31.07.2019 - 16:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Vor zehn Jahren: SpVgg Weiden bietet BVB Paroli

Es war ein Traumlos. Und es zog die Region in den Bann. Knapp 10 000 Fußballfans verfolgten am 1. August 2009 im ausverkauften Wasserwerkstadion den DFB-Pokal-Hit SpVgg Weiden gegen Borussia Dortmund. Ehemalige SpVgg-Spieler erinnern sich.

Das war das 1:0 für Borussia Dortmund: Der damalige Dortmunder Neuzugang Lucas Barrios aus Paraguay schob das Leder an Weidens Keeper Jonas Sela vorbei ins Tor.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

"Ich werde immer wieder auf dieses Spiel angesprochen", sagt Florian Schrepel, einer der Protagonisten auf Weidener Seite. Und er schwärmt: "Es war der Höhepunkt in meiner sportlichen Laufbahn. Es gab nichts Schöneres." Der jetzt 37-Jährige war damals der einzige waschechte Weidener in den Reihen des damaligen Regionalligaaufsteigers SpVgg Weiden. Trainer Gino Lettieri hatte den einstigen Angreifer zum Abwehrspieler umfunktioniert. Und so sah sich Schrepel an jenem Tag urplötzlich Stürmern von Weltruf wie Lucas Barrios oder Nelson Valdez gegenüber. "Dortmund hatte riesige Qualität in seinen Reihen", blickt Schrepel zurück. Dennoch seien vier Ligen Unterschied "nie fühlbar" gewesen: "Es hätte mit etwas Glück für uns laufen können. Wir waren nicht weit auseinander."

In der Tat hatte Weiden dem haushohen Favoriten vom Anpfiff weg Paroli geboten. Der BVB war optisch überlegen, aber zwingende Aktionen des Gegners ließ der Regionalligist kaum zu. Barrios brachte die Borussia dennoch in Führung (24.). Und als Nuri Sahin gleich nach der Halbzeit auf 2:0 erhöhte, schien die Sache gelaufen zu sein. "Das frühe, erste Gegentor war für uns nicht optimal", ärgert sich der damalige Weidener Kapitän Alexander Geiger noch heute. "Wir haben phasenweise gut gespielt und waren nach dem Anschlusstreffer richtig dran." Geiger selbst hatte in der 78. Minute Alberto Mendez mit einem genialen Pass in Szene gesetzt. Der SpVgg-Spielmacher vollendete am verdutzten BVB-Keeper Roman Weidenfeller vorbei zum 1:2. Das Wasserwerkstadion stand Kopf. Urplötzlich war die Situation da, den haushohen Favoriten in die Verlängerung zu zwingen.

Der Damalige Weidener Trainer Gino Lettieri im Interview

Weiden in der Oberpfalz

"Eine solche Mannschaft zu knacken, diese Chance bekommt man einmal im Leben. Das wäre sie gewesen", trauert Tobias Wiesner einer verpassten Gelegenheit nach. Der damals 18-jährige Stürmer (jetzt SC Ettmannsdorf) war in der Halbzeit eingewechselt worden. Er hat noch heute die zwei, drei Weidener Top-Chancen vor Augen: Kacani trat vor dem BVB-Tor in den Rasen, Mendez jagte das Leder knapp über das Gehäuse. An der Seitenlinie erkannte Jürgen Klopp, dass es eng wird. "Es war kein glücklicher Sieg. Es war nur ein Sieg", stellte der BVB-Coach nach dem Abpfiff fest. Sekunden zuvor hatte Mohamed Zidan mit dem 3:1 in der Nachspielzeit alles klar gemacht.

Trotz der Niederlage feierten die Fans die Schwarz-Blauen nach Spielende überschwänglich. Tobias Wiesner schnappte sich das Trikot von Felipe Santana ("Das hängt heute noch in meinem Schrank, und zwar ungewaschen"). Und der in der 85. Minute wegen eines angeblichen Fouls vom Platz gestellte Florian Schrepel ließ sich noch auf dem Platz von Mohamed Zidan eine Schwalbe bestätigen: "Der hat zugegeben, dass er hingefallen ist, weil er platt war." Eines findet Schrepel, der aktuell für den Kreisligisten FC Weiden-Ost spielt, lustig: "Ich bin jetzt für immer im DFB-Pokal gesperrt." Wie einige seiner damaligen Mitspieler hat Alexander Geiger eine Videokassette von den 90 Minuten zu Hause. "Das lasse ich immer wieder mal ablaufen. Es war ein Highlight vor so einer Kulisse." Der Trainer des Landesligisten FC Sturm Hauzenberg blickt, trotz der später erfolgten Insolvenz der SpVgg, nicht nur gerne auf den Pokalschlager, sondern insgesamt auf die Zeit am Wasserwerk zurück: "Es war superschön. Die Jahre dort will ich nicht missen."

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