25.03.2021 - 17:31 Uhr
BayernOTon

Corona-Gipfel aus der Hölle

Die Hoffnung auf eine zügige Beratung und handfeste Ergebnisse wich schnell Ernüchterung - vor allem mit Blick auf die späte Uhrzeit. In ihrer OTon-Kolumne schreibt Vanessa Lutz über das Müdigkeits-Martyrium beim Corona-Gipfel am Montag.

Unmengen an Kaffee war beim langen Corona-Gipfel die einzige Lösung, um halbwegs wach zu bleiben.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Seit der Pandemie erwischt es jeden von uns im Online-Spätdienst in regelmäßigen Abständen: Der Corona-Gipfel der Kanzlerin und der Minister. Von Monat zu Monat wird auch bei uns in der Redaktion mitgefiebert, ob sich denn nun endlich was sinnvolles tut in Sachen Pandemie-Politik. Und: Wie lange es wohl diesmal dauern wird, bis die Politiker vor die Presse treten. Manche Kollegen haben Glück - der Gipfel beginnt einigermaßen pünktlich, die Beratungen ziehen sich nicht allzu lange hin, die Pressekonferenz startet mit leichter Verspätung und der Artikel geht anschließend zügig und leicht über die Hand.

Manche Kollegen haben aber auch einfach Pech - so wie ich am Montagabend. Ich startete am Nachmittag gut gelaunt und mit einigermaßen Erwartungen, verfolgte mehrere Diskussionen im Fernsehen, hielt mich mit Berichten und Livetickern am Laufenden. Getränke und Snacks standen griffbereit auf dem Tisch, um ja nicht unnötig aufstehen zu müssen und im schlimmsten Fall etwas zu verpassen. Und ja, ich hatte wirklich Hoffnung. Gibt es endlich Lockerungen, nach denen wir uns alle mittlerweile sehnen? Die, die uns angekündigt wurden über Ostern?

Um kurz nach 0 Uhr, nach einer gefühlten Ewig-Beratungspause und den ersten Gähn-Attacken, dann der Dämpfer. Es sickerte durch, dass es über Ostern wieder Verschärfungen geben wird. Der Lockdown wird verlängert. Und sogar die Lebensmittelgeschäfte sollten diesmal dran glauben. Ein Vierergespann, unter anderem Merkel und Söder, hat das im Hinterzimmer ausgemauschelt. Meine Snacks waren allmählich aufgebraucht, die erste Müdigkeit wich Entsetzen. Ich warf einen bangen Blick auf die Uhr, es drängten sich mir ein paar Fragen auf: Wann findet endlich die Pressekonferenz statt? Was treiben die da eigentlich hinter verschlossenen Türen? Und: Kann man zu so später Stunde, nach solch einer Mammutkonferenz, wirklich noch sinnvolle Entscheidungen treffen, wenn auch schon bei mir die Konzentration allmählich nachlässt?

Die Moderatoren im Fernsehprogramm wirkten, so wie ich, von Stunde zu Stunde übermüdeter und blasser. In den frühen Morgenstunden, nach über 12 Stunden Verhandlung, dann endlich die Pressekonferenz. Zwanghaft versuchte ich, meine Augen offen zu halten - und traute meinen Ohren kaum. „Osterruhe“. Das war alles, was nach der Marathon-Sitzung rausgekommen ist. Kein Wort zum Impfen, kein Wort zu sonstigen relevanteren Planungen. Nach zwölfstündigem Marathon hatten sich gestandene Politiker darauf geeinigt und stolz verkündet, dass an Gründonnerstag alles geschlossen bleiben soll. Doch der richtige Dämpfer kam dann zwei Tage später: alles wieder beim Alten. Der Gipfel und meine durchgemachte Nacht - völlig umsonst.

Unsere Kollegin hat eine tiefe und bedingungslose Liebe zu Käse

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Info:

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In der Kolumne "OTon" schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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