29.11.2018 - 10:59 Uhr
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Blätter statt Bohnen: Mehr als "heißes Wasser mit Geschmack"

Müsste ich mich zwischen Tee oder Kaffee entscheiden, ich würde immer den Tee wählen. Schließlich schmeckt Tee nicht immer nur nach Tee, wird er doch mit allen nur denkbaren Zutaten in unendlich vielen Geschmacksrichtungen gemischt.

Grüner Tee wird in eine Tasse gegossen.
von Maria Oberleitner Kontakt Profil

An dieser Stelle hat ein Kollege vor zwei Wochen ein Loblied auf seinen morgendlichen Kaffee gesungen. Hätte er nur dabei Tee nicht als „heißes Wasser mit Geschmack“ bezeichnet ... Gut, dass Brennnessel-Tee nun nicht jedermanns Sache ist, ist verständlich. Aber Chai, Apfel, Hibiskus, weißer Tee oder Oolong? Ich bin der Meinung: Wer keinen Tee mag, hat noch nie eine richtig gute Tasse davon getrunken. Denn Kaffee schmeckt meistens – naja, nach Kaffee eben. Tee aber kann nach Rosenblüten schmecken, nach Minze, nach Whiskey oder nach Bratapfel.

Beim Kaffee endet der Spaß

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Mag sein, dass ich da kleinlich bin, aber ich meine mit „Tee“ nicht die Tütchen, die einzeln verpackt in Supermarkt-Regalen stehen, sondern echten, losen Tee. Der an Sträuchern in Sri Lanka oder China wächst und gemischt wird mit Erdbeerstückchen, Nelken, Zimt oder Karamell.

Tee aufzugießen hat etwas meditatives, etwas beruhigendes. Man kann den Aufguss regelrecht zelebrieren. „Entschleunigen“ heißt das neuerdings in den Frauenzeitschriften. Aber egal, wie man es nennt – es tut mir gut. Und es schmeckt.

Mit Kaffee tut man mir dagegen keinen großen Gefallen. Nichteinmal Tiramisu esse ich gerne, wenn es nach Kaffee schmeckt. Und mit dem Duft frisch gemahlener Kaffeebohnen treibt man mich eher noch tiefer ins kuschelige Bett als in die Küche.

Ich erinnere mich noch allzu gut an Momente, in denen ich versäumt habe, früh genug zu erwähnen, dass ich keinen Kaffee trinke, um dann vor einer vollen Tasse zu sitzen, Mini-Schlücke abzutrinken und immer wieder Milch und Zucker nachzukippen. Denn habe ich erst die Tasse vor mir stehen, brauche ich nicht mehr anfangen, zu erklären, dass ich nun wirklich keinen Kaffee mag. Meist ernte ich dafür sowieso verständnislose Blicke – vor allem frühmorgens.

Wach werde ich von einer Tasse schwarzem Tee, gerne mit Milch als Chai, oder mit ein wenig Honig. Gut, dass es an den meisten Kaffeemaschinen auch ein kleines Knöpfchen für heißes Wasser gibt.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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