Weiden in der Oberpfalz
30.12.2022 - 18:51 Uhr

Meinung: Eine Antwort ohne Zweifel: "Pelé, wer denn sonst?"

Väter haben meist ein untrügliches Urteil. Was Pelé betrifft, weiß unser Redakteur Alfred Schwarzmeier seit 50 Jahren Bescheid.

Kommentar von Alfred Schwarzmeier
Pelé bleibt über seinen Tod hinaus eine Fußball-Legende. Bild: Will Oliver
Pelé bleibt über seinen Tod hinaus eine Fußball-Legende.

Es war eines der schönsten Geschenke, die ich vor rund 50 Jahren zu meiner Erstkommunion erhielt: Ein Buch über die herausragenden Fußballer der Sechzigerjahre. Eusébio, Ferenc Puskas, Lew Jaschin, Bobby Charlton, Uwe Seeler, Gianni Rivera, Pelé – allen waren eigene Kapitel gewidmet, die ich als fußballverrücktes Kind immer wieder aufschlug, geradezu verschlang. Und weil ich als kleiner Bub unbedingt wissen wollte, wer denn von all den Spielern der Beste der Welt sei, musste mein Vater als Experte herhalten. Die Antwort kam prompt und ließ keinen Zweifel zu: "Pelé, wer denn sonst?"

Damit war die Sache von offizieller Seite geklärt. Im besagten Buch waren die Seiten über Edson Arantes do Nascimento bald schon abgegriffen, der Name Pelé spukte in meinem Kopf herum, beschäftigte meine Phantasie. Auf dem Bolzplatz, wo Jungs gerne in die Rolle ihrer Fußball-Vorbilder schlüpfen, sich als Pelé auszugeben, ging dann doch einen Tick zu weit. Zu groß war der Respekt vor diesem großen Namen, zu klein mein Können als Fußball-Dreikäsehoch. Lieber trickste ich wie Erwin Kremers oder verteidigte wie Berti Vogts als mich mit Brasiliens Idol zu vergleichen.

Seitdem sind Jahrzehnte vergangen, viele Weltmeisterschaften wurden gespielt. Das Spiel mit dem runden Leder ist – egal ob Athletik, Tempo oder Taktik – ein anderes als noch vor 50, 60 Jahren. Der Hochgeschwindigkeitsfußball von heute produziert seine eigenen Helden. Ob ein Pelé da noch mithalten könnte? Selbst mein verstorbener Vater hätte wohl seine Zweifel. Vielleicht würde seine Antwort so ausfallen: „Messi und Ronaldo, beide sind tolle Fußballer, aber Pelé ist Pelé.“

 
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