21.11.2019 - 08:30 Uhr
OTon

Mein schönes altes Fahrrad

Radfahren ist Freiheit, sagt Wolfgang Fuchs. Es macht unabhängig und bringt Freude in den Alltag. Fast hätte er das vergessen.

Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, findet immer einen Parkplatz.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Was haben wir nicht alles miteinander erlebt, mein schönes altes Fahrrad und ich. Gemeinsam streunten wir durch München, wo wir beide herkommen: Zur Uni, zur Arbeit oder ziellos durch die Stadt. Auf 21 Gängen ging es vom Schlachthof zur Isar und weiter Richtung Norden zum Feringasee. Auf dem Heimweg fuhren wir querfeldein, zurück zur Isar und von dort direkt in den Englischen Garten. Fröhlich pfeifend auf flachen Wegen dahingleiten, in Flip Flops oder Regenklamotten, das ist genau mein Ding. Ich gehe sogar noch ein Stück weiter und behaupte: Jeder umtriebige Städter, der sich selbst für einen Freigeist hält, braucht ein Fahrrad.

Vor ein paar Jahren zog ich dann in die Oberpfalz. Mit dem Radl nach Parkstein fahren, weiter nach Weiden und wieder zurück? Nein. Wirklich nicht. Ich bin Flaneur, nicht Leistungssportler. Mein Fahrrad ist ein Stadtrad, kein Mountainbike. Wurzeln, Stock und Stein kann es nicht. Trotzdem strampelten wir einmal von Altenstadt nach Windischeschenbach: bergauf, bergab, bergauf, bergab, bergauf, bergab. Der letzte Anstieg machte uns den Garaus. Muskeln brannten, Knie zitterten, Räder eierten, Bremsen quietschten. Kurzum, ohne Auto ging es nicht mehr. Ich kaufte ein kleines Rotes.

Aber: "Hinter dem Steuer wird der Mensch zum Tier", habe ich irgendwo einmal gelesen. Drängler! Rote Ampeln! Traktoren! Schimpfend fuhr ich zur Arbeit, schimpfend fuhr ich nach Hause – genau so hatte ich eigentlich niemals werden wollen. Das konnte nicht lange gut gehen.

Inzwischen wohne ich in Weiden. Seit sich die Parkplätze neben dem Verlagsgebäude von Oberpfalz-Medien in eine Baustelle verwandelt haben, steige ich wieder jeden Morgen auf mein schönes altes Fahrrad – und hole mir das Gefühl von Freiheit zurück, das ich beinahe in meinem alten Leben vergessen hätte.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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