Sollten die Blue Devils Weiden den Sprung auf den zehnten Platz der DEL2-Tabelle tatsächlich noch schaffen, würde das inzwischen – so ehrlich muss man sein – fast einem kleinen Wunder gleichkommen. Vier Spiele sind in der Hauptrunde noch zu gehen, sieben Punkte beträgt der Rückstand auf die Eispiraten Crimmitschau. Am Freitag kommt zunächst die Düsseldorfer EG in die Hans-Schröpf-Arena, am Sonntag folgt das direkte Duell in Crimmitschau – spätestens danach dürfte klar sein, ob der Blick wirklich noch ein letztes Mal nach oben geht oder endgültig Richtung Playdowns wandert.
Hinter der Mannschaft liegt die erste komplette Trainingswoche unter Cheftrainer Alan Letang. Spielerisch waren die Ansätze beim Einstand bereits sichtbar, die Ergebnisse blieben mit den Niederlagen in Regensburg und gegen Bietigheim aber weiter aus. Genau hier setzte Letang in den vergangenen Tagen an. Im Fokus standen Special Teams, vor allem das Powerplay, aber auch grundlegende Details im Offensivspiel. „Wir haben viel an Puck Protection gearbeitet, daran, Scheiben in der Offensivzone zu halten, zum Tor zu kommen und zweite Chancen über Abpraller zu kreieren“, erklärt der 50-Jährige. Mehr lose Pucks rund um das gegnerische Tor, mehr Druck, mehr hochkarätige Chancen – eine Art Milchmädchenrechnung, die im Idealfall irgendwann auch mehr Tore bedeuten soll.
Druck aufrechterhalten
Letang spricht deshalb natürlich weiter von kleinen Stellschrauben, an denen er unter der Woche gedreht hat, statt großen Systemwechseln. Bullys, defensive Reads, Entscheidungen an der blauen Linie, Laufduelle in der Offensivzone – Details, die enge Spiele entscheiden können und die das in der jüngeren Vergangenheit gerne einmal gegen die Blue Devils getan haben. „Wenn wir den Puck an der blauen Linie halten, bleibt der Druck da. Wenn wir das Laufduell verlieren, ist die Zone sofort offen“, beschreibt er die Gedankengänge hinter seinen Anpassungen.
Ein kleiner Unterschied zur Vorwoche: Letang weiß inzwischen deutlich besser, womit er arbeitet. Nach zwei Spielen und einer kompletten Trainingswoche hat er ein klareres Bild von seinen Spielern. „Ich kenne die Jungs jetzt besser, weiß, wer mit wem funktioniert und wo man vielleicht noch etwas mehr herausholen kann.“ Veränderungen innerhalb der Reihen sind deshalb nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig wird der Kanadier nicht müde zu betonen, dass die Grundidentität des Teams bereits vorhanden sei: harte Arbeit. „Die Jungs arbeiten – das sieht jeder. Es geht nicht darum, mehr zu wollen, sondern die kleinen Dinge konsequenter zu machen.“
"Momentum und Tore"
Gerade diese Kleinigkeiten sind es, die ihm in Regensburg gefallen haben. Über weite Strecken hielten die Devils den Druck hoch, gewannen Zweikämpfe, blieben in der Offensivzone. Gegen Bietigheim fehlte genau das phasenweise. Letang erwartet deshalb auch in den kommenden Spielen enge Partien, in denen einzelne Aktionen den Unterschied machen können. „Manchmal ist es nur ein gewonnener Zweikampf oder ein abgefälschter Puck – aber genau daraus entstehen Momentum und Tore.“
Dass die Mannschaft trotz ordentlicher Leistungen ohne echte Ergebnisse dasteht, spürt auch der Trainer. Die Stimmung sei deshalb natürlich angespannt, aber nicht resigniert. „Für die Spieler ist das wahrscheinlich schwieriger als für mich“, sagt Letang offen. „Ich komme neu rein und sehe viele positive Dinge. Die Jungs tragen diese Situation schon länger mit sich.“ Seine Botschaft bleibt deshalb klar und direkt: „Es ist leicht zu sagen, dass man gewinnen will. Auf dem Eis muss man es zeigen.“ Schüsse blocken, Pucks klären, zweite Chancen erzwingen – genau dort entscheidet sich laut Letang derzeit alles. Dass die Pre-Playoffs wohl nur noch theoretisch erreichbar sind, weiß natürlich auch der Trainer. Über die Tabelle müsse er kaum sprechen, sagt Letang – die Spieler kennen die Situation selbst gut genug. Entscheidend sei vielmehr, im Moment zu bleiben. Erst Düsseldorf, dann Crimmitschau. „Wir müssen einfach einen Weg finden, ein Spiel zu gewinnen – egal wie. Und dann das nächste“, lautet seine pragmatische Herangehensweise.
Blick auf das Hier und Jetzt
Gleichzeitig macht der Kanadier deutlich, dass gerade jetzt die Gefahr besteht, gedanklich schon zu weit zu gehen. „Ich bin sicher, dass manche schon an mögliche Playdowns oder vielleicht sogar an nächstes Jahr denken“, sagt er offen. Genau das wolle er verhindern. Entscheidend sei, den Fokus radikal auf das Hier und Jetzt zu richten: das nächste Spiel, das nächste Drittel, den nächsten Wechsel. Alles andere blende er bewusst aus, weil sich die Mannschaft nur so aus der aktuellen Lage arbeiten könne.
Personell bleibt die Lage kompliziert. Zach Tsekos wird am Wochenende wohl noch fehlen, Tyler Ward stand zuletzt zumindest wieder auf dem Eis. Ob es für einen Einsatz reicht, entscheidet sich erst beim Morning Skate am Freitag. Sollte Ward zurückkehren, wäre das Weidener Ausländerkontigent vorerst ausgereizt: Mit Michael McNiven im Tor sowie Alex-Olivier Voyer und Tommy Muck wären die vier Ausländerplätze vergeben. Spätestens wenn Tsekos wieder fit ist, steht Letang vor einer schwierigen Entscheidung – zusätzlicher Angreifer oder Import-Goalie? Entscheidend wird wohl, ob Leihgabe Simon Wolf im Fall der Play-downs wieder eine Option werden könnte. „Das wird keine einfache Entscheidung“, sagt er offen, „ich treffe sie aber erst dann, wenn sie wirklich ansteht.“
Sportlich warten – wie eigentlich schon seit einigen Wochen – die nächsten Schlüsselspiele. Beim letzten Aufeinandertreffen mit Düsseldorf in Weiden gab es ein klares 5:0 für die Blue Devils – gleichzeitig begann damit aber die Niederlagenserie, die letztlich das Aus von Sebastian Buchwieser besiegelte. Nun soll unter Letang ein anderes Kapitel geschrieben werden. Im Best-Case-Szenario könnten die Blue Devils am Sonntag im direkten Duell in Crimmitschau tatsächlich bis auf einen Punkt an Rang zehn heranrücken und das Saisonfinale urplötzlich nochmal richtig spannend machen. Der neue Trainer zeigt sich jedenfalls überzeugt von seiner Mannschaft – bleibt dabei optimistisch, aber nicht naiv. Entscheidend wird sein, wie viel von einer Woche Alan Letang bereits auf dem Eis sichtbar wird.



















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