28.01.2021 - 15:30 Uhr
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Homeschooling in der Realität: So geht es den Schülern

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Eine Katze, die durchs Bild läuft, schwarzer Bildschirm oder kein Ton: Das Homeschooling hat viele Tücken. Nun kommen die Schüler zu Wort und erklären, warum der Unterricht daheim gar nicht so schlecht ist.

Paula Keppler (15): "Für mich war es schon eine große Umstellung vom Wechsel- auf den Distanzunterricht. Aber ich habe auch für vieles Verständnis. Die Situation ist ja nicht nur für uns Schüler, sondern auch für die Lehrer neu. Jeder gibt momentan sein Bestes. Positiv finde ich, dass ich mir die Zeit oft selbst einteilen kann."
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Von Vincent Poschenrieder und Kathrin Moch

Der Weg vom Bett zum Schreibtisch ist seit einigen Wochen für die Schüler in Bayern deutlich kürzer: Statt sich wie früher in vollen Bussen und winterlicher Kälte ins Schulhaus zu quälen, reichen jetzt oft ein Stockwerkwechsel oder fünf Schritte. Seit 11. Januar ist zur Eindämmung des Coronavirus Homeschooling angesagt.

Doch eines bleibt beim Lernen von zu Hause gleich: 8 Uhr Unterrichtsbeginn. Danach Anwesenheitskontrolle und Unterricht nach Stundenplan – nur dieses Mal eben in Videokonferenzen. So sieht der Schulalltag im Lockdown auch für Celina Beyerlein, Amelie Nutz und Paula Keppler vom Max-Reger-Gymnasium in Amberg aus.

Max-Reger-Gymnasium Amberg: Virtuelle Referate & Co.

Eigentlich haben sich die drei schon an das Lernen zu Hause gewöhnt. Trotzdem gibt Amelie zu: "Es ist ganz schön anstrengend, schon anstrengender als Präsenzunterricht." Auch Paula sagt: "Es war eine große Umstellung vom Wechsel- auf den Distanzunterricht." Trotzdem sind alle drei froh, dass sie ihre Lehrer wenigstens auf dem Bildschirm wieder live erleben können.

Denn im ersten Lockdown war das anders, wie Celina erklärt: "Im letzten Frühjahr haben wir nur Arbeitsaufträge bekommen. Mit Videounterricht ist es jetzt viel besser, weil man auch mal Fragen stellen kann und besser mitkommt." Das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen, hat keine von ihnen. Besonders angenehm finden sie auch die Arbeitsplattform, die ihre Schule ausgewählt hat: Teams. "Da hat man alles auf einer Plattform. Probleme damit gab es bis jetzt noch nicht." Auch Noten werden im Videounterricht gemacht: Abfragen, Referate, Mitarbeit – denn schließlich ist es auch möglich, virtuell die Hand zu heben.

"Jeder gibt sein Bestes"

Doch die Versuchung, bei einer virtuellen Ausfrage zu schummeln ist groß. Celina erklärt: "Bei manchen hat man schon das Gefühl, sie benutzen es als Ausrede, dass ihr Internet oder ihre Kamera nicht geht, um nicht ausgefragt zu werden." Bei Paula hat sich deshalb die Form der Leistungsnachweise verändert: "Statt nur Vokabeln abzufragen, setzen die Lehrer mehr auf Transferaufgaben, denn rein theoretisch könnte man sich das Vokabelheft ja neben den Bildschirm legen." Insgesamt haben die drei viel Verständnis – auch für ihre Lehrer. Paula erklärt: "Das ist ja nicht nur für uns neu, sondern auch für unsere Lehrer. Ich glaube, jeder gibt im Moment sein Bestes."

Augustinus-Gymnasium Weiden: Schulmanager überlastet

Am Augustinus-Gymnasium in Weiden läuft der Unterricht über eine andere Plattform: Bigbluebutton. Michelle Hagn besucht dort die 12. Klasse. Die erste Woche nach den Weihnachtsferien beginnt für sie mit einer Überlastung des Schulmanagers. Nur mit der Hilfe ihrer Mitschüler konnte sie an den Konferenzen teilnehmen. Sobald sie aber in der Konferenz ist, läuft alles super. Alle Lehrer seien gut verständlich und dem Unterricht könne sie gut folgen. Sogar Gruppenarbeit über "Break-Out-Rooms" sei möglich.

