01.04.2021 - 09:25 Uhr
OTon

Eine halbe Million - fast

Gemeinsam zur Arbeit, in den Urlaub oder auf der Suche nach Fotomotiven. Bis zum Tag X saß Katrin Pasieka-Zapf fast täglich in ihrem Auto. Im OTon blickt sie auf die gemeinsame Zeit zurück.

Mit ihrem Auto verbindet Katrin Pasieka-Zapf viele Momente und Erinnerungen.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Plötzlich und mehr als unerwartet bist du von uns gegangen. Ohne ein merkwürdiges Klackern, ohne das Aufblinken einer Warnleuchte. Einfach so, von jetzt auf gleich. Ich spreche von unserem silbernen Wegbegleiter – einen Audi A4, Baujahr 2005. Vor sieben Jahren kauften mein Mann und ich den Kombi einer befreundeten Familie ab. An diesem Tag begann die neue und vor allem komfortable Freiheit. Die Zeiten mit dem klapprigen Aygo waren gleich vergessen. 131 Diesel-PS, Sitzheizung, Tempomat, Navi, Freisprechanlage und eine Standheizung für die frostigen Tage – was ein Luxus. Rund 260.000 Kilometer hatte das Dieselross damals auf dem Tacho – 229.394 gemeinsame Kilometer sollten folgen. Einen Namen hatte das Auto nicht. Es war einfach „der Audi“. Mehr Worte brauchte es auch nicht. Vor einem Jahr kam der Beiname „Neunzehner-TDI“ hinzu. Der Grund: Der Punkt zwischen der Eins und der Neun war abgefallen.

Und nun? Beim Auffahren auf die Bundesstraße 22 machte es rumms. Motor aus. Servolenkung aus. Mit letztem Schwung manövrierten wir den Audi auf einen Feldweg. Der Abschleppdienst brachte uns drei zurück nach Hause. Es ist schon verrückt, wie viele Emotionen, Erinnerungen und Momente man mit Gegenständen verbindet. Mit dem Audi kamen wir an jedes Ziel – und wenn man sich heutige Autos ansieht – auch noch sehr spritsparend. Ein bisschen über fünf Liter, dass muss ein neues Auto mit vergleichbarer Ausstattung erstmal schaffen. Egal ob für zwei Tage nach Hamburg, oder spontan zum Skifahren in die Alpen. Einfach einsteigen, Musik an und los. In warmen Sommernächten fuhren wir mit unserem großen Wagen los, um die Milchstraße zu fotografieren. Sogar das Bratensoßen-Malheur im Fußraum hat uns der Audi, nach unzähligen Reinigungsaktionen, wieder verziehen. Als der Tacho auf 400.000 sprang feierten wir mit Freunden eine Party. Ach Audi. Und jetzt? Nach 489.394 Kilometern machst du einfach Schluss. Das Zweimassenschwungrad – ein Bauteil, das ich bisher nicht kannte und angeblich schon nach 250.000 Kilometern kaputt geht – ist der Grund. Reparieren wäre zwar möglich, aber wirtschaftlich nicht sinnvoll. Nach langem Nachdenken und vielen Tränen melden wir dich schweren Herzens ab, verkaufen dich an einen Autoteilehändler. Ein kleiner Trost: Du wirst mit neuem Zweimassenschwungrad und neuer Kupplung in Polen weiterfahren. Dort machst du dann die halbe Million Kilometer voll.

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Bayern
Im Sommer fotografiert Katrin Pasieka-Zapf gerne die Sterne und die Milchstraße. Einmal parkte sie ihren Kombi unterhalb des Großen Wagens.
Info:

OTon

In der Kolumne "OTon" schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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