24.01.2019 - 17:10 Uhr
OTon

Soundtrack meines Lebens

Schon verrückt, was Musik mit einem macht. Ich höre ein Lied und schon fliegen die Erinnerungen nur so durch meinen Kopf.

Symbolbild.
von Eva Hinterberger Kontakt Profil

ITunes spielt im Shuffle-Modus ein Lied, das ich lange nicht gehört habe: „Immer noch und immer wieder“. Es ist die B-Seite einer Single der Augsburger Indie-Pop-Band Anajo. Es ist das erste und bisher einzige Lied, das mich zum heulen gebracht hat. „Immer noch und immer wieder, tauchst du auf und wirfst mich nieder und schmeißt mich weg. Ich werde leider gar nicht klüger, immer noch und immer wieder bist du perfekt.“ In Gedanken sehe ich mein ein paar Jahre jüngeres Ich am Schreibtisch sitzen. Ich sollte lernen, kann mich nicht konzentrieren, höre diesen Song in Dauerschleife.

Es gibt viele Songs, die mich zurückblicken lassen. Meist ist es Musik, die ich eigentlich nie gehört hätte. Die einfach zur richtigen Zeit lief. Mr. Big –„To be with you“. Mein Abi-Lied in Erinnerung an das beste SMV-Team. Juli – „Im Regen“. Am Morgen nach einer Party liegen wir im Wohnzimmer. Die einen sind zu fertig, um heimzugehen, die anderen wollen nicht. Die Eltern der Gastgeber sind längst zurück. Egal. Wir genießen das Zusammensein. David Guetta – „Memories“. Die letzte Nacht im Club mit Studienfreunden. Am nächsten Morgen verlassen wir die Stadt.

Robbie Williams – „She’s the one“. Diese eine Nacht am Zeltplatz. Eine Freundin, auf die verlass ist. Andrea Bocelli und Sarah Brightman – „Time to say goodbye“. „Ich will euch heulen sehen“, raunt mir der DJ zu. Er grinst. Abschied. The Killers – „Mr. Brightside“. Eifersucht. Der Absturz meines Lebens. Austria 3- „I’m from Austria“. Wolfgang Ambros und Reinhard Fendrich stehen wieder versöhnt auf der Bühne des Wiener Donauinselfests. Davor liegen sich Tausende Österreicher in den Armen. Dazwischen wir. „Sag' ich am End' der Welt voll Stolz. Und wenn ihr a wollt's a ganz alla. I am from Austria.“ Gänsehaut.

Mein Leben hat einen Soundtrack. Einen, den ich so nie zusammengestellt hätte. Er ist bunt, verrückt, zufällig – wie das Leben eben auch.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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