Weiden in der Oberpfalz
30.03.2026 - 14:55 Uhr
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Michael McNiven und eine Top-Reihe: Die Siegbringer für die Blue Devils Weiden

Da war es nur noch ein einziger Sieg, der den Blue Devils Weiden zum Klassenerhalt in der DEL2 fehlt. In der Kaufbeuren-Serie ist bislang auf einen starken Goalie und eine stark punktende Parade-Reihe Verlass.

Paul Vinzens war der erste, der nach der Schlusssirene auf Michael McNiven zufuhr und ihn innig herzte. Diese Szene war symptomatisch für den Auftritt der Blue Devils Weiden am Sonntagabend beim ESV Kaufbeuren. Goalie McNiven und Torschütze Vinzens waren zwei der prägenden Protagonisten beim 3:1-Auswärtssieg im Allgäu, der die Tür zum Klassenerhalt in der DEL2 sperrangelweit aufstieß. Nach dem zweiten Sieg in der Best-of-7-Serie der finalen Play-down-Runde führen die Blue Devils bereits mit 3:0-Siegen – ein womöglich entscheidender Vorteil dank des 13-Punkte-Vorsprungs nach den 52 Hauptrundenspielen.

Das heißt konkret: Aus den verbleibenden maximal vier Partien benötigen die Blue Devils noch einen Sieg, während Kaufbeuren alle vier Spiele für sich entscheiden müsste. Da müsste es sprichwörtlich schon mit dem Teufel zugehen, der in diesem Abstiegsfinale aber scheinbar – aus Weidener Sicht – glücklicherweise ein blaues Gewand trägt. Spiel drei dieser Serie steigt bereits am Dienstagabend um 20 Uhr in der Weidener Hans-Schröpf-Arena – das erste sogenannte Matchpuck-Spiel für die Blue Devils. Bei erneut optimalem Verlauf könnte damit am späten Dienstagabend gegen 22.15 Uhr der Vorhang für diese so komplizierte Saison für die Blue Devils fallen – mit einem Happy End und lediglich einem blauen Auge.

Doch bereits an Jubel, Trubel und Heiterkeit zu denken, das verbietet sich und allen anderen Alan Letang höchstpersönlich. „Unsere Jungs wissen, wie wichtig das Spiel am Dienstag ist. Es ist das schwerste Spiel zu gewinnen, es wird das schwerste Spiel dieser Saison. Das ist auch meine Aufgabe und die des Trainerteams, dafür zu sorgen, dass die Spieler im Moment bleiben, geerdet und bereit sind. Wir werden sie optimal auf Dienstag vorbereiten“, hob der Weidener Cheftrainer im Gespräch mit Oberpfalz-Medien den verbalen Zeigefinger und warnte davor, die Serie vorschnell bereits als gewonnen zu charakterisieren.

Zu viele Scheibenverluste

Wo die emotionalisierte Fanseele in ihrem Befinden mitunter sehr flexibel ist – zwischen Resignation und ausgelassenem Jubel liegt meist nicht einmal eine Partie – bleibt Letang Pragmatiker: „Man darf nach einem Sieg nicht abheben und nach einer Niederlage nicht zu tief fallen. Es geht darum, Spiel für Spiel zu analysieren – was war gut, was nicht.“ Nicht gut war für den Weidener Trainer in Kaufbeuren etwa das Mitteldrittel, in dem er „20 bis 22 unnötige Scheibenverluste“ kritisierte. „Egal gegen wen oder in welchem System man spielt: Wenn man dem Gegner so viele Turnovers schenkt, kippt das Spiel, und es wird immer schwieriger. Dazu kamen Strafzeiten, sodass wir viel in Unterzahl arbeiten mussten.“

In dieser schwierigen Phase konnten sich die Blue Devils auf Michael McNiven im Tor verlassen, der rechtzeitig zur entscheidenden Saisonphase die Präsenz und Sicherheit ausstrahlt, die man sich in Weiden aufgrund seiner Vita von seiner Verpflichtung versprochen hatte. „Nivi war heute Abend unser bester Spieler. Er hat im zweiten Drittel einige riesige Paraden gezeigt, besonders als Kaufbeuren das ganze Momentum hatte und wir ein bisschen ins Wanken geraten sind. Es ist gut zu sehen, dass er wieder zu seiner Top-Form zurückgefunden hat“, lobte Letang seinen Schlussmann, der aufgrund von Verletzungen und der unter Ex-Trainer Sebastian Buchwieser praktizierten Rotation im Tor lange nicht sein Top-Level abrufen konnte.

Die maßlose und in all ihrer Vehemenz nicht immer gerechtfertigte Kritik, insbesondere in den Sozialen Medien, nagte am 28-jährigen Schlussmann. Erst seit Interimstrainer Jürgen Rumrich und insbesondere unter Neu-Trainer Letang ist McNiven die unangefochtene Nummer eins im Weidener Tor. „Er ist Profi und hat das alles schon erlebt, hat in der National Hockey League und in der American Hockey League gespielt. Er braucht mich nicht, um an seinem Spiel zu arbeiten. Er ist fokussiert und weiß, worum es geht. Meine Aufgabe und die unseres Trainerstabs ist es, hochkarätige Torchancen zu begrenzen. Alles außerhalb der gefährlichen Zonen hält er normalerweise mit einer Fangquote von etwa 94 bis 95 Prozent. Wir müssen also die Chancen minimieren“, beschrieb Letang, wie McNiven wieder den Weg zu einem stabilen und – wie in Kaufbeuren – siegbringenden Goalie fand.

Ward, Vinzens und Noah Samanski

Dazu ist es Letang gelungen, nach einer Phase des Probierens und Kennenlernens gerade noch rechtzeitig Reihen-Formationen zu finden, die harmonieren und einen Weg auf die Anzeigetafel finden, sprich Tore garantieren. Dabei sticht die Formation um den wiedererstarkten Tyler Ward, Paul Vinzens und Noah Samanski heraus. Diese Top-Reihe verbuchte in den beiden Kaufbeuren-Spielen neun Scorerpunkte: Ward vier, Vinzens drei und Samanski zwei. „Diese Reihe war in den letzten beiden Spielen mit Abstand unsere beste. Sie konnten die Scheibe gut behaupten und freie Räume finden. Da ist viel Tempo drin. Noah bringt die nötige Größe mit, um die Scheibe abzuschirmen. Wardo wirkt wieder in Topform, kommt schnell aus den Ecken und ist im Eins-gegen-eins schwer zu greifen. Pauly ist ein starker junger Spieler, läuft gut, ist dynamisch und stark an der Scheibe. Sie ergänzen sich hervorragend. Schön zu sehen, dass sie für ihre harte Arbeit und die vielen Torchancen belohnt werden“, stellte Letang die Vorzüge dieses Trios heraus.

Auf deren Ausbeute wird es auch am Dienstag wieder ankommen, wenngleich der Coach auch die übrigen Reihen in die Pflicht nimmt: „Hoffentlich bekommen wir am Dienstag zusätzliche Tore aus der Tiefe des Kaders – das werden wir brauchen. Es ist wichtig, dass mehrere Reihen ins Rollen kommen.“ Das ehrt den Kanadier, dass er seine Reihen noch immer ins Rollen bringen mag, doch genau genommen müssen sie genau noch einmal liefern. Am besten schon am Dienstagabend, damit endlich der Haken hinter diese konfuse Saison gesetzt werden kann. Dann darf auch etwas gejubelt und gefeiert werden. Aber – pssst! – nicht Alan Letang verraten.

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