23.05.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Duo Orfée singt und spielt in der ehemaligen Synagoge Musikalische Kurzgeschichten

Was haben das jüdische Viertel Kazimierz in Krakau und die Synagoge in Sulzbach-Rosenberg miteinander zu tun? Das Duo Orfée gibt die musikalische Antwort.

Ihre Instrumente beherrschen beide perfekt: Andreas seine Gitarren, Judith ihre beiden Geigen. Bild: hka
von Helga KammProfil

Nicht um jüdisches Leben oder die Schrecken der Shoah geht es an diesem Samstagabend in der Synagoge, sondern um Musik. Diese aber hätte keinen besseren Platz finden können als das "Haus des Gebetes". Mit melancholischen Melodien und nachdenklichen Texten erzählt das Duo Orfée Geschichten, die ein zahlenmäßig kleines, aber begeistertes Publikum berühren.

Als "deutsch-polnisches Gewächs" begrüßt im Namen der Stadt Johannes Hartmann die beiden Künstler Judith und Andreas Kucharski. Die in Sulzbach-Rosenberg aufgewachsene ehemalige Judith Dümmler lebt als Lehrerin in Ansbach und ist seit bald zehn Jahren mit dem gebürtigen Polen Andreas verheiratet.

Er hat im Berufsleben mit Maschinen zu tun, ist als musikalischer Autodidakt aber Gitarrist, Texter und Komponist. Im polnischen Katowice geboren, hat er in verschiedenen Bands musikalische Erfahrungen gesammelt. Sie hat ihre entsprechende Ausbildung an der hiesigen Musikschule begonnen, spielt die Violine und übersetzt, wenn ihr Mann in seiner Muttersprache singt.

Musik und Texte des Duos Orfée sind voll Gefühl und Poesie. Da gibt es "Die Geschichte einer Nacht", die Beschreibung eines "vernebelten Tages", das "Labyrinth der Erinnerungen" und den "Spaziergang durch das jüdische Viertel Kazimierz in Krakau". Innerlich berührt waren sie davon, beschreibt Judith Kucharski dieses Erlebnis: "Unter der Oberfläche ist eine gewisse Melancholie zu spüren". Das daraus entstandene Musikstück ist eine jiddische Weise, passt gut in die Sulzbach-Rosenberger Synagoge.

Nachdenklich machen die Texte des Duos, lassen innehalten, handeln von Wünschen, Träumen und auch Trauer. Ihre Instrumente beherrschen beide perfekt: Andreas seine Gitarren, Judith ihre beiden Geigen. Gefühlvoll führt sie den Bogen, begleitet von seinen zarten oder kraftvollen Gitarrenklängen. Die Worte und Stimmungen der Liedtexte spiegeln sich in ihrem Spiel in meist ruhigen Rhythmen.

"Am Abend vor dem Kamin mit einem Glas Wein" entstehen Texte und Melodien, erklärt Andreas Kucharski. Persönliche Erlebnisse, Erinnerungen oder Bilder inspirieren die beiden. Ein Beispiel dafür ist das Stück "Auf deinem Weg", gewidmet einer zu früh verstorbenen Freundin. Ihre Lieder und Chansons nennen sie "musikalische Kurzgeschichten", die sich keiner Stilrichtung zuordnen lassen und bereits auf mehreren Tonträgern veröffentlicht wurden.

Mit "Happy End" will sich "Duo Orfée" verabschieden, bedankt sich aber dann doch noch mit einer Zugabe, ehe das "Haus des Gebetes" wieder in schweigendem Dunkel versinkt. Einen Abend lang war es wieder einmal auch "Haus der Begegnung", durch eine schöne und nachhaltige Veranstaltung.

Am Abend vor dem Kamin mit einem Glas Wein entstehen unsere Texte und Melodien.Andreas Kucharski

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