22.07.2019 - 18:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Neue Saison, neue Regeln, alte Diskussionen?

"Wann ist ein Mann ein Mann?", fragt Herbert Grönemeyer in seinem Song "Männer". Fußballer und Fans rätselten zuletzt immer öfter: Wann ist Hand eigentlich Hand? Pünktlich zum Saisonstart passt der Bayerische Fußballverband seine Regeln an.

So eindeutig wie in dieser Situation waren Handspiele zuletzt nicht mehr zu ahnden. Mit klarer formulierten Regeln will der Bayerische Fußballverband die Situation für Schiedsrichter, Spieler und Fans vereinfachen.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Eine verbindliche Antwort auf die Frage, wann ein Handspiel ein strafbares Vergehen oder eine unabsichtliche Berührung ist, vermochte in der vergangenen Fußballsaison kaum mehr jemand verlässlich zu beurteilen. Zu komplex erschien die Regel, zu willkürlich die Auslegung der Unparteiischen. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um eine Partie in der Bundesliga und Champions-League oder um einen Amateurkick in den Kreis- und A-Klassen der Region handelte. Passend zum Saisonstart passte der Bayerische Fußballverband seine umstrittenste Regel an. "Das ist natürlich ein großes Thema. Die neue Formulierung deckt sich nicht mit meiner Ansicht, aber die spielt dabei ja keine Rolle", sagte Thomas Gebele. Der Schiedsrichter-Obmann für den Fußball-Teilkreis Amberg bringt die neue Auslegung auf den Nenner: "Es spielt keine Rolle mehr, ob bei einem Handspiel Absicht vorlag oder nicht."

Natürlich und unnatürliche Körperhaltung

So wurde die unleidliche "Vergrößerung der Körperfläche" genauer definiert. Steht der Arm mehr als eine Handbreit vom Körper ab, liegt ein strafbares Handspiel vor. Genauso wenn der Arm sich über Schulterhöhe befindet. Erzielt ein Spieler mit "angelegtem Arm" einen Treffer, wird diesem die Anerkennung verweigert. "Hand ist Hand, egal, ob Absicht oder nicht", stellt Gebele klar. Kein Fehlverhalten liegt dagegen vor, wenn sich ein Spieler den Ball selbst an die Hand schießt, bei einer Stützhand bei einer Grätsche oder bei einer natürlichen Körperhaltung – sprich der Arm ist weniger als eine Handbreit vom Körper abgespreizt. "Das sind immer schwierige Entscheidungen, weil es zu einer Situation immer viele Meinungen geben wird. Zum Glück haben wir auf Kreis, Bezirks- oder Verbandsebene den Videobeweis nicht."

Strafen gegen die Ersatzbank

Roland Lang, Trainer des Landesligisten SV Grafenwöhr, machte am Sonntag beim Gastspiel in Pfreimd schon Erfahrung mit einer weiteren Regeländerung. Teamoffizielle, die sich auf der Ersatzbank aufhalten, können bei allzu energischem Kommentieren von Schiedsrichterentscheidungen mit persönlichen Strafen belegt werden. Lang sah etwa die Gelbe Karte, aber auch Gelb-Rot oder Rot sind hier möglich, was einen Verweis aus dem Innenraum zur Folge hätte. Sind die Zurufe von der Bank nicht exakt zuzuordnen, wird die Strafe gegen die "ranghöchste" Person – in den meisten Fällen der Trainer – ausgesprochen. Die altbekannte Regel "Der Schiedsrichter ist Luft" gibt es künftig nicht mehr. Wird ein Schiedsrichter angeschossen, erfolgt die Spielfortsetzung mittels Schiedsrichterball. Gegnerische Spieler dürfen sich bei einem Freistoß künftig nicht nicht mehr mit in die Mauer stellen, um dem Torhüter etwa die Sicht zu versperren – zumindest bei einer Mauer, die aus mindestens drei Spielern besteht. Ab- und Freistöße müssen künftig nicht mehr aus dem Strafraum gespielt werden. Gegnerische Spieler müssen aber aus dem Strafraum bleiben (bei Abstößen) oder einen Abstand von 9,15 Metern wahren (bei Freistößen).

Hintergrund:

Die relevantesten Regeländerungen im Überblick

Auswechslungen: Der auszuwechselnde Spieler muss das Spielfeld über die nächstliegende Begrenzungslinie verlassen. So soll Zeitspiel verhindert werden. Eine Zuwiderhandlung hätte eine Gelbe bzw. eine Gelb-Rote Karte zur Folge

Schiedsrichter: Teamoffizielle auf der Ersatzbank können persönliche Strafen (Gelb, Gelb-Rot, Rot) erhalten; verletzungsbedingt behandelte Spieler dürfen auf dem Platz bleiben, wenn eine persönliche Strafe ausgesprochen wurde, die Behandlung nicht länger als 30 Sekunden dauerte oder der verletzte Spieler einen Strafstoß schießen soll

Spielfortsetzung: Bei der Platzwahl ist es wieder möglich, zwischen der Spielhälfte und Anstoß zu wählen

Ball in/aus dem Spiel: Wird der Schiedsrichter angeschossen, ist er nicht mehr "Luft". Die Spielfortsetzung erfolgt mittels Schiedsrichterball (im Strafraum nur mit dem Torhüter, außerhalb des Strafraums nur mit dem Team, das zuletzt in Ballbesitz war)

Handspiel: Ein strafbares Vergehen liegt vor bei der Einleitung einer Torchance, bei der Torerzielung, wenn der Ball vom Kopf/Körper an die Hand eines Spielers/Gegenspielers prallt, bei Vergrößerung der Körperfläche (der Arm steht mehr als eine Handbreit vom Körper ab) und wenn die Hand sich über Schulterhöhe befindet; kein Handspiel liegt vor, wenn sich ein Spieler den Ball selbst an die Hand schießt, bei einer Stützhand bei einer Grätsche und bei einer natürlichen Körperhaltung (der Arm steht weniger als einer Handbreit vom Körper ab)

Freistöße: Müssen nicht mehr aus dem Strafraum gespielt werden; gegnerische Spieler müssen bei einer Mauer (ab drei Spielern) mindestens einen Meter Abstand halten

Abstoß: Der Ball muss den Strafraum nicht mehr verlassen (der Gegner muss sich aber weiterhin außerhalb des Strafraums befinden)

Strafstoß: Der Torhüter muss sich bei der Ausführung mit einem Teil des Fußes auf der Torlinie befinden

Disziplinarmaßnahmen: Nachträgliche persönliche Strafen sind nicht mehr möglich, außer: beim Erkennen einer klaren Torchance, eine schnelle Ausführung des Freistoßes ist möglich oder der Schiedsrichter hat mit dem "Prozedere" des Zeigens der Roten Karte noch nicht begonnen (in der nächsten Unterbrechung ist dann allerdings nur mehr eine Gelbe Karte möglich); bei einem übertriebenen Torjubel mehrerer Spieler, ist nur ein Spieler mit Gelb zu bestrafen

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