17.06.2021 - 11:33 Uhr
AmbergOTon

Verdammte Pandemie: Ich habe das Feiern verlernt

Das gesellschaftliche Leben kommt langsam wieder in Schwung. Aber unser Autor hat wegen des langen Lockdowns einiges verlernt. Im neuen OTon erzählt er von schlechten Torschüssen, Oli.P-Liedern und vom ersten Rausch nach langer Zeit.

Nach dem langen Lockdown reichen schon zwei Bier und unser Autor beginnt zu labern - und hört einfach nicht mehr auf!
von Julian Trager Kontakt Profil

In den vergangenen Wochen musste ich immer wieder an die Nullerjahre denken. An Viva und MTV. An die nervigste Fernsehwerbung aller Zeiten ("Schicke Ton eins an fünfmal die Drei"). Ja, diese verdammte Pandemie ist wie ein gigantisches Jamba-Sparabo, das die ganze Welt abgeschlossen hat: Da kommt man nur ganz schwer wieder raus. Und ewig ringingt der "Crazy Frog".

Mit Jamba luden sich die Kids Mitte der 2000er Klingeltöne auf ihr Motorola, Nokia oder Sony-Ericsson. Wenn man das Abo aber wieder kündigen wollte, war das gar nicht so leicht. Das habe ich zumindest von einem Freund gehört. Auch das Coronavirus-Abo bekommen wir nicht so einfach los.

Monatelang - oder waren es Jahre? - lungerten wir daheim herum, schauten Netflix durch, kannten unsere Freunde nur noch als Whatsapp-Profilbilder. Nun wird es wieder besser, aber trotzdem ist alles anders als vor der Pandemie. Der Lockdown hat mich um Jahre zurückgeworfen. Ich habe so viele Sachen verlernt.

Fußball etwa. Der erste Torschuss im ersten Training nach der überlangen Winterpause flog gleich mal fünfzehn Meter am Tor vorbei und traf die Leibchen-Box, die der Trainer extra weit weg vom Tor gestellt hatte. Die durchsichtige Plastikwanne zersprang in hundert Teile. Für 4,99 kaufte ich eine neue. Dafür hätte ich früher einen Monat lang ein Jamba-Sparabo bekommen.

Dann mein Kleidungsstil. Seit nun eineinviertel Jahren trage ich - wenn überhaupt - nur Jogginghose oder kurze Sportshorts und T-Shirt. Weiß gar nicht mehr, wie man sich ordentlich anzieht. Aber lassen wir das, die meisten werden jetzt eh sagen, dass der Trager noch nie einen guten Style hatte.

Das Schlimmste aber ist, dass ich das Feiern verlernt habe. Mittlerweile reichen zwei Bier, bis sich gefühlt die ganze Welt um mich dreht - in doppelter Hinsicht. Früher ging das nicht so schnell. Letztens, als sich wieder mehr Leute treffen durften, waren es dann sogar mehr als zwei Halbe. Uiuiui, ich sag mal so: Nach einem halben Jahr Trainingspause sollte man auch nicht gleich einen Marathon laufen. Aber immerhin lief es mal wieder.

Wie habe ich es vermisst, mich mit mehreren Freunden zu treffen, mit ihnen zu trinken, zu feiern. Viel zu lange musste ich die Oli.P-Hits allein daheim beim Staubsaugen singen. Hat zwar auch was, aber die Lieder gemeinsam mit anderen Menschen zu grölen, ist dann doch ein bisschen besser. Von dem her: Liebe Pandemie, gib mir mein Herz zurück!

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OTon

In der Kolumne "OTon" schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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