08.04.2021 - 18:45 Uhr
OTon

Ein Leser lebt tausend Leben

Bücher über Bücher. Mit jeder Geschichte, die Caroline Keller liest, lebt sie das Leben des Buchcharakters mit. Im OTon erzählt sie, wie sie in einem Buch zum zweiten Mal mit(er)lebt.

Eine Person hält ein aufgeschlagenes Buch in den Händen.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Große und Kleine, Dicke und Dünne. Die Rede ist von Büchern, von denen ich viele in meinem Regal stehen habe. Von verzaubernden Fantasy-Romanen, sagenumwobenen Mittelalter-Erzählungen, nervenaufreibenden Thrillern und kniffligen Kriminalgeschichten biegen sich die Regalbretter in meinem Zimmer. Mein Literaturstudium in den Fächern Englisch und Deutsch hat zu der Masse an Lektüren einen erheblichen Beitrag geleistet. Neben den bunten Reclam-Büchlein reihen sich Wörterbücher, Nachschlagewerke und Sachbücher.

"Ein Leser lebt tausend Leben, bevor er stirbt. Wer niemals liest, lebt nur eins." Ein Zitat von George R.R. Martin, einem Fantasy-Schriftsteller, dem ich voll und ganz zustimme. In der Grundschule begann bei mir die Leidenschaft zum Lesen. Ich konnte gerade die ersten zusammenhängenden Sätze lesen, da zogen schon die Büchlein für Erstleser mich magisch an. Vorlesen musste mir niemand mehr, denn ich konnte ja jetzt schon selbstständig lesen. Irgendwann traute ich mich an dickere Bücher heran, wie die „Harry Potter“-Reihe und die „Tintenherz“-Trilogie. Und eben diese führte ich mir um die Osterfeiertage wieder zu Gemüte.

Als ich das Buch von Cornelia Funke vor 15 Jahren zum ersten Mal gelesen habe, bewunderte ich die Hauptperson: Die zwölfjährige Meggie, die beim Vorlesen eine Geschichte lebendig werden lassen konnte. Ich empfand sie als furchtlos, tapfer und mutig. Ich wollte so sein wie Meggie. Jetzt mit 26 Jahren fällt mir aber ein anderer Charakter mehr auf, mit dem ich mich identifizieren kann: Meggies Großtante Elinor, die in einem Haus wohnt, unter dessen Dach sich die Bücher nur so stapeln. Sie lebt allein, findet Kinder mit ihren klebrigen Händen in der Nähe von Büchern gar nicht toll und zieht die Gesellschaft ihrer Schmöker vor. Elinor brachte mich oft zum Schmunzeln während des Lesens. Aber in einer Szene konnte ich ihren Schmerz fühlen. Der Bösewicht der Geschichte lässt in ihrem Garten ihre Bücher verbrennen. Der Ascheberg, der übrig bleibt, ist auch für mich ein absolutes Horrorszenario. Von ihrem Schmerz und ihrer Wut angetrieben entwickelt sich Elinor zu einer unerschrockenen Kämpferin und unverzichtbaren Begleitung für Meggie.

In der Grundschule erlebte ich also die Abenteuer und das Leben der zwölfjährigen Heldin mit. Beim Wiederlesen von „Tintenherz“ lebe und fühle ich mit der Bücher-Tante Elinor mit. Und wieder einmal bestätigt sich für mich das Zitat von Georg R.R. Martin. Wieder ein Leben mehr.

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In der Kolumne "OTon" schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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