20.12.2018 - 17:21 Uhr
OTon

Abschiede

Abschied. Ein schreckliches Wort. Eines, das wir mit Tränen, schweren Situationen, schmerzhaften Entscheidungen verbinden. Jeder von uns hat seine persönlichen Abschiede hinter sich - kleine und große Dramen. Doch jeder ist anders.

Abschiede sind nie leicht - und keiner gleicht dem anderen.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Manche begleiten uns lange, schweben wie eine dunkle Wolke über uns, wiegen schwer auf unseren Herzen. Sie spielen sich immer und immer wieder vor unserem inneren Auge ab. Andere fallen leicht, sind schnell vergessen.

Ich erinnere mich noch gut an den Herbsttag vor acht Jahren. Der Tag, an dem ich eine meiner besten Freundinnen das letzte Mal für ein halbes Jahr sehen sollte. Schüleraustausch. Wir teilten nicht nur unsere Schulbank, sondern waren auch in unserer Freizeit unzertrennlich. Plötzlich trennten uns tausende Kilometer und etliche Stunden Zeitverschiebung. Es war ein Abschied auf Zeit. Zugegeben, diese Art fällt leichter als andere, weil wir die Gewissheit haben, dass die Sehnsucht und das schmerzende Gefühl früher oder später wieder verschwinden. Die Monate waren nicht leicht, viele Geschichten, die wir bei spontanen Kaffee-Treffen ausgetauscht hätten, blieben unerzählt. Aber es war kein Verlust für immer.

Manchmal entscheiden aber auch wir uns, dass es an der Zeit für Abschiede ist - was es in vielen Situationen nicht weniger schwer macht. Es sind Abschiede, die richtig sind, auch wenn sie schmerzen. Eine Entscheidung, vor der ich vor mehr als vier Jahren gestanden habe. Zwei Jahre Beziehung, dann der große Knall. Lange Diskussionen und die Frage: Wie geht es weiter? Während mein Herz gerufen hat "Bleib", hat sich mein Kopf für den Abschied entschieden. Ob es diesen Abschied leichter gemacht hat? Nein. Über ein halbes Jahr nicht. Allerdings war er wichtig. Und richtig.

Am schwersten sind wohl die unfreiwilligen Abschiede. Die wir nicht beeinflussen können, die uns wie ein plötzlicher kalter Regenschauer treffen. Ich habe das vor vielen Jahren erlebt. Ein Anruf, und die Welt war eine andere. Mein Großvater war nachts im Krankenhaus verstorben. Ein Abschied, der keiner ist. Weil es keine Möglichkeit für letzte Worte, ein letztes „Mach‘s gut“ gibt. Was das mit uns macht? Wir fühlen uns ohnmächtig, der Boden unter unseren Füßen beginnt zu wanken. Wir verlieren den Halt. Es ist wohl die Endgültigkeit, die diese Abschiede so schwer macht.

Abschied. Ein schreckliches Wort, nicht wahr? Niemand mag Abschiede. Doch vielleicht sollten wir ihnen ab und zu eine Chance geben, sich zu etwas Gutem zu entwickeln - und uns positiv zu überraschen. Abschiede von alten Gewohnheiten, um einen neuen Blick auf das Leben zu gewinnen. Ob das leicht fällt? Sicher nicht. Aber vielleicht merken wir früher oder später, dass dieser Abschied richtig war.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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