30.01.2020 - 16:36 Uhr
OberpfalzOTon

Glückliche Trennung

Aufräum-Fetischistin Marie Kondo wäre bestimmt nicht stolz auf OTon-Kolumnistin Lena Schulze. Sie ist trotzdem vollends zufrieden mit ihrer Ordnungs-Aktion und sehr glücklich über so manchen Abschied.

Jahrelang stopfte unsere OTon-Kolumnistin Lena Schulze nur alles in ihre Abstell-Wäsche-Speisekammer hinein. Jetzt ging es ans aufräumen und aussortieren.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Ich traue mich nicht mehr in meine Abstellkammer. Seit Jahren stopfe ich in diesem fünf Quadratmeter großen Raum alles in Regale und Schränke, was irgendwie herumliegt und sonst nirgends Platz findet. Deko-Artikel, Schuhe, Taschen, Bastel-Sachen, Ski-Ausrüstung. Der Raum dient noch dazu als Wäsche- und Speisekammer. Türe zu und zack! Alles aufgeräumt. Bis das Reinwerfen irgendwann überhand nahm und seitdem heilloses Chaos herrscht.

Ich habe mir extra eine Woche Urlaub genommen, um in der Abstellkammer klar Schiff zu machen. Zögerlich öffne ich die Tür. Wo nur anfangen? Ich arbeite mich nach hinten durch und fange im letzten Eck an. Obwohl ich gerne Dinge besitze, bereiten mir viele dieser gehorteten Gegenstände keine Freude mehr oder sind außer Mode. Weg damit. Schnell sind drei große Müllsäcke voll. Ich merke wie mir die Trennung gut tut, bin zufrieden mit meinem Tagewerk.

Als Verfechterin des Chaos gucke ich mir doch mal neugierig die Tipps dieser Aufräum-Fetischistin Marie Kondo aus Japan an. Dass ich mir ein ganzes Zimmer vorgenommen hab, ist laut Expertin unklug gewesen. Aber der Teil mit der Freude war richtig. Ich bin motiviert und mache am nächsten Tag weiter bei meinen Klamotten. Dann kommen die Küchen-Utensilien dran. Dann das Bad. Und am Freitag schließlich die Bücher. Wo es vorher regelrecht flutschte, ich einen Müllsack nach dem anderen füllte und entsorgte, geht's hier besonders zäh. Ich sitze zwischen Bücher- und Zeitschriftenstapel am Boden und blättere durch Fotoalben, finde verschollen geglaubte Erinnerungsstücke und lese Artikel in Magazinen. Gut, dass ich Urlaub habe! Auch wenn Marie Kondo mit meinem letzten Aufräum-Tag nicht glücklich geworden wäre, ich bin es nach der Aktion allemal. Der Abschied, das Neuordnen und das Strukturieren. Es fühlt sich gut an. Und das Beste: Ich trau mich wieder in meine Abstell-Speise-Wäsche-Kammer.

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OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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