Diesen Patienten soll eine sogenannte Cowall helfen. Das ist ein fest in einer Wand installierter Bildschirm aus schlag- und kratzfestem Glas in den Ausmaßen 1,06 mal 0,68 m. Er soll Verzweifelten, die gegen sich oder andere aggressiv auftreten, die Chance geben, mit anderen zu kommunizieren, obwohl sie eine Zeit lang aus Sicherheitsgründen isoliert sind.
Musik und schöne Bilder
Durch Berührung des überdimensionalen Displays kann der Patient selbst zahlreiche Funktionen bestimmen. Er kann beruhigende Farben oder idyllische Landschaften sehen sowie Musik hören. Über ein Bildtelefon kann der Isolierte mit Angehörigen, Betreuern oder Ärzten Kontakt aufnehmen und ihn beenden, sobald ihm danach ist.
Das Klinikpersonal entscheidet, welche Apps der Patient zur Verfügung gestellt bekommt. Möglich sind neben Telefon, Radio und Fernseher ein Notizblock, ein Zeichenprogramm, Spiele, Therapieübungen, ein Terminkalender sowie die Regelung von Licht und Raumtemperatur. Das kostet zwischen 10 000 und 20 000 Euro, sagt Eric Kuijpers von der holländischen Herstellerfirma. Ziel des Pflegeteams in Wöllershof ist es, den Betroffenen Ängste zu nehmen, sie schrittweise wieder in Kontakt mit anderen Menschen zu bringen und so ihre Lebensqualität zu verbessern. "Auch die von dem wahrscheinlich schlimmsten vorstellbaren psychischen Leid betroffenen Patienten werden in ihrer Not nicht alleine gelassen", beschreibt Dr. Markus Wittmann, der Ärztliche Direktor, den Auftrag.
Kürzere Isolationszeiten
Solche Krankheitsbilder sind laut Medbo heute bereits gut behandelbar, so dass die psychotischen Zustände schon nach wenigen Stunden oder Tagen abklingen. In Ausnahmefällen könne es aber passieren, dass kein Medikamente wirke und ein Mensch in seinem persönlichen Alptraum gefangen bleibe. Diese Krankheitsverläufe seien selten, daher reiche ein spezialisierter Heimplatz für die gesamte Oberpfalz aus. Mit Hilfe der Cowall sei es in Studien zudem gelungen, Isolationszeiten zu verkürzen, sagt Kuijpers.
Das alles muss die Praxis ab Herbst beweisen. Dann eröffnet neben dem bestehenden Pflegeheim mit 20 Betten in Wöllershof ein zweites mit 23. Der überwiegende Teil der Bewohner wird aus dem Heim in Parsberg verlegt. Dort wird der Betrieb aufgegeben - mit Ausnahme der Forensik, wo auch Straftäter behandelt werden, etwa solche, die mit Drogendelikten zu tun haben. "Sie werden nicht nach Wöllershof verlegt", sagt Medbo-Sprecherin Lissy Höller zu Gerüchten rund um Wöllershof, dass "Kriminelle" in die Nordoberpfalz verbracht werden sollen.
Der Umbau läuft bereits seit einem Jahr. Er kostet rund fünf Millionen Euro. Im neuen Pflegeheim sollen rund 20 Arbeitsplätze entstehen.













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