Deutschland und die Welt
16.04.2026 - 08:01 Uhr

OTon: Träumt ihr davon auch?

Sie wirken wie ein Fenster in die Tiefen des Unterbewusstseins. Träume sind faszinierend, findet Florian Bindl. Seit wenigen Jahren aber begegnet er seiner vielleicht größten Angst im Traum. Immer wieder. Allein ist er damit nicht. Oder?

Dieses Bild könnte so aus einem der Albträume von Florian Bindl stammen. Es zeigt einen Raketenangriff, der die Luftabwehr des angegriffenen Staates überwindet. Symbolbild: Associated Press/dpa
Dieses Bild könnte so aus einem der Albträume von Florian Bindl stammen. Es zeigt einen Raketenangriff, der die Luftabwehr des angegriffenen Staates überwindet.

Ich hatte einen Traum. Also nicht nur einmal, dieser Traum schleicht sich seit gut vier Jahren regelmäßig in meinen Kopf. Es ist einer jener nächtlichen "Ausflüge", die einen schwitzend und schockstarr aufwachen lassen. Und ich glaube, dass ich mit diesem Traum nicht allein bin. Vor allem aber hat dieser Traum eine offensichtliche Erklärung, eine reale Basis.

Nun neige ich überhaupt nicht zur Esoterik, halte jegliches Sternzeichendeuten und Handlesen für grotesken Bullshit aus dem Bravo-Universum. Jedem das Seine. Träume faszinieren mich dagegen schon immer. Dass Träume sprichwörtlich Schäume seien, glaube ich nicht. Im Gegenteil, ich denke, sie sind eine Art Fenster in tiefere Schichten des menschlichen Bewusstseins, das sich nur im Schlaf öffnet. Sie ermöglichen einen Tauchgang in den eigenen Kopf.

Gleichzeitig sind Träume ja etwas zutiefst Privates und Intimes. Würde irgendjemand jeden einzelnen seiner Träume offenlegen wollen? Ich jedenfalls nicht. Deshalb nur ein kleiner Einblick.

Zu einem Klassiker zählt bei mir die Einbildung, es müsse doch bald wieder Prüfungsphase sein. Drei Klausuren pro Woche, das volle Programm – und noch nix gelernt. Übel, aber eher ein monsterloser Albtraum. Ein anderes Traummotiv bei mir: Eine riesige Welle, die sich über mir auftürmt, auftürmt, auftürmt. Ehe sie bricht und mich unter sich begräbt, wache ich auf. Schon schlimmer, aber mei. Geht noch.

Jener Traum aber, der mich wohl seit 2022 immer wieder quält, ist anders und mir völlig neu. Von Freunden und Verwandten weiß ich, dass auch sie ihn auf ihre Weise kennen. Ich träume dann von orange-gelben Lichtstrahlen am Nachthimmel, zehn, zwanzig Stück. Von dumpfen Einschlägen. Von Sirenen, Handy-Warntönen, Eilmeldungen im Minutentakt. Es ist der Albtraum unter den Albträumen: Krieg in Deutschland.

Dass ich diese Träume habe, wundert mich überhaupt nicht. Sie sind ein Spiegel der aktuellen Nachrichtenlage. Die mächtigsten Menschen der Welt verhalten sich wie Schulhofrowdys, die Schwächeren die "Fresse polieren", wenn die ihnen ihr Pausenbrot nicht freiwillig geben. Oder sie drohen mal eben, "eine ganze Zivilisation" auszulöschen. Regeln oder Rechte gelten ihnen scheinbar nichts. Die brutalsten, gierigsten und dreistesten Haudraufs gewinnen.

Weit weg? Ist das alles nicht. Die Partnerin eines meiner besten Freunde stammt aus Teheran. Kiew liegt keine drei Flugstunden entfernt, Grafenwöhr nur eine kurze Autofahrt. Mir macht das große Angst. Sagt zumindest mein Unterbewusstsein.

Hintergrund :

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.