20.08.2020 - 10:46 Uhr
OTon

So gut wie verheiratet

Gibt man erstmal die Verlobung bekannt, beginnt die Uhr zu ticken. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr schwindet die Motivation sich das Ja-Wort zu geben, schreibt Anne Sophie Vogl im OTon.

Steht schon lange auf der To-Do-Liste von Anne Sophie Vogl: Heiraten.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Ich bin jetzt 26 und habe das Gefühl, beim Heiraten zu versagen. Mit dem Herzensmann bin ich seit fast achteinhalb Jahren zusammen, davon zweieinhalb verlobt. Aber wir bekommen’s irgendwie nicht auf die Reihe, dieses Ding mit dem Heiraten. Erst fehlte das Geld, dann die Zeit und Motivation. Alle paar Wochen kam die Frage von Freunden und der Familie: „Und? Habt ihr schon einen Termin?“ Ich dachte ich mir jedes Mal „Äh, nein?“ Der Verlobte hatte sich mit einem „Du darfst alles entscheiden“ elegant aus der Planung herausgenommen. Geschickt eingefädelt, wirklich. Dabei wollte ich das nie alles entscheiden müssen. Und überhaupt, hatte ich von dem Hochzeitskram schon genug, bevor es überhaupt richtig losgegangen ist. Vielleicht wurde ich von den Sozialen Medien schlecht beeinflusst. Selbst Hochzeiten, die urig, simpel und intim wirken sind mit einem großen Aufwand und vor allem viel Geld verbunden. Das sieht man nur nicht.

Weniger ist mehr - auch bei der Hochzeit

Von meiner anfänglichen Rosamunde-Pilcher-Landhaus-Scheunenhochzeit mit Boho-Einschlag bin ich längst abgerückt. Zwei Jahre Wartezeit für eine Scheune? Woher sollten wir wissen, wann es uns in zwei Jahren passt? Und überhaupt hat sich der Geschmack auch verändert. Die Hochzeiten im Mini-Format zu Beginn der Coronapandemie hatten schon was Verlockendes. Nur das Brautpaar und die Eltern? Hatte was. Okay, ein paar mehr hätten es schon sein dürfen. Aber mit den zehn wichtigsten Menschen zu feiern, wären beruhigende Aussichten gewesen. Warum wir es nicht einfach gemacht haben? Weil sich dann zu viele Leute auf den Schlips getreten gefühlt hätten. Warum wir nicht drauf gepfiffen haben? Weil eben.

Hoffnungsschimmer im dunklen Planungs-Chaos

Ein bisschen schade war das schon, dass die anfängliche Vorfreude und der Planungseifer in der Zwischenzeit wie weggeblasen war. Es ist ja nicht so, dass ich gar nicht heiraten wollte – wirklich nicht. Aber irgendwie ist es total kompliziert geworden, sich das Ja-Wort zu geben. Je mehr Zeit vergangen ist, desto mehr waren wir uns einig: Weniger ist mehr. Wir wollen klein feiern. Und wir wollen auch „nur“ standesamtlich heiraten. Wurden diese Entscheidungen erst einmal getroffen, kam auch die Motivation wieder zurück. Durch einen Zufall haben wir dann erfahren, dass sich ein gemeinsamer Freund erstaunlich gut mit Hochzeiten auskennt: Er weiß, wie hoch eine Torte sein sollte damit sie nicht zu mickrig wirkt, welche Musik die Leute zum Tanzen bringt und was wir mit dem Wirt vorab klären sollten. Mit der Planung werde ich nun nicht mehr alleine dastehen. Vielleicht wird das mit dem Heiraten ja doch noch was.

Der OTon der vergangenen Woche

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet - was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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