11.03.2021 - 13:22 Uhr
OTon

Kreatives Wochenende

Jahrelang liegen Farbtuben und Pinsel im Keller von Susanne Forster. An einem Samstag schleppt sie die Malutensilien nach einer Gymnastikeinheit ins Esszimmer. Im OTon schreibt sie, dass sie Sport und Kunst künftig besser trennt.

Susanne Forster startet ihren Samstag mit Gymnastik für die Arme, danach bemalt sie eine Leinwand. Künftig will sie beide Aktivitäten separieren.
von Susanne Forster Kontakt Profil

Glücklich hieve ich zwei orangefarbene Kunststoffboxen auf den Stuhl. Puh. Wie schwer eigentlich Farbtuben, Pinsel und Leinwände sind. Ich schaue zu der ausgerollten Yogamatte auf dem Wohnzimmerboden. Genau da startete mein Wochenende. Mit fetziger Musik und Ballwerfen. Meinem Patenkind hat´s gefallen – meine Arme fühlen sich an wie Wackelpudding.

Der Bub verschnauft nun auf der Couch. Für mich gibt´s keine Pause. Ich bedecke den Esstisch mit Zeitungspapier und platziere die Farbtuben auf der Tischplatte. Der Neunjährige hat seine Auszeit beendet und dehnt sich mit dem Theraband. Ich mache derweil Armtraining und quetsche Farben auf eine Malerpalette. Ich wähle Grün, Blau und Beige. Schon die zweite Gymnastikeinheit an diesem Samstagvormittag.

Nun sitzen wir beide vor unserer weißen Bildwand. Das Patenkind drückt riesige rote, gelbe und braune Farbkleckse auf einen Teller. Konzentriert zeichnet es mit Wachsmalstift die Kontur eines Gebäudes. Ich tunke meinen Pinsel ihn in die grüne Farbe. Eine Ecke male ich in einem dunklen Grün an. Die frische Paste glänzt nass. Sie sickert sofort in die staubtrockene Leinwand.

Nach den ersten Pinselstrichen packt mich das Künstlerfieber. Ich mische Farben, probiere verschieden dicke Borsten, begutachte das Gemälde von der Ferne, überpinsle. Nebenan bekommt die Skizze einen braunen Anstrich. Der junge Maler muss sich konzentrieren, möchte nicht gestört werden. Das erkenne ich an den Kopfhörern, die in seinen Ohren stecken. Er hört Vogelgezwitscher, verrät er mir lächelnd. Er fühle sich, als sitze er mit seinem Bild im Wald. Das mache ihn überglücklich. Ich muss auch lächeln.

Wie ein dreifarbiges Etwas sieht mein Kunstwerk aus. Mit weißer Farbe ziehe ich feine Linien und feile an den Farbverläufen. Das Bild von meinem Patenkind bekommt einen feuerroten Hintergrund. Der Neunjährige springt vom Stuhl. Er möchte jetzt in den Garten. Ganz stolz zeigt er sein Gemälde. Ein Haus im Sonnenuntergang. Auch ich lege meinen Pinsel zur Seite. Trotz malen mit Wackelpuddingarmen gefällt mir mein Werk ganz gut. Es hat wellige Linien in Hellgrün, Meerblau und Sandfarben. Zufrieden betrachte ich die beiden Leinwände. Kreative Samstage wollen wir jetzt öfter machen, beschließen mein Patenkind und ich. Aber dann ohne Sporteinheit – und mit genügend Kraft in den Armmuskeln.

Lucia Seebauer schreibt im OTon, dass sie im Corona-Alltag ihre natürliche Schönheit wiederentdeckt hat

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In der Kolumne "OTon" schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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