17.09.2019 - 14:50 Uhr
WiesauSport

Das waren noch Zeiten: Die SpVgg Wiesau spielte in den 1960er und 1980er Jahren in der Landesliga.

Heute muss sich der Stiftlandclub mit der Kreisliga begnügen. Ehemalige Spieler blicken zurück und analysieren, warum die SpVgg heute nicht mehr so weit oben spielt.

Der Torwart des FC „Vorwärts“ Röslau II hatte viel zu tun beim Heimspiel der SpVgg Wiesau. 8:0 gewannen die Oberpfälzer am Samstag. Jedoch verspielte die Mannschaft viele starke Chancen.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Ein Tor nach dem anderen ist am Samstag bei der SpVgg Wiesau gegen den FC Vorwärts Röslau II gefallen. 8:0 stand es nach 90 Minuten für die Wiesauer. Doch richtig zufrieden war erster Vorstand Alfred Klarner trotzdem nicht. "Es hätten doppelt so viele Tore sein können", sagt er. 55 Zuschauer waren zum Heimspiel ins Sportzentrum gekommen. Auch hier ärgerte sich der eine oder andere Besucher über viele verpasste Chancen.

Heute spielt die SpVgg Wiesau in der Kreisliga Süd. Anders sah das vor rund 50 Jahren aus. 1967 schafften es die SpVgg sogar für drei Jahre in die Landesliga (1968 bis 1971). "Das war ein Traum. Wir waren in der vierthöchsten Fußballliga in Deutschland", erinnert sich Günter Fritsch. Der 73-Jährige spielte damals als Rechtsaußen. "Wir hatten im Schnitt 800 Zuschauer." Beim Lokalderby gegen den FC-Wacker Marktredwitz waren es sogar 2000.

Doch was war Ende der 1960er Jahre anders als heute? Fritsch hat eine Vermutung: "Der Trend geht dahin, dass fast nur Vereine mit Sponsoren weiterkommen." Doch auch als die SpVgg Wiesau in der Landesliga war, spielte Sponsoring bereits eine große Rolle. Unterstützung gab es für die Mannschaft von Vorstand Otto Kärner, Gründer der ortsansässigen Bekleidungsfabrik Otto Kärner KG und auch das Tonwerk stellte Geld zur Verfügung. "Beide haben Spieler auch in ihren Unternehmen beschäftigt", erklärt Fritsch.

Zudem gab es für die Spieler Geld. "In der Landesliga habe ich damals 300 bis 400 Mark im Monat bekommen", betont Fritsch. Die Mannschaft musste damals zu vielen Auswärtsspielen. "Kärner spendierte den Bus. Auf dem Weg dorthin und zurück war immer eine tolle Stimmung." Es ging unter anderem nach Bamberg, Würzburg, Kronach, Kulmbach oder Bayreuth. Fritschs' ehemaliger Vereinskamerad Franz Dürrschmidt mischte ebenfalls in der Landesliga mit. Er weiß: "Kärner finanzierte auch Spiele in Italien und anderen Ländern, wo er Geschäfte besaß."

Auch heute hat die SpVgg Wiesau Sponsoren: "Wir bekommen eher kleinere Sach- und Geldspenden", sagt Vorstand Alfred Klarner. So muss der Verein mit einem überschaubaren Budget auskommen. "Unser Ziel ist aktuell nicht der Aufstieg. Wir hoffen eher unter die ersten Fünf in der Kreisliga kommen." Aktuell befindet sich die erste Mannschaft auf dem sechsten Platz. "Die letzten drei Jahre waren wir immer in der Abstiegs-Relegation. Das geht auch stark an die Nerven", betont Klarner.

Günter Fritsch sammelte die Zeitungsberichte aus der Zeit als er mit der SpVgg Wiesau in der Landesliga spielte. Damals waren im Schnitt 800 Zuschauer bei den Spielen.

Jedoch lag es nicht nur am Geld, dass es die SpVgg in die Landesliga schaffte. "Wir waren alle aufeinander eingestimmt", sagt Fritsch. Bevor der Aufstieg kam bestand die erste Mannschaft komplett aus Wiesauern. "Wir haben bis dahin sieben Jahre zusammengespielt", sagt Dürrschmidt. Später kamen Spieler aus Marktredwitz, Tirschenreuth, Mitterteich oder auch Weiden dazu. "Alle guten Spieler wollten zu uns", so Dürrschmidt.

Einige der ganz guten Akteure wechselten schnell in höher Ligen. So schloss sich Ludwig Denz aus Friedenfels noch im ersten Landesligajahr dem 1. FC Nürnberg in der Bundesliga an. "Er schoss damals 16 Tore in 17 Spielen", weiß Fritsch. Auch Franz Dürrschmidt ging von Wiesau weg und kickte für Weiden. Später spielte er für Bayern Hof in der 2. Bundesliga. "Hätten wir die Spieler weiter gehabt, wären wir sicher weiter nach oben geklettert", meint Fritsch. Der ständige Spielerwechsel führte auch vermutlich zum Abstieg (1970/1971) in die Bezirksliga. Erst in der Saison 1985/1986 gelang es der SpVgg wieder aufzusteigen, trainiert wurde die Mannschaft von Franz Dürrschmidt.

Ein weiterer Unterschied zwischen damals und heute sei auch die Jugendarbeit. "Bei uns gab es eine Schüler- und Jugendmannschaft. Heute gibt es sieben Untergliederungen bei der Jugend. Dafür braucht es Trainer und Betreuer", erklärt Dürrschmidt. So hatte Wiesau die vergangenen Jahre im Jugendbereich zu kämpfen. Langsam gehe es aber wieder aufwärts, ist Klarner zuversichtlich. "Wir haben Spielgemeinschaften mit Fuchsmühl, Friedenfels, Falkenberg und der B-Jugend in Schönhaid." Früher sei das nicht vorstellbar gewesen, da hätte es auch lokale Rivalitäten zwischen den Mannschaften gegeben.

300 bis 400 Mark im Monat

"Aufeinander eingestimmt"

Torschützenkönig Ludwig Denz (Mitte) schoss in 17 Spielen 16 Tore für die SpVgg Wiesau. Auch davon hat Günter Fritsch noch Berichte.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.