07.01.2022 - 18:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Vom Krankenbett zum Triathlon: Die besondere Sportkarriere des Stephan Loew

Im März 1986 kehrt Stephan Loew von einem Rucksackurlaub in Thailand zurück. Vier Monate später der Schock. Schwächeanfall, Gliederschmerzen, hohes Fieber - der damals 25-Jährige hat Malaria. Das Schlüsselerlebnis bringt ihn zum Triathlon.

Ironman 1993 auf Hawaii: Stephan Loew läuft nach 9:23 Stunden über die Ziellinie.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Jenen Sonntag am 29. Juni 1986 wird Stephan Loew in seinem Leben nie vergessen. Weiden feiert tagsüber sein Bürgerfest, am Abend sitzt jeder Fußballfan vor dem Fernseher: WM-Finale Deutschland gegen Argentinien. Dass das DFB-Team am Ende unglücklich mit 2:3 verliert, bekommt Loew gar nicht mehr mit. "Mir ging es plötzlich überhaupt nicht gut. Ich war total schwach und hatte einen extremen Fieberschub."

Sein Vater, ein Arzt, erkennt den Ernst der Lage. Eine Laborprobe noch am selben Abend bringt das befürchtete Ergebnis: Malaria tropica, die gefährlichste Form dieser Tropenkrankheit. "Es stand Spitz auf Knopf. Wenn ich nicht sofort in ein Krankenhaus eingeliefert worden wäre, hätte ich womöglich die Nacht nicht überlebt", berichtet Loew.

Nur zu gut kann sich der heute 60-Jährige an seine damalige Leidenszeit erinnern. "Ich habe sechs Monate gebraucht, um wieder auf den Damm zu kommen." Das halbe Jahr Rekonvaleszenz nutzt Loew jedoch nicht nur zur körperlichen Erholung. Er hat Zeit zum Überlegen. Und er beschließt, etwas in die Tat umzusetzen, das ihn schon so lange im Gedanken verfolgt. "Ich hatte 1982 im Aktuellen Sportstudio einen Bericht über den ersten Hawaii-Ironman gesehen. Der Wettkampf hat mich sofort fasziniert." Doch die Begeisterung weicht schnell nüchterner Selbsterkenntnis: "Ich hatte kein Rad und schwimmen konnte ich auch nicht gut. Also war das Ganze für mich nicht umsetzbar."

Ein richtiges Abenteuer

Gut vier Jahre später, nach der Malaria-Genesung den Kopf frei und voller Tatendrang, macht Loew Nägel mit Köpfen. Er legt die Zigarettenschachtel zur Seite und verändert sein Leben. "Ich war ja schon vorher sportlich und habe Handball und Fußball gespielt", erzählt er. "Aber Triathlon war etwas anderes. Das war etwas Neues, ein richtiges Abenteuer."

Den ersten Kurztriathlon absolviert Loew noch im gleichen Jahr in Bad Kötzting. Mit bescheidenem Erfolg – "ich war ja vorher kein einziges Mal beim Schwimmen." Doch entmutigen lässt er sich nicht: 1988 folgt der erste Mitteldistanz-Triathlon, ein Jahr später die Premiere auf der Langstrecke am Plattensee in Ungarn. Beim Schwimmen ist der Weidener mittlerweile gut unterwegs. "Ich durfte beim Schwimmverein Weiden mit trainieren. Für die Tipps und Hilfe bin ich heute noch dankbar."

Professionelle Hilfe

Egal ob bei den Rennradsportlern des VC Corona Weiden oder den Läufern der DJK Weiden – Loew versucht, von den Spezialisten zu lernen. Ein Segen ist die Leistungsdiagnostik, die Dr. Thomas Gleißner ab 1990 in Regensburg anbietet. "Endlich hatte man da als Amateur eine professionelle Hilfe für die Trainingssteuerung", sagt Loew. "Zuvor trainierte ich nur nach Gefühl."

Der Lohn für die hartnäckige Trainingsarbeit stellt sich ein. 1990 knackt er beim Ironman in Roth die Qualifikationsnorm für Hawaii, im Oktober steht er erstmals auf Kona an der Startlinie – fünf weitere Teilnahmen bei der damals inoffiziellen Weltmeisterschaft folgen. Seine Hawaii-Bestzeit stellt er 1993 auf: 9:23 Stunden – Platz 105 unter rund 1350 Finishern. "Meine stärksten Jahre waren zwischen 1993 und 1997", berichtet Loew. "Mir ist erst lange danach bewusst geworden, welche Form und Fitness ich mir damals regelrecht erarbeitet hatte."

