Oberpfalz
23.04.2026 - 10:00 Uhr

OTon: Verdammt, bin ich alt geworden ...

Unser Autor ist vor Kurzem 36 geworden. Aus Sicht seines 20-jährigen Ichs ist er damit jetzt alt. Deswegen ist das hier auch seine letzte OTon-Kolumne – in der er über VHS-Kassetten, Jugendsprache und seine jungen Mitspieler sinniert.

Unser Autor ist so alt – er hat noch Filme aus dem Fernsehen auf VHS-Kassetten aufgenommen. Archivbild: Jens Schierenbeck/dpa
Unser Autor ist so alt – er hat noch Filme aus dem Fernsehen auf VHS-Kassetten aufgenommen.

Dio mio! Es gibt junge Menschen, die haben Italien noch nie bei einer Fußball-Weltmeisterschaft spielen sehen. Die große Fußballnation, das letzte Mal war sie 2014 bei dem großen Turnier dabei. Damals war ich 24 und einer meiner heutigen Mitspieler in meiner Fußballmannschaft – Dio mio! – sieben Jahre alt. Als ich zum ersten Mal bei den Erwachsenen, in der Ersten Mannschaft, dabei sein durfte, war dieser eine Mitspieler gerade mal ein Jahr auf der Welt.

Verdammt, ich bin wirklich alt geworden – zumindest als Fußballer und aus Sicht meines 20-jährigen Ichs. Meine 36-jährigen Mitspieler hatte ich damals noch ausgesungen, mit dem schönen Lied „Alt wie ein Baum“ von den Puhdys.

Die Puhdys, das nächste Beweisstück. Die Band kennt heute von den Leuten unter 30 keiner mehr. Einer meiner Mitspieler kennt ja nicht mal mehr Bryan Adams, wie er kürzlich im Training zugab. Tja, ich habe es da wirklich nicht leicht. Jetzt bin ich der, der von den Jungen im Team gefragt wird, wo ich damals, 1974, war, als Deutschland Fußballweltmeister wurde.

Nun ja, so alt bin ich dann doch wieder nicht. Aber ich bin immerhin so alt, dass ich beim Fußball manchmal die schwarzen World-Cup-Stollenschuhe von Adidas trage, wie der Kaiser Franz Beckenbauer.

Ich bin so alt – ich habe noch Filme aus dem linearen Fernsehen, das damals einfach nur Fernsehen hieß, auf VHS-Kassetten aufgenommen. Stirb Langsam 2, Blade, solche Sachen. Aus der Fernsehzeitschrift habe ich dann die Kurzinfos der Filme ausgeschnitten und auf die Kassetten geklebt, damit man wusste, was welcher Film ist.

Ich bin so alt – ich habe Lieder aus dem Radio auf Kassetten aufgenommen. Die eigenen Mixtapes habe ich dann mit dem Walkman gehört oder die ganze Familie musste es sich im Auto anhören. Lol.

Ich bin so alt – wenn ich Wörter der sogenannten Jugendsprache benutze, ist das einfach nur cringe.

Ich bin so alt, dass es mittlerweile lächerlich ist, wenn man mich noch als „jungen Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien“ (siehe unten) bezeichnet und ich über Alltagsgeschehnisse von jungen Menschen (siehe ebenfalls unten) schreiben soll. Deswegen ist dieser Text auch meine letzte OTon-Kolumne. Ich mache es jetzt wie Italien, wenn es um Fußball-Weltmeisterschaften geht: Ich bin nicht mehr dabei. Ciao, ciao!

Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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