13.08.2020 - 13:09 Uhr
OTon

Bärenliebe und Kuscheltiere

Knopfaugen und der pummelig-flauschige Bärenpopo: Bei Bären im Fernsehen und in Magazinen quiekt die Autorin dieser OTon-Kolumne verzückt. Zu süß sind die (Raub-)Tiere. Vielleicht spielt aber auch das schlechte Gewissen eine Rolle.

Fotos wie diese machen doch jeden glücklich: In Wien gibt es derzeit ein Eisbärbaby zu sehen. Doch liegt vielleicht auch ein schlechtes Gewissen hinter Bildern wie diesen?
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Ende Juni bin ich bei der Zeitungslektüre über diese Meldung gestolpert: „Bär greift in Südtirol zwei Wanderer an“. Natürlich weiß ich, dass ein Bär ein Raubtier ist. Dass seine Zähne und Krallen gefährlich sind, allein mit seinem Gewicht kann er einen Menschen erdrücken. Ein Bär ist kein Kuscheltier. Völlig klar.

Trotzdem schoss mir der Gedanke durchs Hirn: Die kleinen, flauschigen Ohren, der pummelige Bärenpopo, treu guckende Knopfaugen, die feine Schnauze, das vermeintlich kuschelige Fell. Egal ob weiß, braun, schwarz, grau oder schwarz-weiß – ich liebe alle Bären. Sie sind nach meiner Meinung die niedlichsten Tiere der Welt sein. (Die beiden Wanderer in Südtirol sehen das vielleicht nicht ganz so.) Sogar mein Hund sieht manchmal mit den treu schielenden Knopfaugen aus wie ein Bär.

Warum empfinde ich so? Ein Tiger ist doch auch ein Raubtier und hat nicht so viele Fans. 2015 hat Tigermama Katinka im Nürnberger Tiergarten zwei Babys auf die Welt gebracht. Die Öffentlichkeit nahm Anteil daran, die lokale Presse tauchte auf, viele wollten den Nachwuchs sehen. Ein Besucheransturm wie er 2007 einsetzte, als Nürnbergs Eisbärbaby Flocke zur Welt kam, blieb aber aus. „Flocke-Mania“ im Tigerhaus – Fehlanzeige.

Dabei ist es doch einerlei: Ob Tiger, Bär, Nashorn und Elefant: Sie alle sind vom Aussterben bedroht und verdienen unsere Empathie. Doch der Eisbär bleibt der Posterboy unter den Tieren.

In den seltensten Fällen hatte der Mensch nicht die Finger im Spiel, wenn es darum geht, den Lebensraum und die Lebensumstände dieser Arten empfindlich zu stören, zu verkleinern oder gar zu zerstören. Daher war mein zweiter Gedanke beim Lesen der Meldung: „Tja, selbst schuld. Oft genug mischt sich der Mensch ein. Jetzt schlägt die Natur zurück.“ Das ist natürlich Quatsch, denn die beiden Wanderer sind nicht allein daran schuld, dass der Lebensraum der Bären ungemütlicher wird.

Ich frage mich, warum ich beim Blättern in Magazinen und in der Zeitung Bärenfotos so genau ansehe und beim Zappen durchs Fernsehprogramm schlagartig stoppe, wenn eine Grizzly-Doku läuft. Am besten noch mit kleinen Bären, die etwas hilflos durch die karge Landschaft tapsen, immer ganz nah bei der Mamabärin.

Womöglich ist es das schlechte Gewissen, das mich so empathisch macht für Bären. Denn wenn ich es überhaupt nicht möchte, so sorge auch ich mit meiner Lebensweise und mit meinem Verhalten dafür, dass die Eisschollen unter den Bärenpfoten schmelzen und ihr Lebensraum immer kleiner wird. Ziemlich ernüchternd diese Feststellung.

Die OTon-Kolumne der zurückliegenden Woche dreht sich um Geschwisterliebe

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OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet - was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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