08.09.2020 - 19:39 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Die Politik lenkt überraschend ein: Das Warten der Sportler hat ein Ende

Am Ende ging es schneller als erwartet: Die bayerische Staatsregierung hat am Dienstag grünes Licht für den Wettkampfspielbetrieb im Amateursport erteilt. BFV-Präsident Rainer Koch sprach von einem "guten Tag für alle Breitensportler".

Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands, äußerste sich am Dienstagnachmittag in einer digitalen Pressekonferenz ausführlich zur Erlaubnis der Staatsregierung, den Pflichtspielbetrieb wieder aufzunehmen.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Es geht wieder los: Ab dem 19. September dürfen die bayerischen Breitensportler wieder um Tore, Punkte und Titel kämpfen. Nach einer monatelangen Corona-Zwangspause und zuletzt großem Druck aus dem Sport gab das Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Amateuren am Dienstag die Erlaubnis, wieder in den Ligenbetrieb zurückzukehren. Damit können etwa die Fußballer unterhalb der 3. Liga sowie die Frauen, Buben und Mädchen wie erhofft ihre Meisterschaftssaison fortsetzen beziehungsweise neu beginnen. Und es kommt noch besser: Analog zu den Regelungen bei Kulturevents, wie etwa Konzerten, können die Vereine auch wieder Fans an die Spielplätze lassen. Je nach örtlichen Begebenheiten sind dabei bis zu 400 Zuschauer im Außen- und 200 Zuschauer im Innenbereich möglich. Selbst für Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands, kam die "schnelle Entscheidung überraschend" und "eine Woche früher als erwartet". In einer Video-Pressekonferenz äußerte sich Koch am Dienstagnachmittag zum "guten Tag für alle Breitensportler": Der bayerische Fußballboss über ...

  • ... die Möglichkeit einer Klage gegen die bayerische Staatsregierung

Koch zeigte sich erleichtert, dass letztlich nicht weiter intensiv über die "ultima ratio", die letzte Möglichkeit, diskutiert werden musste. Vielmehr lobte er den stets "sehr sachlichen Austausch" mit Innenminister Joachim Herrmann.

  • ... die nun "allerwichtigste Aufgabe" für den Verband

"Wir müssen jetzt vor allem die 20 Prozent, die sich in unserer Umfrage gegen eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ausgesprochen haben, zu überzeugen." Koch bezifferte die Anzahl der Vereine, die viel lieber erst nächstes Jahr gestartet wären, auf etwa 800 Vereine in Bayern. "Letztendlich gilt es aber, die deutliche Mehrheitsmeinung anzuerkennen."

  • ... die Folge, wenn ein Verein trotz der Erlaubnis nicht in den Spielbetrieb einsteigen will

Wenn die "überragende Mehrheit" den Re-Start wünscht, müsse der Verband alles dafür tun, den Spielbetrieb wieder zu eröffnen. "Wenn ein Verein das aber, aus welchen Gründen auch immer, nicht leisten kann oder will, wird er automatisch ans Tabellenende der betreffenden Liga gesetzt und steht als erster Absteiger fest." Allerdings schränkte Koch ein, dass entgegen der sonstigen Praxis, wenn ein Verein in einer Saison dreimal nicht antreten kann, eine Wiedereingliederung zur neuen Saison nicht in der untersten Spielklasse erfolgt. "Jetzt würde der Verein ‚nur‘ in die nächsttiefere Liga absteigen."

  • ... das Hygienekonzept, das jeder Verein umsetzen muss

Der BFV hat bereits ein Hygienekonzept zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs mit Zuschauern entworfen, das nun als Basis herangezogen wird, die detaillierte Ausarbeitung aber an die jeweiligen Spielkreise delegiert wird. "Wir brauchen klare Regeln zu Maske und Abstand, haben aber regional unterschiedliche Voraussetzungen", merkte Koch an. Er versprach den Vereinen aber "größtmögliche Unterstützung", falls etwa eine Mannschaft in Quarantäne müsste. "Da wir die Saison im Gegensatz zu allen anderen Landesverbänden nicht abgebrochen haben, können wir sehr flexibel auf mögliche Spielausfälle reagieren." Koch bezeichnete das Hygienekonzept als "Herausforderung für die Vereine". Allerdings räumte der BFV-Präsident Vereinen, die dieses nicht umsetzen können, die Möglichkeit ein, zunächst ohne Zuschauer zu starten. "Wir machen uns nun an die Arbeit, damit alle Vereine zueinanderfinden."

