12.09.2019 - 10:17 Uhr
Schönhaid bei WiesauOTon

Quad für Anfänger: Ein Stück Freiheit auf vier Rädern

Bislang ist Lucia Seebauer vor allem im Auto gesessen. Für OTon wagt sie den Selbstversuch: Sie setzt sich zum ersten Mal auf ein Quad und macht damit eine Bio-Tour durch den Steinwald, fährt über Schotter und eine Rennstrecke.

von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Der Fahrtwind weht durch meine offene Jacke. Es ist Nachmittag, die Sonne prallt vom Himmel. Es hat fast 30 Grad. Ich spüre wie mir der Schweiß am Rücken hinunter läuft. Warme Luft weicht aus dem Fahrzeug auf dem ich sitze, dringt durch meine lange Jeans. Eine Fliege prallt auf das Visier meines Helms. "Ah, nicht ablenken lassen", denke ich mir. Konzentriert schaue ich auf das Schlagloch vor mir. Ich versuche, mein Quad mit vollem Körpereinsatz vorwärts zu bewegen.

Seit meinem 18. Lebensjahr fahre ich Auto. Mit 27 wird es für mich Zeit, ein anderes Fahrzeug zu testen. Ich möchte etwas Abenteuer und entscheide mich, mit einem Quad zu fahren. Aber kann ich das als Anfänger? Und kann ich so ein Gefährt mit meiner Körpergröße von 1,60 Meter fahren? "Überhaupt kein Problem", sagt mir Michael Zuber, Inhaber des Quadcenter-Steinwald in Schönhaid (Kreis Tirschenreuth).

Er verkauft und repariert Quads, nebenbei bietet er am Wochenende geführte Touren durch den Steinwald an. Zwischen Regensburg und Bamberg ist er der einzige Veranstalter in der Region. "Nehmen Sie einen Motorradhelm mit. Tragen Sie eine lange Jacke und Hose sowie feste Schuhe", rät Zuber. So bin ich auf der Fahrt am besten vor Zugwind und der Hitze aus dem Fahrzeug geschützt.

Bio und Quad

Ich entscheide mich für eine Bio-Erlebnistour. "Wir besichtigen verschiedene Standpunkte zur Bio-Landwirtschaft und fahren eher unbekannte Wege. Ganz am Anfang gab es viel Skepsis wegen der Diskrepanz von Quad und Bio. Aber wir kriegen viel positive Rückmeldung und es wird immer beliebter", sagt Zuber. "Wir fahren auch nicht durch Naturschutzgebiete sondern über offizielle Wege und Straßen."

Bevor es losgeht, zeigt mir Zuber mein Fahrzeug. Ich staune: Das Gefährt ist fast so groß wie ich. Ich setzte mich auf den Fahrersitz. Ein ungewohntes Gefühl, aber ich komme überall mit meinen Armen und Beinen hin. Der Experte zeigt mir Schlüssel, Zündung, Licht, Gas und Bremsen. Eine Automatikschaltung erleichtert die Bedienung.

Es gibt kein Fußgas. "Dafür gibt es einen Hebel am rechten Lenker. Den muss man mit dem Daumen sachte nach unten drücken", sagt Zuber. Ich ziehe Sturmhaube und Helm über meinen Kopf, drehe den Schlüssel nach rechts und drücke den grünen Startknopf. Unter meinem rechten Fuß ist die Bremse.

Bremsen statt Gas

Zuber und die anderen beiden Teilnehmer steigen aufs Quad, ich mache das Schlusslicht. Der Start ist gewöhnungsbedürftig. Immer wenn ich Gas geben will, bremse ich aus Versehen. Wir biegen ab, fahren von Schönhaid in Richtung Waldseen, vorbei an der Kipp.

Die Tour mit Zuber an der Spitze führt über Nebenstraßen, Flur- und Waldwege. Zu Beginn bin ich vorsichtig, fahre langsam. Zu langsam. "Wo ist meine Gruppe?" Ich drücke aufs Gas, es geht um die Kurve. "Puh, Glück gehabt. Hier wartet der Rest auf mich." In der Kolonne geht es weiter, ich versuche den Anschluss nicht zu verlieren. Es klappt, wir fahren nicht schneller als etwa 40 Kilometer die Stunde.

Blinker vergessen

Wir düsen über Kornthan nach Friedenfels. Unser erster Halt führt uns auf das Gelände der Friedenfelser Betriebe. Schnell merke ich, wie das Gasgeben meinen rechten Daumen anstrengt. Ich parke hinter der Truppe ein, versuche nicht abrupt zu bremsen. Meinen Blinker, den ich manuell einstellen muss, vergesse ich ständig wieder auszuschalten. Wir sammeln uns um Michael Zuber. Er erklärt, welche Pflanzen vor Ort angebaut werden.

Es geht wieder aufs Quad: Wir fahren weiter in ein Biber-Reservat. Zuber zeigt auf Bäume mitten in einem Sumpfgebiet. "Dort befindet sich der Bau. Rund 25 Biber leben hier." Es geht weiter. Ich starte, nichts geht. Nochmal drehe ich den Schlüssel nach links, dann den grünen Knopf und schon rattert es wieder laut. "Hoffentlich haben wir die Biber jetzt nicht aufgeweckt", denke ich mir.

Nach dem zweiten Start fällt es mir schon einfacher, das Quad zu fahren. Nun geht es über Schotter- und Waldwege. Die Fahrzeuge vor mir wirbeln ordentlich Staub auf. Anfangs versuche ich Schlaglöcher zu umfahren. Je länger ich fahre, desto mehr reizt es mich, darüber zu fahren. Ich versuche es, und tatsächlich: Ich fühle mich frei und es macht Spaß.

Letzter Teil: Rennstrecke

Weiter geht es über Teer und Dorfstraßen. Wir fahren durch Thumsenreuth, Reuth bei Erbendorf und Pfaben. Kinder mit Dreirädern, Frauen mit Hunden, Traktoren und Autos kommen uns entgegen. Je enger die Straße, desto schwieriger wird es, dem Gegenverkehr auszuweichen. Zuber leitet die Gruppe geschickt. Am Plaslberg machen wir wieder einen Halt, wir genießen den Ausblick von oben auf Friedenfels.

Im letzten Teil gibt es mehr Action. Wir fahren ein Stück auf der Rennstrecke bei Friedenfels. "Das ist auch eine beliebte Strecke bei Motorradfahrern und eine Ralleystrecke", sagt Zuber. Ich wage die Herausforderung. Mittlerweile fühle ich mich sicherer. Ich traue mich, bis auf 80 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen.

Mein Daumen tut langsam weh. Es wird immer schwerer, das Gas zu drücken. Unsere letzten Meter führen uns über den Ödberg nach Fuchsmühl. Vorbei an Wiesen, Weihern und Wald geht es schließlich zurück nach Schönhaid. Mein Fazit: Bio und Quad kann funktionieren. Als Anfänger habe ich mich gut aufgehoben gefühlt. Die Tour war ein Erlebnis.

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