07.05.2020 - 17:38 Uhr
OTon

Keine Angst vorm Blutspenden

Elisabeth Saller kann kein Blut sehen. Doch die Corona-Pandemie bringt sie dazu, dass sie sich ihrer Angst stellt. Wie und warum schreibt sie in ihrem OTon.

Eine Mitarbeiterin entnimmt einem Blutspender Blut.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Zuletzt habe ich etliche Aufrufe zum Blutspenden gesehen. Ich würde gerne helfen, aber das ist nicht so einfach: Ich kann kein Blut sehen. Wird in einem Film eine Szene von Wunden oder eine OP gezeigt, schaue ich weg. Nicht einmal die Krimiserie "Bones", die ich trotz ekliger Details mochte, hat mich abgehärtet. Als sich eine Freundin beim gemeinsamen Kochen in den Finger schnitt und es nur so tropfte, bin ich umgekippt. Doch Corona bringt mich zum Nachdenken: Ich will es mit dem Blutspenden versuchen. Ich finde einen passenden Termin und eine erfahrene Begleitung. Zu zweit wird es nicht so schlimm sein, hoffe ich.

Der erste Versuch scheitert: Es kommen so viele Leute zur Uniklinik, dass wir wieder nach Hause geschickt werden. Eine Woche später ist weniger los. Am Eingang misst eine Krankenschwester die Temperatur im Ohr: passt. Wir stehen zuerst in der Schlange im Vorraum, dann warten wir auf Stühlen in einem Gang. Ich bin nervös, kann nicht still stehen, nicht ruhig sitzen, mich kaum auf den Roman konzentrieren, den ich zur Ablenkung mitgebracht habe, muss auf Toilette.

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Endlich dürfen wir zur Anmeldung, erhalten etliche Dokumente zum Ausfüllen, eine Mitarbeiterin misst den Eisenwert mit einem Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen und den Blutdruck. Dann heißt es wieder warten, diesmal vor einem Arztzimmer. Der Mediziner sieht sich meine Papiere an, stellt Fragen, prüft meine Tauglichkeit. Sein Urteil: "Gut, wir nehmen heute fünf Proben ab. Sie erhalten das Ergebnis per Post. Wenn alles passt, können Sie in zwei Wochen zum Spenden kommen." Meine Nervosität ist flugs weg, Enttäuschung macht sich breit. Über diese Vorgehensweise stand auf der Internetseite der Klinik nichts. Egal - ich habe ganz umsonst zwei Stunden lang gezittert.

Meine Begleitung darf spenden. Zuerst halte ich Abstand, schaue nicht so genau auf den Arm, in dem die Nadel steckt. Aber die Neugierde ist zu groß, ich will sehen, wohin das Blut fließt, unterhalte mich mit der Krankenschwester. Nach sieben Minuten ist der Beutel voll. In zwei Wochen will ich das auch schaffen.

Info:

OTON

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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