27.05.2021 - 16:47 Uhr
OTon

Auf der Suche nach was Neuem

Gitarren hat Kollege Wolfgang Ruppert schon genug. Er ist auch kein Virtuose auf der Klampfe. Trotzdem ist er immer auf der Suche nach einem neuen Instrument. Im OTon erklärt er, warum das so ist.

Immer auf der Suche nach der einen speziellen Gitarre. Kollege Wolfgang Ruppert sammelt Gitarren.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Manchmal denke ich mir: Das muss doch eigentlich gar nicht sein. Trotzdem mache ich es. Ich suche nach einer neuen Gitarre. Ihr wisst schon, die eine halt eben, die so klingt wie keine andere. Die Instrumente, die ich bereits habe, kann ich schon lange nicht mehr an zwei Händen abzählen. Gitarrespielen wie John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers kann leider immer noch nicht, das werde ich auch nie, so ehrlich bin ich mit mir selber. Und trotzdem: Ich möchte dieses eine Gefühl wieder haben. Vielleicht bin ich ein Junkie. Aber ich spreche von dem einen Gefühl, das ich hatte, als ich zum ersten Mal meine damals brandneue Telecaster American Standard in "Crimson-Red- Transparent" mit den "50ies Single-Coil-Pickups" ausprobiert habe.

Das Erlebnis, diese Gitarre auf einem Vox AC-15-Verstärker anzuspielen und zu hören, wie das klingt - egal, ob man es kann oder nicht - hat sich so dermaßen in mein Gedächtnis gegraben, dass ich es nicht mit Zigtausend Worten nur annähernd beschreiben könnte.

Bekommen habe ich diese Gitarre, weil ich mich damals an den großen Idolen meiner Studierenden-Zeit orientieren wollte, "The Gaslight Anthem". Die Band hatte einen Sound, den ich noch nie gehört hatte, der aber klang, als würden tausende Herzen auf einmal brechen und gleichzeitig wieder heilen. Gänsehaut pur! Jedem, der die Band nicht kennt, dem empfehle ich, sie sich mal anzuhören. Am Besten den Song "Handwritten". Vielleicht versteht man dann besser, warum ich mich ins Gitarrespielen verliebt habe, ohne es jemals mit Unterstützung gelernt zu haben. Ich wollte so klingen wie "The Gaslight-Anthem". Dass es mit der richtigen Gitarre und dem richtigen Verstärker noch lange nicht getan ist, wurde mir in der Folge ebenfalls ziemlich schnell und ziemlich schmerzlich klar. Anfangs klang es, als würde ein tollwütiger Gorilla auf dieses zarte Instrument einprügeln. Mit der Zeit wurde es dann etwas besser, bis ich da ankam, wo ich heute bin - im unteren Mittelmaß. Was soll ich sagen, mir reicht das.

Wenn ich also auf der Suche nach der einen neuen Gitarre bin, die ich so noch nie gehört habe, dann nicht, weil ich ein Gitarrengott wäre und die Klampfe unbedingt brauchen würde. Es geht darum, wieder mal ein erstes Mal zu erleben, wieder diesen magischen Moment zu spüren. Und hey, der eine sammelt alte Autos, der andere Briefmarken oder Antiquitäten. Ich sammle halt Gitarren und alles, was dazugehört.

Kollege Florian Bindl wünscht sich mehr Normalität

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