31.07.2019 - 16:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Pokalschlager gegen Borussia Dortmund: Gino Lettieri im Interview

Weidens Ex-Trainer, und der heutige Coach des polnischen Erstligisten Korona Kielce, erinnert sich noch gut an den Pokalfight. Hat er 2009 schon geahnt, welche Karriere sein damaliger Kontrahent Jürgen Klopp einmal hinlegen würde?

Zwei zufriedene Trainer nach der Pressekonferenz: Dortmunds Coach Jürgen Klopp (links) war mit dem 3:1-Sieg seines Teams einverstanden, Gino Lettieri auf Weidener Seite mit der Leistung seiner Spieler.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

SpVgg Bayreuth, Darmstadt 98, SV Wehen, Arminia Bielefeld oder auch MSV Duisburg – Gino Lettieri hat schon einige Trainerstationen hinter sich. Der damalige Regionalligaaufsteiger SpVgg Weiden war da nur eine Episode. Aber was für eine. Das DFB-Pokalspiel in der 1. Hauptrunde gegen Borussia Dortmund am 1. August 2009 ist dem 52-Jährigen, der aktuell den polnischen Erstligisten Korona Kielce trainiert, noch in guter Erinnerung.

ONETZ: Herr Lettieri, der Pokalfight gegen Dortmund war ein Fußballfest für die Region. War es für Sie auch ein besonderes Erlebnis?

Gino Lettieri: Nun, ich hatte ja zuvor schon mit Darmstadt 98 im DFB-Pokal gegen einen Bundesligisten gespielt. Da haben wir gegen Hertha BSC mit 0:1 nach Verlängerung verloren. Etwas Neues war’s also nicht für mich, aber natürlich eine tolle Sache und für die SpVgg Weiden etwas ganz Besonderes.

ONETZ: Wie haben Sie damals ihre Mannschaft auf den Bundesligisten eingestellt? Was war die Taktik?

Gino Lettieri: Wir wollten sehr aggressiv spielen und offensiv verteidigen. Da ist uns ganz gut gelungen. In meiner Mannschaft gab es ja doch einige erfahrene Spieler. Die haben gewusst, wie sie an so ein Spiel herangehen müssen. Wir haben Dortmund schon vor Probleme gestellt.

ONETZ: Alberto Mendez erzielte in der 78. Minute den Anschlusstreffer. Hielten Sie da die Verlängerung für möglich?

Gino Lettieri: Natürlich wäre auch eine Verlängerung möglich gewesen. Die Chance in der Schlussphase war da. Hat nicht Alberto Mendez kurz vor Schluss noch die Lattenunterkante getroffen? Aber es hat halt letztlich nicht gereicht.

ONETZ: Sie unterhielten sich vor dem Anpfiff am Spielfeldrand mit BVB-Trainer Jürgen Klopp. Damals war „Kloppo“ ja noch nicht die ganz große Nummer so wie heute. Wie war ihr Eindruck von ihm?

Gino Lettieri: Ich habe nur kurz mit ihm gesprochen. Er war sehr umgänglich und freundlich. Auf mich hat er einen wirklich positiven Eindruck hinterlassen, wie man ihn eben so aus den Medien kennt.

ONETZ: Hätten Sie es für möglich gehalten, dass Klopp so durchstartet und zum gefragtesten Fußballtrainer der Welt aufsteigt?

Gino Lettieri: Klopp hatte ja schon in Mainz sehr gute Arbeit geleistet und das in Dortmund mehr als bestätigt. Ob und wie sich der Erfolg bei einem Trainer einstellt, hängt von vielen Dingen ab. Bei ihm hat’s geklappt. Und das ist sicherlich kein Zufall.

ONETZ: Verfolgen Sie eigentlich noch, wo ihre ehemaligen Vereine aktuell spielen und wie sie abschneiden?

Gino Lettieri: Hof, Bayreuth und auch Weiden, das ist für mich eine Region. Natürlich schaue ich, was hier in Sachen Fußball passiert. Es ist sehr traurig, dass es nicht wenigstens ein Verein schafft, weiter oben zu spielen. Aber da nehme ich auch die Städte in die Pflicht. Es wird da einfach zu wenig für den Fußball gemacht.

ONETZ: Inwiefern?

Gino Lettieri: Wenn ich alleine schon die Stadien ansehe. Im Osten haben Zwickau oder Chemnitz neue Stadien hingestellt und bei uns passiert nichts.

ONETZ: Sie sind jetzt in der dritten Saison Trainer bei Korona Kielce. Im ersten Jahr wurden Sie Achter, dann Zehnter. Welche sportlichen Ziele haben Sie in dieser Saison?

Gino Lettieri: Nach oben haben wir keine Chance. Kielce ist ein kleiner Verein, der finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Wir verlieren jedes Jahr unsere besten Spieler an andere Vereine.

ONETZ: Ist das für einen ehrgeizigen Trainer wie Sie nicht eine unbefriedigende Situation?

Gino Lettieri: Ich kann damit leben, solange nicht vom Verein Ziele wie die Europa-League-Quali ausgerufen werden. Für uns ist wichtig, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.

Ehemalige Weidener Spieler erinnern sich an den Pokalschlager

Weiden in der Oberpfalz

ONETZ: Wie ordnen Sie die Qualität des polnischen Fußballs ein?

Gino Lettieri: Ich würde das Ganze so im vorderen Mittelfeld der 2. Bundesliga in Deutschland einordnen. Ein, zwei polnische Spitzenklubs könnten durchaus auch in der Bundesliga im hinteren Bereich mitspielen.

ONETZ: Ihr Vertrag endet im Juni 2020. Wollen sie in Polen bleiben oder wieder eine deutsche Mannschaft trainieren?

Gino Lettieri: Ich kann mir schon vorstellen, in Kielce zu verlängern. Andererseits lebt meine Familie in Bayreuth. Schon alleine deshalb wäre es natürlich reizvoll, wieder in Deutschland zu trainieren. Ich hatte im letzten Herbst auch Angebote aus der 2. Bundesliga und 3. Liga. Das war aber nichts, was mein Interesse geweckt hat. Ich warte mal ab, was passiert.

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