Von vielen Top-Ergebnissen stechen zwei weitere heraus: In Roth bleibt er 1993 mit 8:39 deutlich unter neun Stunden, in Australien stellt er 1997 mit 8:55 Stunden einen neuen Streckenrekord für Amateure auf. "Die Strecke von damals gibt's so nicht mehr. Deshalb habe ich den Rekord immer noch", lacht er.

Dreimal bei Null angefangen

Knapp ein Vierteljahrhundert liegt der Wettkampf in Down Under zurück. Seitdem hat sich viel im Leben des Stephan Loew verändert. Er hat geheiratet, eine Familie gegründet, ist zweifacher Familienvater und hat seine Leidenschaft für Ausdauersport zum Beruf gemacht. Seit langem ist er eine erste Adresse für Leistungsanalysen und Trainingspläne sowie für hochwertige Produkte rund ums Schwimmen, Radfahren und Laufen. "Ich habe als Selbstständiger zwar dreimal bei Null wieder angefangen. Aber was ich mache, stimmt mich tief zufrieden", sagt er.

Vor einem Jahr wagt er sich an eine neue Aufgabe heran. Mit Partner Berthold Raab übernimmt er in Weiden "Fahrrad Brunner". Das Zweiradfachgeschäft heißt nun "Lifestyle Weiden", als Trümpfe im boomenden Fahrrad-Markt sollen Kompetenz und Service stechen. "Ich hatte nie vor, mit 65 in Rente zu gehen", erklärt Loew. "Das einzige, was sich nun verändert hat, ist, dass ich nun Verantwortung für mehrere Beschäftigte habe."

Triathlon-Wettkämpfe bestreitet Loew schon lange nicht mehr. Aus gutem Grund: "Ich habe als Triathlet alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Da gibt es keine unerfüllten Ziele." Sportliche Herausforderungen sucht er dennoch. Wie zum Beispiel Alpenüberquerungen per Rad, Ski-Marathons, den Goldsteiglauf oder auch das Race Across America, kurz RAAM. In jeweils einem Viererteam stand er 2012 und 2014 an der Startlinie, um per Rad die rund 5000 Kilometer lange Strecke von der West- an die Ostküste der USA nonstop in rund sechs Tagen zurückzulegen. "Ich war zuvor immer ein Einzelkämpfer. Beim RAAM stand erstmals das Team im Vordergrund, das war für mich eine super Erfahrung."

Stolz auf die Leistungen

Ergebnislisten, Urkunden, Pokale – im Lauf einer langen Sportler-Karriere hat sich im Hause Loew einiges an Erinnerungsstücken angesammelt. "Ich habe nie etwas weggeworfen, sondern alles aufgehoben." Bei Umzügen standen die Trophäen zwar das ein oder andere Mal bereits auf der Straße, "aber ich habe sie jedes Mal wieder gerettet". Im "Lifestyle Weiden" ist eine Wand dekoriert mit Bildern seiner schönsten Sport-Momente. Auf seine Leistung, seine Wettkampfergebnisse sei er "brutal stolz", gibt der Triathlon-Pionier offen zu. "Ich muss das aber nicht nach außen kehren. Ich habe das Ganze immer für mich selbst gemacht." Von den vielen positiven Erfahrungen will Loew keine missen – mit einer Ausnahme: "So etwas wie Malaria muss ich nicht noch einmal haben."

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Oberpfalz
Stephan Loew als selbstständiger Unternehmer: Der heute 60-Jährige hat im Januar 2021 zusammen mit einem Bekannten "Fahrrad Brunner" in Weiden übernommen. Das Radgeschäft heißt nun "Lifestyle Weiden".
Durch die kalifornische Halbwüste unterwegs: Zweimal nahm Stephan Loew am Race Across America (RAAM) in jeweils einem Viererteam teil.
Hintergrund:

Zur Person: Triathlet Stephan Loew

  • Jahrgang 1961, verheiratet, zwei Kinder, wohnt in Neudorf bei Luhe-Wildenau
  • Mitinhaber und Geschäftsführer des Rad- und Triathlongeschäfts "Lifestyle Weiden"
  • Sechs Starts beim Ironman Hawaii
  • Teilnahme an rund 200 Kurzdistanz- und 20 Langdistanzwettkämpfen
  • Als Läufer absolvierte er 20 Marathonläufe und 3 Läufe über 50 Kilometer
  • Als Radsportler nahm er zweimal am Race Across America (RAM) teil
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