Auch die Lehrer von Michelle nehmen Rücksicht auf die Situation: Häufig werden die Stunden ein paar Minuten früher beendet, so bleibt Zeit zum Ausruhen. Aber auch Michelle findet stundenlanges Sitzen vor dem Computer anstrengend. Stillarbeit in einer Konferenz fällt ihr schwer, da sie leicht abgelenkt wird. Positiv am Homeschooling findet Michelle, dass sie länger schlafen kann und nicht im vollen Bus sitzen muss. Präsenzunterricht ist ihr trotzdem lieber – nicht zuletzt wegen der sozialen Kontakte.

Grundschule Vohenstrauß: Serverabstürze durch Kameras

Die Lernplattform Bigbluebutton wird aber nicht nur an Gymnasien eingesetzt: Martin Schwab aus einer vierten Klasse der Grundschule Vohenstrauß arbeitet ebenfalls damit. Am Anfang war es ein heilloses Durcheinander, erzählt Martin: Die Server seien überlastet gewesen, jeder Schüler hatte sein Mikrofon offen. Doch schon im Laufe der ersten Woche spielte sich alles ein. Es gibt einen Tagesplan, den die Schüler abarbeiten.

Jederzeit würden Lehrer für Fragen zur Verfügung stehen. Martin vermisst seine Freunde und das Spielen in der Pause. Außerdem ist das Homeschooling für ihn manchmal einfach ein Durcheinander. Allerdings gibt es im Distanzunterricht immer genügend Zeit, um die Aufgaben zu bearbeiten, meint er. Um sich in der Pause austauschen zu können, bleiben alle Klassenkameraden den ganzen Tag in der Konferenz. Eigentlich sollten die Schüler dabei auch ihre Webcam einschalten, doch Martin berichtet, dass die Server dadurch abstürzen würden.

Hans-Scholl-Realschule Weiden

Malte Heuer, Neuntklässler an der Hans-Scholl-Realschule in Weiden, kennt solche technischen Probleme nicht. Seine Schule nutzt Teams: "Das klappt sehr gut, da ist noch nichts wirklich abgeschmiert." Noten würden die Lehrer aber nur manchmal in Form von Mitarbeitsnoten machen. Virtuell Fragen zu stellen, findet er nicht so leicht: "In der Schule, in der Klasse, traut man sich irgendwie eher mal etwas zu fragen." Trotzdem empfindet er auch das Homeschooling als "nicht sonderlich schlimm". Auf die Schule freut er sich trotzdem: "Auch im Hinblick auf meinen Abschluss nächstes Jahr."

Berufliches Schulzentrum Amberg

Auch die Schüler des Beruflichen Schulzentrums Amberg schwärmen von der Arbeit mit Teams. Marina Schirner findet den Unterricht sogar effizienter: "Man schafft mehr Inhalt in der Zeit. Ich bin ein Fan vom Homeschooling." Vanessa Kölbel meint: "Seit dem letzten Lockdown ist der Distanzunterricht besser geworden. Lehrer und Schüler sind definitiv daran gewachsen." Trotzdem räumt Corey Michel ein: "Die Qualität des Onlineunterrichts ist schon abhängig vom Lehrer. Manche sind wirklich super motiviert, da merkt man fast keinen Unterschied."

Denn das Lernen daheim hat auch Schattenseiten: Marina findet es manchmal schwierig, Schule und Privates zu trennen. Ludwig Fischer fehlt die Bewegung, Corey Michel das Familiäre und Persönliche und "mit den Lehrern auch mal über etwas anderes als Schule zu reden". Felix Eckert merkt, dass einigen Leuten in seiner Klasse manchmal die Motivation fehlt: "Teilweise ist es auch unfair, weil Schüler schlechte Internetverbindungen haben." Um Nachteile bei der technischen Ausstattung auszugleichen, stellt die Stadt Amberg Leihgeräte zur Verfügung. Beatrix Hilburger, Leiterin des staatlichen Schulamtes Amberg-Sulzbach, erklärt: "Gemäß dem Sonderbudget Leihgeräte unter dem Dach des Digital-Pakts Schule stehen den Schulen Endgeräte zur Verfügung, die sich Schüler bei Bedarf ausleihen können. Nahezu alle Grund- und Mittelschulen in den Schulamtsbezirken Amberg und Amberg-Sulzbach haben derzeit Geräte verliehen." Microsoft Teams werde außerdem vom Kultusministerium allen weiterführenden Schulen zeitlich begrenzt zur Verfügung gestellt.

