21.01.2021 - 15:49 Uhr
OTon

Von Muskelkater und Glücksgefühlen

Brennende Beine und Lungen können entspannen, glücklich machen und stolz, findet Kollegin Miriam Wittich. Es hat aber einige Jahre gedauert, bis sie zu dieser Erkenntnis gekommen ist, bis sie das Laufen lieben gelernt hat.

Draußen an der frischen Luft macht Sport mehr Spaß als drinnen. Das ist einer der Gründe, warum unsere Redakteurin gerne joggt – zumindest meistens. Manchmal tut sie es auch nur für Eis.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Tap, tap, tap. Ich versuche gleichmäßig und tief zu atmen, ein und wieder aus. Tap, tap, tap. Verfluchter Berg. Warum nur geht es hier ständig irgendwo rauf und wieder runter?! Tap, tap, tap. Mein Atem bildet eine weiße Wolke vor meinem Gesicht. Es ist kalt. Tap, tap, tap. Das macht keinen Spaß. Tap, tap, tap. Verdammt tut das weh. Verdammt ist das – gut.

Erschöpft, aber glücklich

Immer wieder hab ich das Laufen ausprobiert, bin aber nie dabei geblieben. Liegt mir nicht, dachte ich früher. Kann ich nicht. Heute weiß ich, dass ich den Schmerz einfach nie lange genug ausgehalten hab, nie lange genug durchgehalten habe, um an diesen einen bestimmten Punkt zu gelangen. An den ich jetzt immer wieder kommen will. Der, an dem ich zwar total erschöpft aber glücklich bin. Stolz.

Nicht weil ich besonders schnell oder weit laufen kann, sondern weil ich vorwärts komme und dazu nur mich selbst brauche – und ordentliche Schuhe. Vielleicht noch meine beste Freundin, weil es zu zweit viel einfacher geht. Weil sie, wenn ich nicht mehr reden, nur noch schnaufen kann, noch motivierende Worte findet. Für ein „Gleich haben wir es geschafft, durchhalten! Stark!“ hat sie immer Luft.

Aber ich brauche keine Ausrüstung, keine Geräte, kein Studio, kein gutes Wetter. Bei keinem anderen Sport kann ich meine Trainingserfolge so gut sehen. Es wird leichter, ich laufe weiter, werde schneller. Komme vorwärts.

Vertrauen in eigenen Körper

Und wenn ich mal wieder einige Wochen faul war, mehr an die Anstrengung als an das Gefühl danach gedacht hab, und wieder von vorne anfangen muss. Dann ärgere ich mich zwar über mich selbst, aber ich weiß auch, dass mein Körper das kann. Dann ertappe ich mich vielleicht dabei, mit mir selbst zu verhandeln. Tap, tap, tap. Bis zu dem Baum da vorne noch, dann darf ich gehen. Tap, tap, tap. Aber ich gehe nicht. Tap, tap, tap. Ich hab die Strecke schon so oft geschafft. Tap, tap, tap. Ich laufe weiter.

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Oberpfalz

„Läuferinnen schwitzen nicht, sie glitzern.“ Diesen Spruch hab ich mal irgendwo gelesen. Klingt albern, aber wenn ich Fotos von mir im Ziel meines ersten (und einzigen) Halbmarathons anschaue, denke ich: Stimmt. Nicht, dass ich mit knallrotem Kopf, Salzkruste im Gesicht und Weizen in der Hand irgendetwas glamouröses an mir hätte. Aber da ist so ein Strahlen.

Tap, tap, tap. Meine Beine brennen. Tap, tap, tap. Sie bringen mich trotzdem vorwärts. Ob 5, 10, 15 oder 21,1 Kilometer ist egal. Tap, tap, tap. Ich fühle mich stark. Tap, tap, tap. Da glitzert etwas in mir ...

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Hintergrund:

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In der Kolumne „OTon“ schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen

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