17.05.2019 - 18:23 Uhr
OTon

Seifen ohne Blasen

Das Plastik in ihrem Alltag muss weniger werden, findet unsere Autorin. Im neuen OTon schreibt Lucia Seebauer über ihren Erfolg beim Umstieg auf festes Shampoo.

Seife - auch zum Haarewaschen? Lucia Seebauer testet festes Shampoo.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Kollegin Maria Oberleitner macht es vor, sie versucht zwei Wochen ohne Plastik durchzuhalten. Auch ich überlege schon länger, wie ich mehr Umweltbewusstsein in meinen Alltag bringe. Den Anfang mache ich unter der Dusche. Die Idee, eine Haarseife oder ein festes Shampoo auszuprobieren, habe ich aus dem Internet. Feste Shampoos sind wie flüssige, nur wurde ihnen Wasser entzogen. Haarseifen werden aus Fetten und Ölen gesiedet. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht: Beim Einkauf stoße ich auf die erste Hürde. Im Supermarkt um die Ecke werde ich in den Regalen nicht fündig. Die Auswahl in Drogerien lässt auch zu wünschen übrig. Also suche ich wieder im Internet.

Plastikfasten - der Selbstversuch

Weiden in der Oberpfalz

Schließlich entscheide ich mich für eine Haarseife für gesunde Strähnen. Die Rezeptur aus grüner Heilerde, Rizinus- und Olivenöl verspricht ein glänzendes Ergebnis für meine lange Mähne. Als die Seife wenige Tage später mit der Post kommt und ich die 90-Gramm-Packung in die Hand nehme, bin ich trotzdem skeptisch. Soll das kleine Stück wirklich so lange halten, wie ein herkömmliches Shampoo?

Ich wage das Experiment: Unter der Dusche verreibe ich das grüne Stück zwischen meinen Händen und auf meinem Kopf. Nichts passiert. Ich versuche es ein zweites Mal, wieder bleibt die Schaumkrone aus. Schließlich wasche ich die Haare mit Wasser aus und spüle – wie im Internet empfohlen – mit einer saueren Rinse aus einem Esslöffel Apfelessig und einem halben Liter Wasser nach. Das soll die Haare leichter kämmbar machen. Nach dem Trocknen fühlt sich mein Haar fester an, nicht mehr so geschmeidig und trotz Waschen sieht es fettig aus. Ich bekomm die Krise vor dem Spiegel: „Verdammt, so kann ich nicht in die Arbeit gehen. Was werden meine Kollegen denken?“

Panisch greife ich zu meiner Wildschweinborstenbürste. Die habe ich mir wegen der Ratschläge im Internet dazugekauft, sie soll bei der Umstellung helfen. Tatsächlich entfernt sie überschüssige Seifenreste und mein Haar wirkt wieder normal. Ich atme tief durch, fahre in die Redaktion und frage mich: „Bemerkt wohl jemand einen Unterschied?“

Angekommen im Büro blicke ich etwas nervös nach links und rechts. Keiner sagt etwas. Ich denke mir: „Puh, scheint also doch alles gut zu sein.“ Ich kann also meine Haare auch ohne Shampoo in Plastikflaschen waschen. Damit rette ich vermutlich nicht die Welt. Aber für mich persönlich ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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