06.01.2020 - 12:40 Uhr
OberpfalzOTon

Der Juli, der alles änderte

Holger Stiegler dachte eigentlich, er hätte schon alles gehört. Dann stand Leonhard Cohen in Berlin auf der Bühne und veränderte seine Welt. In "Mein Soundtrack" erzählt er von diesem einen Tag im Juli.

Leonard Cohen während eines Konzerts in Portugal.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Es war der 17. Juli 2013, es war jener Tag, der meine musikalische Hierarchie neu sortierte. Mit knapp 40 Jahren dachte ich eigentlich, dass ich alle Hör-Phasen durchgemacht habe und sich nicht mehr viel ändern wird bei meinen Favoriten: Bruce Springsteen und Johnny Cash damals gleichberechtigt auf Platz 1. Danach kam - abgesehen von Joe Cocker und den Dire Straits - lange Zeit nichts.

Die Playlist zu diesem Soundtrack

Bis zum 17. Juli 2013. In der Berliner O2-World stand Leonard Cohen auf der Bühne. Freilich kannte ich damals schon Songs von ihm, gerade die jüngeren Alben "Songs from the Road" und "Old Ideas" hatte ich mir zugelegt. Und doch war es eine enorme und nicht vorhersehbare Wucht, die mich traf.

Inmitten von 12.000 Besuchern hatte ich das Gefühl, dass Cohen nur für mich singt. Mit seinen knapp 79 Jahren gelang es ihm, mich komplett zu "flashen" - nicht nur wegen seines Gesangs: Er tänzelte dezent, ging in die Hocke oder kniete auf der Bühne. Und zwischendrin zückte er immer wieder seinen Hut. Seit diesem Abend bin ich im absoluten "Cohen-Mood", es vergeht bis heute praktisch kein Tag ohne einige Songs von ihm.

Ich ertappte mich dabei, wie ich nach dem Konzert mehrmals pro Woche im Internet recherchierte, wann er wieder in Deutschland unterwegs ist. Es blieb aber leider bei diesem einen Konzert für mich, denn es sollte der letzte Auftritt Cohens in Deutschland sein.

Die Nachricht von seinem Tod im November 2016 versetzte mir einen Stich, denn musikalische Helden wie er dürfen doch eigentlich nicht sterben. Und wenige Wochen zuvor war sein neues Album "You want it darker" veröffentlicht worden. Aber: "So long, Lenny!" Seine Musik ist mir geblieben, gekrönt mit dem vor wenigen Wochen posthum erschienenen Album "Thanks for the Dance".

Das tröstet dann auch darüber hinweg, wenn ich im Radio eine verkorkste Cover-Version von "Hallelujah" höre. Und dass sich Bruce Springsteen und Johnny Cash seit über sechs Jahren den zweiten Platz teilen müssen - ich denke, sie würden es verstehen.

SOUNDTRACK GESUCHT:

Für unsere Serie „Mein Soundtrack“ sind wir auf der Suche nach Lesern, die von den Songs und Bands erzählen, die sie in ihrem Leben geprägt haben. Interessenten können sich einfach per Mail unter Oton[at]oberpfalzmedien[dot]de melden.

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