Weiden in der Oberpfalz
29.01.2026 - 14:20 Uhr
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Von Weiden nach Edmonton: Devils-Brüder fliegen über Nacht zum NHL-Debüt von Josh Samanski

Neal und Noah Samanski tauschen Training gegen Transatlantikflug und erleben live das NHL-Debüt ihres Bruders Joshua. Eine lange Reise, die ganz große Bühne und das Beinahe-Tor: ein Kurztrip zwischen Hans-Schröpf-Arena und Rogers Place.

Es ist schon ein ausgesprochen exklusiver Zirkel, in den Joshua Samanski zu Beginn dieser Woche aufgenommen wurde: Der 23-Jährige feierte am Dienstag (20.30 Uhr Ortszeit in Kanada) sein NHL-Debüt für die Edmonton Oilers – und fand sich damit plötzlich in einer Kabine wieder, in der auch Leon Draisaitl und Connor McDavid sitzen, letzterer nicht weniger als der unumstritten beste Eishockeyspieler der Welt. Beim 7:4-Heimsieg gegen die Anaheim Ducks wurde der gebürtige Erdinger erstmals vom Farmteam Bakersfield Condors in den NHL-Kader berufen – ein besonderes Spiel, zu dem sich auch eine kleine, aber hochmotivierte Samanski-Delegation aus Deutschland auf den Weg gemacht hatte. Auf der Tribüne im Rogers Place saßen unter den 18.437 Oilers-Fans die Brüder Neal, Noah und Patrik sowie Vater John Samanski.

Im Gespräch mit Oberpfalz Medien schildert Blue-Devils-Angreifer Neal Samanski die spontane Familienexpedition in die kanadische Eishockeymetropole. „Josh hat uns nach unserem Spiel gegen Rosenheim gegen 22 Uhr angerufen und gesagt, dass er nach Edmonton hochgezogen wird“, berichtet er. „Als wir dann ziemlich sicher waren, dass er auch wirklich spielt, hatten Noah und ich eigentlich gar nicht daran gedacht, rüberzufliegen – schließlich stecken wir selbst mitten in der Saison. Die endgültige Entscheidung fiel dann aber gegen ein Uhr nachts, nachdem wir die Erlaubnis von Martin Mazanec und Jürgen Rumrich bekommen hatten.“

Überglücklich über Debüt

Um die Flüge kümmerte man sich selbst – je nach Verbindung bedeutet das von München aus mindestens elf Stunden Reisezeit bis Edmonton –, bei allem anderen halfen Josh und die Organisation der Oilers. Als die Samanski-Reisegruppe schließlich in Kanada ankam, blieb allerdings kaum Zeit zum Durchatmen. „Wir haben ihn erst nach dem Spiel gesehen, weil wir selbst erst um 16 Uhr Edmonton-Zeit im Hotel waren. Er war natürlich überglücklich, sein erstes NHL-Spiel bestreiten zu dürfen – und dass ein Teil der Familie live dabei sein konnte.“

Sportlich konnte der Youngster, der im April 2025 offiziell von den Oilers unter Vertrag genommen worden war, mit seinem Einstand in der besten Eishockeyliga der Welt durchaus zufrieden sein. Knapp acht Minuten stand er auf dem Eis, gewann dabei 75 Prozent seiner Bullys und beendete die Partie mit einer Plus-Minus-Statistik von +2. Für das perfekte Debüt fehlte eigentlich nur noch ein Tor – und selbst das war greifbar nah, als er den Puck aus bester Position nicht im nahezu verwaisten Gehäuse der Ducks unterbringen konnte.

Wird der kleine Bruder für diese vergebene Großchance danach ein wenig aufgezogen? „Nein, überhaupt nicht“, sagt Neal Samanski. „So etwas rückt schnell in den Hintergrund – vor allem, weil ich mir sicher bin, dass er noch viele weitere Möglichkeiten bekommen wird, um dort Tore zu schießen.“

Lob von Draisaitl

In Bakersfield hatte sich Josh Samanski mit konstant starken Leistungen empfohlen und zuletzt Argumente gesammelt, die immer lauter für einen Anruf aus Edmonton sprachen. Auch NHL-Superstar Leon Draisaitl fand nach dem Spiel ausschließlich lobende Worte für den deutschen Debütanten: „Ich bin wirklich sehr froh für ihn. Er ist ein großartiger Junge und spielt das Spiel auf die richtige Art und Weise. Wenn er weiter an den Kleinigkeiten arbeitet, hat er sicher die Chance, sich als NHL-Spieler zu etablieren.“ Keine schlechte Beurteilung – vor allem, wenn sie vom einzigen Deutschen stammt, der bislang zum wertvollsten Spieler der nordamerikanischen Königsklasse gewählt wurde. Beide werden zudem auch bei den Olympischen Winterspielen in Mailand gemeinsam auf dem Eis stehen.

Bei den beiden Samanskis, die derzeit in der Hans-Schröpf-Arena zuhause sind, hinterließ vor allem die Atmosphäre Eindruck. „In erster Linie spürt man den Entertainment-Charakter während des Spiels mit allem, was dazugehört. In Europa gibt es das natürlich auch, aber nicht ganz so ausgeprägt“, beschreibt Neal den Unterschied. Wäre allerdings auch seltsam, wenn es zwischen DEL2 und NHL keinen gäbe.

Viele Flugmeilen

Am Mittwoch ging es für die beiden Brüder bereits wieder zurück nach Weiden. „Wir hatten Montag und Dienstag sowieso frei bekommen, was auch ein Grund war, warum wir die Kurzreise antreten konnten“, erklärt Neal. „Wir sind am Mittwoch gegen 18 Uhr wieder in Weiden angekommen und haben dadurch das Training verpasst. Ab Donnerstag sind wir dann wieder ganz normal dabei“, schildert der 27-Jährige eine Woche, die in Sachen Flugmeilen tatsächlich wohl auch gestandene NHL-Profis müde gemacht hätte.

Edmonton zählt auch in dieser Saison wieder zum erweiterten Favoritenkreis auf den Stanley Cup. Sollte sich Josh Samanski dort zumindest vorübergehend festspielen, könnte das für die Familie bald die nächste Reise bedeuten: ein Playoff-Spiel oder vielleicht sogar ein Finale mit familiärer Beteiligung. Dann womöglich nicht mehr als Nacht-und-Nebel-Aktion, sondern mit etwas mehr Vorlauf – allerdings wieder mit mindestens elf Stunden Flugzeit im Gepäck.

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