10.12.2020 - 16:22 Uhr
BodenwöhrOTon

Jung und kein Interesse an Politik? Gemeinderätin aus Bodenwöhr liefert Gegenbeweis

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Interessieren sich junge Menschen nicht für Politik? Carina Hofmann (CSU) ist der Gegenbeweis für diese These. Mit gerade einmal 19 Jahren ist sie in den Bodenwöhrer Gemeinderat gewählt worden. Ihr Ziel: Jungen Menschen Gehör verschaffen.

Auf dem Bild sitzt Carina Hofmann das erste Mal im Bodenwöhrer Gemeinderat. Es ist bei der konstituierenden Sitzung entstanden, auf der sie vereidigt wurde. Seitdem kämpft sie dafür, dass junge Menschen mehr mitzubestimmen haben.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Carina Hofmann liegt die Politik im Blut. Mit gerade mal 19 Jahren hat sich die heute 20-Jährige einen Sitz im Bodenwöhrer Gemeinderat gesichert. Schon ihr Großvater war in der Kommunalpolitik aktiv, ihr Vater ist Bürgermeister in der Markgemeinde. Doch Carina ist nicht nur in die Politik gegangen, um ihrer Familientradition gerecht zu werden. Der Bodenwöhrerin liegen die Menschen und das Miteinander in ihrer Gemeinde am Herzen. "Junge Leute brauchen eine Meinung", sagt sie.

Sie ist davon überzeugt, dass Politik nur dann gelingen kann, wenn sie "ein großes Spektrum" abdeckt. Sie findet, dass die Politik allgemein zu alt ist, allerdings funktioniert sie nur, wenn junge Politiker etwas von den erfahrenen lernen könnten. In Bodenwöhr zumindest scheint das zu funktionierern "Die älteren Gemeinderatsmitglieder sind sehr hilfsbereit", sagt sie. Seit sie denken kann, wird in der Familie über Politik gesprochen. "Ich habe schon immer einen Bezug dazu." Als sie gefragt wurde, ob sie bei der Kommunalwahl mit auf die Liste möchte, musste sie nicht lange nachdenken.

Früh übt sich

Junge Menschen müssen sich ihren Platz oftmals erst erkämpfen. Das Gefühl, von anderen von oben herab behandelt und als das unerfahrene, junge Küken dargestellt zu werden, kennt sie nicht. "Ja, ich bin jung und ja, ich muss erst viele Erfahrungen sammeln. Aber dass mich deswegen jemand abstempeln würde, das hat es noch nie gegeben", sagt sie. Ihr Anliegen ist es, jungen Menschen eine Perspektive in Bodenwöhr zu schaffen. "Eines meiner Ziele ist es, neue Bauplätze für junge Familien zu bekommen, damit die Leute, die hier aufgewachsen und daheim sind, auch hier bleiben können." Der Neubau der Grundschule zählt ebenso zu ihren Herzensprojekten.

Eine Unbekannte im Ort war sie vor ihrem Schritt in die Politik ohnehin nicht. "Seit ich 15 war, habe ich einen Weihnachtsmarkt organisiert", sagt sie. Bis zum vergangenen Jahr hatte sich das Projekt so entwickelt, dass sich 20 Aussteller mit Ständen und Buden daran beteiligt haben. Zu wissen, wie man zusammen mit anderen solche Projekte organisiert, hat Carina gut auf ihre Arbeit im Gemeinderat vorbereitet. Anfangs hätte sie zwar nicht damit gerechnet, im März tatsächlich in den Gemeinderat gewählt zu werden, rückwirkend betrachtet war es für sie aber doch keine allzu große Überraschung.

Junge Leute für Politik begeistern

Im Freundeskreis wurde sie nicht mit Fragen konfrontiert, warum sie sich in der Politik engagiert. im Gegenteil: "Die haben gesagt, dass sie gut finden, was ich mache", sagt Carina. Gleichzeitig findet sie es aber schade, dass sich so wenig junge Menschen für die Politik vor ihrer eigenen Haustüre interessieren. Warum das so ist, kann sie nicht sagen. "Das ist allgemein manchmal schwer, warum junge Menschen kein Interesse daran haben. Ich kann nicht in die Köpfe reinschauen", sagt sie.

Mit dem, was sie macht, hofft sie aber, andere junge Menschen dazu zu motivieren, sich ebenfalls zu engagieren. "Wer sich dafür interessiert, der soll es ausprobieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man, wenn man sich an seine Fraktion vor Ort wendet, viel Unterstützung bekommt", sagt sie. Ihr allgemeiner Eindruck: Jugendliche in einer Dorfgemeinschaft sind näher an der Politik im Ort dran als junge Menschen, die in der Stadt aufwachsen.

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Alles unter einem Hut

Wie andere Gemeinderäte ist auch Carina keine Vollzeitpolitikerin. Die 20-Jährige macht gerade in Cham eine Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin. Es ist nicht immer leicht für sie, Politik, Privatleben und Ausbildung unter einen Hut zu bringen. "Wenn eine Sitzung um sechs Uhr ist, dann ist das mit der Arbeit und dem Pendeln schon sportlich", sagt sie. "Aber ich will ja daran teilnehmen. Deswegen bringe ich manche Opfer gerne." Andere junge Menschen in ihrem Alter gehen Reiten oder spielen Videospiele, Carina macht eben Politik.

Wenn eine Sitzung um sechs Uhr ist, dann ist das mit der Arbeit und dem Pendeln schon sportlich. Aber ich will ja daran teilnehmen. Deswegen bringe ich manche Opfer gerne.

Carina Hofmann, Gemeinderätin in Bodenwöhr.

Carina Hofmann, Gemeinderätin in Bodenwöhr.

An Opas Rat denken

Ein Gemeinderat, der den vollen Durchblick hat, ist noch nie vom Himmel gefallen. Carina sagt, dass es teilweise Seminare gibt, bei denen neue Ratsmitglieder Grundlagen der Kommunalpolitik erklärt bekommen. Doch der Weisheit letzter Schluss sind diese Kurse auch nicht. "Die Abläufe sind ja von Gemeinde zu Gemeinde verschieden", sagt sie. Dabei denkt sie an einen Rat, den ihr ihr Opa einmal gegeben hat: Bis man weiß, wie alles in der Kommunalpolitik funktioniert, braucht es eben Zeit. Die nimmt sie sich auch, lernt jedes mal dazu. "Ich habe das große Glück, dass ich in meiner Fraktion ein tolles Team habe, zu dem ich dazugekommen bin."

Carinas Ziel für die aktuelle Amtsperiode steht fest: "Ich möchte, dass junge Leute gerne hier lieben und ich hoffe, dass ich andere dazu bewegen kann, sich auf für Politik zu interessieren."

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