Yogamatte vor dem Bildschirm

Einig sind sich alle Schüler des Beruflichen Schulzentrums bei dem Fach, das am schwersten von zu Hause gelernt werden kann: Mathe. Zwar erklärt Laura Gurdan, dass einige Lehrer noch andere Programme wie "GeoGebra" nutzen, um Inhalte besser zu erklären, trotzdem fällt es den Schülern schwer hier mitzukommen. Sportunterricht dagegen gibt es oft trotz digitaler Hürden. Vanessa Kölbel erzählt: "Wir sitzen dann mit unseren Yogamatten vor dem Bildschirm und machen zusammen Sport."

Trotzdem: Je näher der Abschluss rückt, desto größer werden auch die Unsicherheit und Angst. Marina sagt: "Man will dann einfach mal persönlich mit den Lehrern Rücksprache halten." Was kann die Politik also beim Homeschooling noch verbessern?

Laura Gurdan wünscht sich, dass die Schulen früher vom Kultusministerium Bescheid bekommen, wie der Unterricht weitergeht: "Wir sitzen im Dunkeln und wissen nicht, ob wir nächste Woche wieder Schule oder Prüfungen haben." Außerdem sollte sich die Politik mehr mit der Digitalisierung an den Schulen auseinandersetzen: "Die Digitalisierung ist einfach die Zukunft. Ich würde mir wünschen, dass das öfter in den Schulalltag einbezogen wird."

Mittelschule Vohenstrauß

Keinen guten Start ins Homeschooling nach den Weihnachtsferien hatte Sarah Wehner von der Mittelschule Vohenstrauß. Sarah arbeitet mit den Plattformen Mebis und Schulmanager. Doch zahlreiche Serverabstürze haben zur Folge, dass erst mal kein Onlineunterricht möglich ist. Sarah meint, die Schüler waren am Anfang sich selbst überlassen. Im Laufe der ersten Woche besserten sich die Probleme. Trotzdem vermisst sie den Präsenzunterricht, da sie dort ihre Freunde sehen könne und die Schule so mehr Spaß mache. Der Distanzunterricht hätte aber auch Gutes: zu Hause gebe es keinen Notendruck.

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Über den Autor:

Vincent Poschenrieder

Ich bin Vincent Poschenrieder, 18 Jahre alt, komme aus Vohenstrauß und besuche die 12. Klasse am Augustinus Gymnasium in Weiden. Wenn ich nicht gerade in der Schule oder vor meinem Laptop sitze, drehe ich Kurzfilme, mache Musik und spiele Theater. Als Schüler gehöre ich zu der Gruppe über die viel diskutiert und entschieden wird. Aber ein direktes Gespräch mit den Schülern sucht fast niemand. So habe ich Schüler verschiedener Schulformen in der ersten Woche nach den Weihnachtsferien begleitet.

Info:

Vorläufiger Fahrplan für das zweite Halbjahr

Nach aktuellem Stand (28. Januar) sollen die Abschlussklassen an Gymnasien und FOS/BOS zum 1. Februar wieder mit Wechselunterricht starten. Genauso Schüler beruflicher Schulen, bei denen bis 26. März Abschluss-/Kammerprüfungen anstehen. Für alle anderen Schulen und Jahrgangsstufen findet bis 14. Februar weiter Distanzunterricht statt.

  • Realschule: Die schriftlichen Prüfungen beginnen statt am 22. Juni am 6. Juli 2021. Die zentralen mündlichen Prüfungen in den Fremdsprachen werden ebenso nach hinten verschoben.
  • FOSBOS: Die schriftlichen Prüfungen beginnen statt am 17. Mai am 10. Juni 2021.
  • Gymnasium: Die Abiturprüfungen beginnen statt am 30. April am 12. Mai 2021. In Q11 und Q12 wird das erste Halbjahr verlängert, um diesen Ausbildungsabschnitt gut abschließen zu können. Die Zahl der Klausuren im zweiten Halbjahr wird deutlich reduziert: Schulaufgaben finden nur in Deutsch, Mathematik und einer fortgeführten Fremdsprache (Q11) bzw. in den drei schriftlichen Abiturfächern (Q12) statt.
  • Grundschule: Die Zahl der Probearbeiten wird erneut reduziert – von 18 auf 14 Probearbeiten. Der Termin für das Übertrittszeugnis wird vom 3. Mai auf den 7. Mai 2021 verlegt.

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