15.04.2021 - 11:59 Uhr
OberpfalzOTon

Kurze Nichtraucherpause

Durch das Arbeiten im Homeoffice in der Coronakrise ist frische Luft bei vielen Mangelware. Oft fehlt ein Grund, das Haus überhaupt zu verlassen. Das merkt auch Mareike Schwab. Im OTon beschreibt sie, wie sie ihr Frischluft-Dilemma löst.

Einfach mal kurz nichts tun.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Mist, ich merke, ich komme nicht mehr weiter. Ok. Kurze Pause an der frischen Luft. Ich inhaliere tief den Rauch der Zigarette. Noch einen Zug. Ach, schon sieht die Welt viel entspannter aus und ich fühle mich gleich viel besser.

So stelle ich mir als Nichtraucherin die Raucherpause vor. Schon oft stand ich vor dem Problem, dass ich an einem Punkt angelange, an dem ich mit der Arbeit einfach nicht weiterkomme. Doch was tut man dann als Nichtraucher, um den Kopf wieder frei zu bekommen? Auf die Toilette gehen? Einen Kaffee aus der Küche holen? Unnötig Snacks in sich hineinstopfen? Sich einfach mal kurz vor die Tür stellen? Letzteres ist eine seltsame Vorstellung. Jedenfalls für mich. Ohne wirklichen Grund das Büro verlassen, um mal kurz fünf Minuten frische Luft zu schnappen? Das wirkt doch unnötig und unproduktiv.

Raucher haben immer einen Grund, vor die Tür zu gehen. Ich muss zugeben, darum beneide ich sie auch etwas. Durch die Sucht hat man die beste Entschuldigung für eine Pause. Aber das soll jetzt keine Glorifizierung der Raucherpause werden. Rauchen ist schädlich! Trotzdem stand ich lange Zeit vor dem Problem, dass mir während der Arbeitspause ein Grund fehlte, vor die Tür zugehen.

Corona hat mein Frischluft-Dilemma noch verstärkt. Das fällt mir besonders im Homeoffice auf. Dort haben sich meine Wege extrem verkürzt. Um zu arbeiten, muss ich nicht mal mehr das Haus verlassen. Frische Luft bekomme ich zwischen der Arbeit also meist nur durch ein offenes Fenster. Dabei ist gerade die für einen klaren Kopf besonders wichtig. Raucher treibt die Sucht nach draußen. Sie machen automatisch mehrere Pausen und wechseln die Umgebung. Ich hingegen muss aufpassen, dass ich nicht die Zeit vergesse und mich nur hinter dem Bildschirm verkrieche. Doch damit ist nun Schluss.

Abgesehen von dem schädlichen Nikotin ist das Konzept Raucherpause gar nicht so schlecht. Deshalb habe ich für mich beschlossen, nun eben Nichtraucherpausen einzuführen. Genau wie ein Raucher setze ich mich nach zwei Stunden Arbeit kurz auf den Balkon oder gehe vor die Tür. Wie vermutet fühlte sich diese Zwangspause zu Beginn komisch an - so ohne wirklichen Grund. Ich habe deshalb anfangs einfach anstatt auf den Bildschirm meines Rechners auf den Bildschirm meines Handy gestarrt. So bekommt das Gehirn aber sicher keine Entspannung. Das Handy bleibt ab sofort am Schreibtisch und ich genieße fünf Minuten Nichtraucherpause an der frischen Luft. Ach, schon sieht die Welt viel entspannter aus.

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In der Kolumne "OTon" schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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