18.11.2021 - 14:31 Uhr
OTon

Das ewige Fernweh

Jeder hat andere Vorstellungen von Freiheit. Für Kollegin Celina Rieß gehört das Reisen schon seit ihrer Kindheit dazu. Und damit auch das Fernweh, wenn sie wieder zuhause ist.

Der perfekte Abend für Kollegin Celina Rieß.
von Celina Rieß Kontakt Profil

Die Tage werden kälter und trister. Regentropfen fallen öfter vom Himmel. Bald wird es schneien. Wenn ich aus dem Haus gehe, ist es noch dunkel, wenn ich heimkomme, schon wieder. Manchmal habe ich das Gefühl - gerade in den Wintermonaten - das Leben zieht an mir vorbei, ohne das ich was dagegen machen kann. Und dann kommt ein Gefühl hoch, das mich schon mein ganzes Leben lang begleitet - das ewige Fernweh.

Wie heißt es so schön: Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben. Stimmt. Beim Reisen lebt man intensiver. Es sind die kleinen Momente. Beim Spazieren am Strand, wenn der Wind durch die Haare weht und die Sonne ins Gesicht scheint. Beim Sonnenuntergang am Wasser mit Pizza, Bier und dem Geräusch der Wellen, die sich am Ufer brechen. Das Gefühl von Freiheit beim Baden im Meer. In letzter Zeit wird mein Fernweh wieder stärker.

Mit 18 bin ich auf die kanarischen Inseln geflogen, um als Animateurin zu arbeiten. Ohne die Sprache zu kennen und ohne zu wissen, was mich erwartet. Zurückgekommen bin ich mit 20 - mit neuen Menschen in meinem Leben, vielen Erfahrungen, Eindrücken und Sprachkenntnissen. Manchmal wünsche ich mir die Zeit zurück. Die Offenheit, die Leichtigkeit, das Wetter, die Freiheit, das Lebensgefühl. Vieles davon ist in Deutschland gar nicht so einfach.

Bei der Arbeit als Animateurin habe ich gelernt, mich selbst nicht so ernst zu nehmen und nicht alles zu zerdenken. Loslassen und einfach machen. Genau das fällt mir hier schwer. Warum, weiß ich nicht. Der Alltag in Deutschland ist stressiger, die Menschen hektischer. Vielleicht kommt es mir nur so vor. Aber ich habe das Gefühl, wenn ich hier bin, passe ich mich an.

Auch wenn der Urlaubsblues nach einer Reise anhält und die Erinnerungen bleiben, hat der Alltag mich viel zu schnell zurück. Ein Stück meines Herzens wird aber für immer in Spanien bleiben. Und an allen anderen Orten der Welt, die ich bisher bereist habe. Das Leben ist zu kurz und die Welt zu groß, um nur an einem Ort zu bleiben. Das heißt aber nicht, dass ich hier in Deutschland nicht glücklich bin - im Gegenteil.

Ich liebe es, Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen und ich liebe meine Arbeit. Ich schwelge nur gerne in Erinnerungen. Und ehe man schaut, steht der Sommer vor der Tür. Bis dahin besinne ich mich auf die schönen Augenblicke, die der Winter zu bieten hat: Weihnachtsfilme schauen, Glühwein trinken, Plätzchen backen und die Zeit mit der Familie.

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Hintergrund:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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