19.03.2020 - 13:13 Uhr
OTon

Italien im Herzen

Jedes Jahr fährt Wolfgang Fuchs nach Italien. Land, Leute und Lebensweise haben sein Herz erobert. Ob auch dieses Jahr irgendwelche Wege nach Rom führen, wird sich zeigen. Notfalls wird das dolce vita in die eigenen vier Wände verlegt.

Eine Bewohnerin Roms klatscht und singt am Fenster ihrer Wohnung. An ihrem Fenster hängt eine Landesfahne mit der Aufschrift "Grazie Italia".
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Kaum steht der Frühling vor der Tür, fange ich an zu träumen: Hach, Italien. Meine innere Uhr ist da ganz zuverlässig. Spätestens im März geht es los, dann zieht es mich über die Alpen gen Süden. Doch heuer ist alles anders. Italien steht unter Quarantäne, und auch bei uns sieht es danach aus, dass viele Menschen den Frühling in den eigenen vier Wänden verbringen müssen. Gesegnet sind diejenigen, die einen eigenen Garten oder zumindest einen Balkon haben.

Ich habe beschlossen, dass ich das alles ganz einfach durchhalte. Und ich weiß auch schon wie: Ich möchte wieder mit dem Zeichnen beginnen. Dazu habe ich in letzter Zeit viel zu wenig Freiraum gefunden. Und auch ein klein bisschen "dolce vita" wird mich in meiner Wohnung erwarten – eine Musikliste von Adriano Celentano bis Zucchero ist angelegt. Bücher stehen bereit und wollen gelesen werden: Der Epos "Der Rasende Roland" von Ludovico Ariost ebenso wie das "Decamerone" von Giovanni Boccaccio. Daneben liegt ein Büchlein mit Yoga-Übungen – "Neun Schritte in die Freiheit".

Das Träumen lasse ich mir sowieso nicht nehmen. Von Italien, langen Spaziergängen an der Promenade, von Möwen am Strand, Pizza, Vino und Capri-Sonne. Vor zwei Jahren unterhielt ich mich in Neapel mit einem Barista. Wie trinkt man seinen Espresso richtig? Süß wie das Leben? Oder bitter? Oder süß, weil das Leben schon bitter genug ist? Philosophische Fragen, die jeder für sich beantworten muss. Wie es dem Barista heute wohl gehen mag? Und was machen die Menschen, bei denen ich im vergangenen Frühling in Bergamo untergekommen bin? Ich werde sie mal anschreiben. Meinen neapolitanischen Freunden geht es zum Glück gut. Das weiß ich, wir stehen in Kontakt. Dasselbe gilt für meine ehemalige Mitbewohnerin, die jetzt in Rom lebt. Liebe Freunde in Italien und anderswo: Ich denke an euch. Ich freue mich darauf, euch bald wieder zu sehen.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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