08.09.2022 - 09:19 Uhr

Grüngrau und flauschig

Wolfgang Ruppert erinnert sich an die eine Überraschung, die ihn zum Start in jedes neue Schuljahr nach den Ferien erwartet hat. Das Gammel-Pausenbrot, das er in der Schultasche vergessen hat. Er gibt Schülern zum Ferienende einen Tipp.

Alle Jahre wieder: Immer wenn ein neues Schuljahr begann, fand Redakteur Wolfgang Ruppert sein Pausenbrot aus dem letzten Schuljahr in seiner Schultasche. Symbolbild: Jens Kalaene/dpa
Alle Jahre wieder: Immer wenn ein neues Schuljahr begann, fand Redakteur Wolfgang Ruppert sein Pausenbrot aus dem letzten Schuljahr in seiner Schultasche.

Die Sommerferien gehen ihrem Ende entgegen. Mittlerweile liegt mein Abi zehn Jahre zurück. Doch es gibt so ein paar Erinnerungen, die ich nie vergessen werde, die mich immer an meine Schulzeit und den Beginn eines neuen Schuljahres erinnern werden. Eine dieser Erinnerungen basiert auf einem Ereignis, dass so etwas wie eine Tradition bei mir war. Ich bin nicht stolz darauf, aber ich weiß sogar, wonach eine neue Jahrgangsstufe riecht. Vielleicht gibt es da draußen ein paar Schüler, die das ebenfalls kennen. Das Ding, das bei mir im Grunde genommen jedes neue Schuljahr eingeleitet hat, war grüngrau mit schwarzen und weißen Punkten und kam jedes Mal wieder in den ersten Schulstunden überraschend zum Vorschein. Ich habe mich zwar nie getraut, es direkt anzufassen, aber so wie es aussah, war es bestimmt flauschig. Wem jetzt schon klar ist, wovon ich spreche, kann sich ertappt fühlen, denn er hat es selbst erlebt.

Die Rede ist vom Pausenbrot, das ich jedes Mal vor den Sommerferien in der Schultasche vergessen habe. Was für eine wunderschöne Erinnerung. Bei meinen Mitschülern gaben sich Faszination und Ekel die Hand. Entsetzen und Belustigung sorgten dafür, dass die angespannte Lage, in der noch keiner so genau wusste, was ihn heuer erwartet, ein wenig aufgelockert wurde. Etwas Gutes hatte die Sache also.

Ebenfalls gut war, dass ich die Erfahrung machte, dass ich nicht der einzige Gammelbrot-Typ in der Klasse war. Ich weiß nicht mehr, ob es die achte oder neunte Klasse war. Woran ich mich aber noch erinnere, ist, dass ich da eine liebe Banknachbarin hatte. Kurz nach dem ich wieder mal meine obligatorische selbstgezüchtete B-Waffe entdeckt hatte, zog sie eine Brotzeitbox unter ihrer Bank hervor. Ihr Gesicht werde ich ebenfalls nie vergessen. Erst war da Überraschung und ein bisschen Unsicherheit, was da wohl drin ist. Dann machte die Box klick. Zum Vorschein kam das bereits beschriebene grüngraue, mit Punkten überzogene Brot. Ihre Augen wurde groß, der Mund fiel nach unten. Ich weiß nicht, was in ihrem Kopf vorging, aber auf mich wirkte es so, als würden sich Entsetzen, das herzlichste Lachen, peinliche Berührtheit und ungläubiges Staunen binnen Bruchteilen einer Sekunde wieder und wieder abwechseln.

Wir hatten aber auch ein dickes Fell, fast so dick wie das auf den Broten und haben so was trotz dummer Kommentare anderer Schüler weggelächelt. Einen Tipp habe ich aber: Wenn bei euch nächste Woche die Schule wieder losgeht, guckt doch am Wochenende mal in die Schultasche.

Hintergrund:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

 
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