21.02.2019 - 18:10 Uhr
OTon

Ebay-Käufer des Grauens

Die Hölle auf Erden für jeden rechtschaffenen und ehrlichen Menschen: Ebay-Kleinanzeigen. Über ihre überwiegend schlechten Erfahrungen als Onlineshop-Neuling berichtet Tina Sandmann in der Kolumne OTon.

von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

Der Kleiderschrank platzt aus allen Nähten. Ausmisten ist angesagt. Doch zum Wegschmeißen sind die Sachen zu schade. "Verkauf das Zeug doch bei Ebay-Kleinanzeigen", der Tipp einer Freundin. Gesagt, getan. Ich stelle einen Männer-Skianzug bestehend aus Jacke und Hose in mein Profil. Es dauert nicht lange, schreibt mich der erste Interessent an. "Handelt es sich um eine Ski-Marke? Welche Wassersäule haben Jacke und Hose? Können Sie mir den Artikel näher beschreiben?" Ich beantworte alle Fragen ausführlich. Keine Antwort. Der nächste Käufer schreibt: "Passt der Anzug für einen 15-Jährigen?" Kommt auf den 15-Jährigen an. Das Versprechen: "Wir melden uns." Keine Antwort. Und so geht es weiter. Ich verschicke Unmengen an Fotos, erkläre genau die Gebrauchsspuren, beschreibe die Statur des Noch-Besitzers. Immer wieder: Keine Antwort.

"Kann ich noch genaue Maße haben? Messe den Bund, die Beinlänge, den Brustumfang, die Armlänge und die Gesamtlänge." Was für ein Aufwand. Aber ich will Jacke und Hose schließlich verkaufen. Nach weiteren Nachfragen steht fest: Die Interessentin kauft die Klamotten. Sie drückt den Preis, damit kann ich leben. Also schickt sie mir ihre Daten und überweist das Geld. Am nächsten Tag verschicke ich die Sachen. Und da mache ich den entscheidenden Fehler: Ich versichere das Paket nicht und habe keine Sendungsverfolgungsnummer. Ich schreibe meiner Käuferin, dass ich die Ware versendet habe und schicke als Beweis ein Foto des Belegs. Es ist Donnerstag.

Und dann beginnt der Wahnsinn. Am Samstag schreibt sie mir: "Das kann doch bald nicht mehr sein. Auf deinem Zettel steht, die Sachen wiegen nur zwei Kilo. Aber Jacke, Hose und Karton haben doch vier Kilo? Das hätte ankommen müssen." Ich weiß, worauf sie hinaus will: Sie unterstellt mir, ich hätte ihr irgendeinen Beleg geschickt und die Sachen nicht versendet. Ich bin weiter freundlich und warte ab, erkundige mich am Tag darauf, ob denn später etwas angekommen sei.

Am Montagmorgen bekomme ich eine weitere Nachricht. Die steckt voller Bösartigkeiten, Beleidigungen und Unterstellungen. Kurzfassung: Sie beschuldigt mich, die Sachen nie losgeschickt zu haben, verweist wieder darauf, dass die Sachen schwerer sein müssten und droht mit Anzeige. Ich bin platt und stinksauer. Ich beschwöre meine Ehrlichkeit. Am Dienstagmorgen schreibt sie nochmal, nur noch böser und gemeiner. Ich kann kaum fassen, von einer Fremden so beschimpft zu werden.

Am Abend komme ich nach Hause. Auf der Treppe steht das Paket. "Sendung entspricht nicht den Versandbedingungen", steht darauf. Und: "Fehler Postnummer". Ich schicke der Käuferin ein Foto. Sie schickt mir ihre Postnummer. Ganz klar: Die unterscheidet sich von der ersten. Ihre Antwort. "Ja, ich hab mich vertippt. Ok." Keine Entschuldigung. Nichts. Ich gebe es auf. Ich schicke ihr das Paket mit der richtigen Nummer. Und schließe das Kapitel ab. Das war's mit mir und Ebay-Kleinanzeigen.

Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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