10.06.2021 - 15:26 Uhr
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Workout mit Pamela Reif: Schmerzhafte Fitness-Freuden

Was harmlos beginnt, kann zu einer anstrengenden Tortur werden. Im Lockdown traute sich Lucia Seebauer an die Fitness-Workouts von Pamela Reif. Es entstand eine ungleiche Freundschaft.

Das Workout im Wohnzimmer war auch für Lucia Seebauer eine Sport-Alternative im Lockdown.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Es ist eine komplizierte Beziehung. Sie ist verbunden mit Schmerzen, Erfolg, Schweiß und Tränen. Während des Lockdowns wurde Fitnesstrainerin Pamela Reif zu meiner besten Freundin, aber auch zu meiner schlimmsten Feindin. Wir treffen uns alle paar Tage. Ich bin auf der Fitnessmatte vor meinem Fernseher im Wohnzimmer. Sie präsentiert sich auf Youtube in einer schicken Villa, auf einem Boot am Meer oder in einem Fitnessstudio. In Zeiten von Reisebeschränkungen unerreichbare Sehnsuchtsorte für mich. Ich bin bereit: Trage meine weite Jogginghose und mein altes Festivalshirt. Sie ist perfekt geschminkt, trägt Leggins und Sport-BH, die Frisur sitzt.

Heute machen wir Stretching. Nach acht Stunden Arbeit, denke ich mir, ist das genau das Richtige, um meine Muskeln zu lockern. Pam macht es vor, ich mache es nach. Es beginnt harmlos mit Nacken- und Schulterkreisen. Es folgen Übungen für die Wirbelsäule. Noch macht es Spaß. Dann stellt sie ihre Füße auf den Boden. Die Beine sind weit auseinander gestellt und sie geht in eine tiefe, tiefe Kniebeuge. Während sie in dieser Position locker ihre Hüften bewegt und der Po fast am Boden klebt, komme ich ins Schwitzen. Ich versuche nicht umzufallen. Auf dem Bildschirm zeigt ein Countdown an, wie lange ich die Übung noch halten muss. Es piept, noch drei Sekunden. Ich atme erleichtert durch. Doch anstatt den Hintern wieder nach oben zu ziehen, bleibt Pam weiter in der Übung. Ich hasse sie. Galant bewegt sie ihre Arme abwechselnd nach oben über ihren Kopf und dehnt ihre Seiten. Meine Oberschenkel schmerzen. Nach einer gefühlten Ewigkeit wechselt sie endlich die Übung. Meine Beine entspannen sich. Der Schweiß läuft über mein Gesicht. Ihr ist nichts anzumerken.

Entspannt geht Pamela dazu über, ihre Waden zu dehnen. Im Sitzen greift sie mit der linken Hand ihren linken Fuß. So weit, so gut. Dann geht sie aber dazu über, dass sie mit ihrer rechten Hand den linken Fuß greift. Ihr Kopf berührt das Knie. Ich versuche mich nicht zu verknoten. Meine Hand erreicht gerade mal den Fußknöchel. Mein Kopf ist weit vom Knie entfernt. Es piept der Countdown, die gleiche Übung folgt auf der anderen Seite. Innerlich verfluche ich die Welt. Meine Muskeln brennen.

Nach einer halben Stunde ist das Prozedere vorbei. Meine Freundin verabschiedet sich mit einem charmanten Lächeln. Ich bin froh, dass es vorüber ist. Meine Muskeln sind tatsächlich locker. So bin ich mir trotzdem schon sicher, dass wir uns in ein paar Tagen wiedersehen werden.

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In der Kolumne "OTon" schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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