23.09.2019 - 16:50 Uhr
OberpfalzOTon

Mein Soundtrack: Radelnde Mädchen

Queen, Supertramp und William's Orbit. Friedrich Peterhans blickt auf den Soundtrack seines Lebens zurück. Mit dabei auch: Ein blond gelockter Hipster, nackte Mädels auf Rennrädern und Italien.

Der Leadsänger der britischen Rockgruppe "Queen", Freddie Mercury, bei einem Auftritt im September 1984.

Lange bevor das Wort Influencer erfunden war, hatte ich schon einen. Dieser Hipster ist heute bekannt dafür, dass er gern wettet, liest und sich trennt. In grauer Rockzeit lebte er im Radio und hatte über mein Leben mehr Autorität als alle Lehrer, mit denen ich meine Vormittage verbrachte.

Dieser Thomas Gottschalk empfahl 1979 ein Album namens "Jazz" von Queen, das ich zum 12. Geburtstag haben musste und bekam. Was ich nicht wusste: Dabei war ein Poster, das die Songs "Bicycle Race" und "Fat Bottemed Girls" auf ein Bild bannte: Kurvige Mädels auf Rennrädern - nur mit Helm bekleidet. Im Kinderzimmer traute ich mich so etwas nicht aufzuhängen, obwohl meine Eltern wohl nur gegrinst hätten. Ich verkaufte das Kunstwerk für 5 Mark an meinen Cousin. Das hielt ich für einen Wahnsinnsdeal. Stimmt, wenn man bedenkt, dass Sammler heute dafür ins Dreistellige gehen.

Danach gehörten Plattenspieler, Kassettenrekorder und CD-Player Heroen, die barocke Goldrahmen um die LP-Hüllen verdient haben: Supertramp, Pink Floyd, Fleetwood Mac, Springsteen, Talking Heads, Steely Dan, die Beatles. Meine Hörgewohnheiten haben sich heute allerdings in viel schwärzere und jazzigere Gefilde verlagert.

Dazwischen folgte ein Auslandssemester in Italien. Popmusikalisch war das Land für mich bis dato wie zu weich gekochte Pasta mit Eros-Ramazzotti-Fertigsauce. Doch beim Studium lernt man was, unter anderem, dass zwischen Trient und Palermo fantastische Canzoni die Welt zu einem besseren Ort machen. Bei "Anna e Marco" von Lucio Dalla, "Certe Notti" von Ligabue oder "Albachiara" von Vasco Rossi wird der trübste November mit 10-Stunden-Arbeitstag zum Strandspaziergang mit Sonnenuntergang. Apropos: Rückreisen aus dem Urlaub im Süden sind bei mir im Auto mit einem Ritual verbunden. Etwa in Höhe Pfaffensteiner Tunnel kommt "Once" von William's Orbit in die Lautsprecher. Damit man weiß, dass es auch in der Heimat manchmal Feinkost gibt.

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