Oberpfalz
18.06.2026 - 08:19 Uhr

OTon: Die Sache mit der „Pasta schutta“

Falsches Italienisch reicht manchmal völlig aus. Findet zumindest Redakteurin Maria Oberleitner – und erinnert sich an ihr Kindheits-Lieblingsgericht.

„Pasta schutta“ – so hieß Spaghetti Bolognese früher bei Redakteurin Maria Oberleitner. Symbolbild: Marco Meier
„Pasta schutta“ – so hieß Spaghetti Bolognese früher bei Redakteurin Maria Oberleitner.

Ich habe kürzlich einen verschütteten Begriff wiedergefunden: Der lag mindestens zehn Jahre lang unbenutzt in meinem Gehirn herum, bis ich ihn auf einer Speisekarte las und plötzlich wiedererkannte. Es ist mein Kindheitswort für „Spaghetti Bolognese“ und heißt: „Pasta schutta“.

Zwei Google-Suchen später war ich klüger: Der korrekte Begriff ist „Pasta asciutta“, was übersetzt „trockene Nudeln“ heißt. Gemeint ist schlicht, dass die Nudeln abgegossen werden – im Gegensatz zu „Pasta in brodo“, also Nudeln in Brühe. Gut, dass mir das als Kind niemand übersetzt hat. „Trockene Nudeln“ klingt nämlich eher nach Beilage als nach Lieblingsessen. Nach etwas, das man halt mitnimmt, wenn noch Soße übrig ist, aber nicht nach dem Gericht, auf das man sich schon die ganze Woche gefreut hat. Und gut, dass mir auch niemand erklärt hat, dass das höchstens als Familienitalienisch durchgeht und nicht als Beleg dafür, dass ich ein Sprachgenie bin.

Aber immerhin, ganz falsch ist es ja auch gar nicht, das Wort: In den 1970er-Jahren – bevor jemand fragt: Nein, da war ich noch nicht auf der Welt – war Pasta schutta in Deutschland und Österreich tatsächlich kein seltener Begriff für Nudeln mit Tomaten-Fleischsoße. „Pasta asciutta“ wurde eingedeutscht zu Pasta schutta. Sprache ähnelt manchmal einem WG-Kühlschrank: Jeder stellt was rein, keiner beschriftet’s ordentlich – und am Ende weiß sowieso niemand mehr, wem die Tupperbox gehört, die gerade ein Eigenleben entwickelt.

Ich jedenfalls habe mir fest vorgenommen, Spaghetti Bolognese künftig wieder Pasta schutta zu nennen. Aus Nostalgie – und auch, um mich daran zu erinnern, dass ein gutes Abendessen nicht zwingend aus selbstgemachtem Pesto oder einer Soße bestehen muss, bei der die Paprika erst im Ofen gegart und schließlich im Mixer püriert werden.

Vermutlich hat es ohnehin nie am richtigen Begriff gelegen. Geschmeckt hat’s ja trotzdem. Und niemand hat am Tisch nach der korrekten Aussprache gefragt. Es ging eher darum, wer sich noch eine zweite Portion nimmt. Oder ob noch genug Käse da ist.

Info:

Hintergrund

Wir sind junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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