. "Meine Familie stand immer hinter mir. Sonst hätte ich diesen Aufwand nie leisten können", sagt sie. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, habe sich nie eingestellt: "Ich habe mich gerne für den Sport entschieden. Es gab so viele schöne Erlebnisse, die ich sonst nie gehabt hätte."

"Wenn ich ein Ziel erreichen möchte, dann gebe ich nicht auf, auch wenn es beim ersten Mal nicht klappt. Das habe ich aus meinem Sport mitgenommen."

Emily Dotzler

Wie zum Beispiel internationale Einsätze im deutschen Nationalkader. Japan, Korea, Brasilien, Russland - dank ihres Judotalents kommt die Oberpfälzerin viel in der Welt herum. Und dies in einem Lebensabschnitt, in dem gleichaltrige junge Frauen kaum über den regionalen Tellerrand hinausschauen. "Judo hat meine Persönlichkeit geformt", sagt sie und meint damit ihr Durchhaltevermögen, ihren gesunden Ehrgeiz: "Wenn ich ein Ziel erreichen möchte, dann gebe ich nicht auf, auch wenn es beim ersten Mal nicht klappt. Das habe ich aus meinem Sport mitgenommen." Und wie sieht es mit der Disziplin aus, wenn es um die süßen Dinge im Leben geht? "Ich liebe Schokolade. Leider", schmunzelt Dotzler. "Gewicht ist im Judo ja ein großes Thema. Aber ich habe es letztlich gut hinbekommen."

Dem Abitur 2011 am Kepler-Gymnasium folgt das Lehramtsstudium in München. Dotzler zieht es nach München, auch um am Bundesstützpunkt TSV Großhadern ihr sportliches Können zu verfeinern. Mit ihr holt der TSV Großhadern erstmals die deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Auch international bleiben Erfolge nicht aus. Bei der Frage, welche Platzierungen ihr am wertvollsten sind, muss sie nicht lange überlegen. "Platz fünf bei der U23-Europameisterschaft, darauf bin ich am meisten stolz." Ganz oben auf der Skala steht natürlich auch die Teilnahme an der U21-WM 2013. Mit der deutschen Mannschaft gewinnt sie damals Bronze - eine bleibende Erinnerung.

Studentenleben genießen statt Olympia

Mit dem Wechsel in die Erwachsenenklasse verändert sich, wie so oft im Sport, der Blickwinkel. Zwar erreicht sie 2014 in der Frauenwertung Platz drei bei der "Deutschen", allerdings wird ihr eines bewusst: "Wenn man im Frauen-Judo etwas erreichen will, dann muss man klotzen und richtig viel trainieren." Mit 22 Jahren fasst die Weidenerin einen für sie richtigen Entschluss: "Ich habe gemerkt, dass ich den Judosport zwar liebe, aber auch das Studentenleben mehr genießen möchte. Deshalb habe ich einen Schlussstrich gezogen." Letztlich, so gibt sie zu, habe auch die Option für "die ganz großen Erfolge" gefehlt: "Olympia war zwar im Hinterkopf, aber aufgrund der großen Konkurrenz nie ein riesengroßer Traum."

Dem Judosport ist Emily Dotzler ("ich schaue mir gerne Kämpfe an") weiter verbunden, aber sie hat umgesattelt. Statt den Gegner im Würgegriff zu halten, tritt sie nun lieber in die Pedale. "Ich habe letztes Jahr mit meinem Freund eine Radreise an die Ostsee unternommen", erzählt die Wahl-Münchnerin, die seit drei Jahren im Stadtteil Neuperlach an der Grundschule unterrichtet. Was ihr allerdings noch fehlt, ist ein Radler-Pass. Einer, in dem anstrengende Strecken schon mal mit einem Stempel belohnt werden.

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Oberpfalz
Die Hand am Pokal: Beim Teamwettbewerb der U21-Weltmeisterschaft 2013 im slowenischen Ljubljana gewann Emily Dotzler (sitzend, Zweite von rechts) mit der deutschen Nationalmannschaft die Bronzemedaille.
Der Adler zeigt’s:Emily Dotzler ging in Länderkämpfen und bei internationalen Meisterschaften für Deutschland auf die Matten.
Hintergrund:

Zur Person: Emily Dotzler

  • Geburtsdatum:18. Juni 1993
  • Ausbildung/Beruf: 2011 Abitur am Kepler-Gymnasium Weiden, danach Lehramtsstudium für Grundschule. Seit 2018 Grundschullehrerin in München-Neuperlach
  • Vereine: TB Weiden, 2011 Wechsel zum Bundesstützpunkt TSV Großhadern
  • Deutsche Meisterschaft
    2008, 2009: jeweils 1.Platz (U17). 2010: 1.Platz (U20). 2012:2. Platz (U21). 2014: 3. Platz (Frauen), 1.Platz mit der Mannschaft des TSV Großhadern
  • Internationale dt. Meisterschaft
    2009: 1.Platz (U17)
  • International European Cup
    2010: Bronze
  • Europameisterschaft
    2014: 5. Platz (U23)
  • Weltmeisterschaft
    2009: Nach 2 Siegen vorzeitig ausgeschieden (U17). 2013: 3. Platz mit der deutschen Mannschaft (U21)
  • Universiade
    Teilnahme 2013 in Kazan/Russland

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