  • ... die einzelnen Liga-Spielpläne

Die jeweiligen Spielleiter würden die Spielpläne "umgehend, aber spätestens am Mittwoch" veröffentlichen. Als erster ging der Oberpfälzer Bezirksspielleiter Christian Wolfram voran, der parallel zur Pressekonferenz bereits die Pläne für die Bezirksligen Nord und Süd veröffentlichte (siehe Hintergrund).

  • ... die Situation bei der Jugend und den Frauen

"Auch für die Jugend, die Frauen sowie die Mädchen gilt der Re-Start-Termin 19. September", sagte Koch, der jedoch anmahnte, dass Zuschauer erst ab dem 19. September wieder erlaubt seien. "Die Testspiele bis einschließlich 18. September müssen wie bislang unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden."

  • ... den "Zwist" mit dem Bayerischen Landessportverband (BLSV)

"Wir haben uns in den letzten Tagen sehr über den Rückenwind aus den anderen Sportfachverbänden sowie deren geschlossene Resolution gefreut. Ich respektiere BLSV-Präsident Jörg Ammon sehr, bedauere es jedoch, dass der BLSV nicht zu einer gemeinsamen Linie im Kampf um eine rasche Wiederaufnahme des Ligaspielbetriebs bereit war." Der BLSV-Präsident hatte in einem Interview mit Oberpfalz-Medien zu einer eher abwartenden Vorgehensweise geraten.

  • ... die erlaubten Zuschauerzahlen

Analog zu Kulturveranstaltungen sind unter freiem Himmel künftig 400 und in der Halle 200 Zuschauer wieder erlaubt. "Dabei handelt es sich um die reine Besucherzahl, Spieler, Trainer und Betreuer nicht inbegriffen", sagte Koch. Hier gelte dasselbe Prinzip wie "bei einer Blaskapelle im Biergarten. Da zählen die Musiker auch nicht zu den Zuschauern".

  • ... eine mögliche Absage der Hallensaison der Fußballer

Dafür ist es laut Koch noch "viel zu früh". Vielmehr schauten die Fußballer nun, welche detaillierten Konzepte Hallensportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey nun entwerfen und "inwieweit das dann auf den Fußball umsetzbar ist".

  • ... die Schiedsrichter

Hier warb Koch um "größtmögliches Verständnis und Zusammenstehen", da nach einer derart langen Pause nicht gleich wieder alles reibungslos ablaufen könne. "Um die Kosten für die Vereine niedrig zu halten, haben wir Schiedsrichter-Gespanne in den Testspielen sehr dosiert eingesetzt. Das heißt, dass der ein oder andere Unparteiische oder Assistent lange nicht mehr auf dem Platz gestanden hat."

  • ... Auswirkungen auf den Profifußball

Es sei klar, dass 400 Zuschauer für Vereine wie den FC Bayern München oder den FC Augsburg "keine realistische Option" darstellen. "Die Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebs der Breitensportler war nun Step eins. Als nächstes gilt es nun, eine Lösung für den Profifußball zu finden. Ich hoffe, dass nach heute auch Bewegung in diese Diskussion kommt."

Hintergrund:

Die ersten Spiele in der Bezirksliga Nord

19./20.September: TuS Kastl – SV Etzenricht, TSV Detag Wernberg – SpVgg Schirmitz, FC Amberg – SC Luhe-Wildenau, SpVgg SV Weiden II – TSV Stulln, SV Kulmain – 1. FC Schwarzenfeld, SV Schwarzhofen – DJK Ensdorf, FV Vilseck – SV Hahnbach, FC Wernberg – SV Raigering

26./27. September: FC Amberg – FC Wernberg, SC Luhe-Wildenau – DJK Ensdorf, 1. FC Schwarzenfeld – SV Raigering, SV Hahnbach – TSV Detag Wernberg, SV Schwarzhofen – FV Vilseck, SpVgg SV Weiden II – SV Kulmain, SpVgg Schirmitz – TuS Kastl

3./4. Oktober: SV Raigering – SpVgg SV Weiden II, FC Wernberg – 1. FC Schwarzenfeld, TSV Detag Wernberg – SV Schwarzhofen, TSV Stulln – SpVgg Schirmitz, DJK Ensdorf – FC Amberg, TuS Kastl – SV Hahnbach, FV Vilseck – SC Luhe-Wildenau, SV Kulmain – SV Etzenricht

Ein Kommentar zur BFV-Umfrage

Weiden in der Oberpfalz

Im Amateursport sind Ligapartien wieder erlaubt

Bayern

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.