17.05.2018 - 20:00 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Petra Morsbach stellt neuen Roman im Literaturhaus vor Justiz den Spiegel vorgehalten

Einen so realistischen Einblick in Herz und Seele der Justiz offeriert die Literatur höchst selten. Seit seinem Erscheinen im September 2017 elektrisiert Petra Morsbachs Roman "Justizpalast" Insider wie Außenstehende gleichermaßen - ein Phänomen, das sich auch bei der Lesung im Literaturhaus Oberpfalz fortsetzte.

Petra Morsbach im Literaturhaus Oberpfalz. Bild: Schäfer
von Anke SchäferProfil

Zur Einführung in Leben und Werk des immer wieder gerngesehenen Gastes bot der Veranstaltungsort die perfekte Steilvorlage, schließlich hatten die historischen Mauern vor der literarischen Luft lange Zeit Leid und Freud eines Amtsgerichts geatmet, wie Moderatorin Patricia Preuß in Erinnerung ruft. Von der Hausherrin zu Recht als "exzellente Rechercheurin" gerühmt, sondiert Petra Morsbach klugerweise vorab die beruflichen Hintergründe des Publikums. Nachdem nur wenige Finger die Anwesenheit von Juristen offen bekunden, schaltet die Schriftstellerin blitzschnell auf "weltlichen" Modus, was dem enormen Unterhaltungswert der Lesung nicht geschadet hat.

Vergebliche Anläufe

Dabei hat es der Stoff seiner anfangs völlig fachfremden Schöpferin wahrlich nicht leicht gemacht. Erste Anläufe habe sie bereits 2004 mit dem Besuch einer Gerichtsverhandlung unternommen, was aber letztlich ebenso wenig zur Initialzündung führte wie die Einführungsversuche durch zwei Richter. Ausgerechnet eine Party-Bekanntschaft brachte die Schriftstellerin, die solche Feste aufgrund ihrer Schwerhörigkeit eher meidet, auf die richtige Spur. Auf zwei Wochen Verwaltungsgerichts-Hospitation in Münster folgte jedoch eine Abfuhr aus München: Aus heutiger Sicht eine glückliche Fügung, denn "Verwaltungsgericht" als Romantitel wäre vermutlich doch eine Katastrophe gewesen.

Wie gut, dass der imposante Justizpalast in der Prielmayerstraße dagegen großzügig seine Pforten für die literarische Recherche öffnete. Allerdings wollte auch hier der Funke nicht so richtig überspringen: Petra Morsbach verfasste stattdessen lieber zwei Künstlerromane, denn "Künstler habe ich drauf", so die ehemalige Dramaturgin und Regisseurin.

Erst Ende 2015 spülte die Suche nach einem neuen Stoff die zwischenzeitlich gesammelten juristischen Erfahrungen doch wieder nach oben und von da an flutschte es auf einmal - "eine Art Sturzgeburt". Die Leseproben zu Kindheit und beruflichem Werdegang der Hauptfigur Thirza Zorniger vermitteln dem Publikum davon einen lebhaften Eindruck und entlocken gerade durch die nüchternen bis staubtrockenen Schilderungen selbst den Eingeweihten herzliches Gelächter über so manche, nur allzu vertraute Szenen und Konstellationen.

Leserbriefe von Juristen

Dass der Roman allerdings auch Deprimierendes, Entmutigendes und Tieftrauriges vielseitig durchdekliniert, breitet Morsbach bei dieser Lesung nicht aus. Sie belässt es bei Stichworten und der Grundeinordnung, ein Buch über Liebe und Tod unter den Bedingungen der Justiz geschrieben zu haben.

Die juristische Gemeinschaft fühlt sich davon jedenfalls sehr direkt angesprochen. Einige, in ihrer juristisch Formulierung unschlagbare Berichtigungsanliegen aus Leserbriefen krönen den Abend, an dem mancher tief in den beruflichen Spiegel blickt und Morsbach ihr umfangreiches Juristen-Panoptikum erweitert.

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