05.09.2019 - 15:12 Uhr
OTon

Umgeben vom Bowl-Wahnsinn

Müsli und Suppe. Das sind die Dinge, die Redakteurin Tina Sandmann aus Schüsseln isst. Doch beim Durchforsten von Instagram denkt sie sich seit einiger Zeit: Bin ich da die Einzige? Im neuen OTon geht sie dem Trend "Bowl-Food" auf die Spur.

Ein Mann hält eine «Bulgogi Beefy Bowl», bestehend aus Sojafleisch, Kimchi, Daikon, Spinat und Reis in den Händen.
von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

Scheinbar essen die Menschen nur noch aus Schalen. Jeder Essenspost, den ich in meinem Instagram-Newsfeed sehe, zeigt eine "Bowl" mit Essen. Immer dabei: Fein säuberlich aufgeschnittene Avocado. Avocado zum Frühstück, Avocado zum Mittagessen, Avocado abends. Daneben finden je nach Mahlzeit noch andere Zutaten Platz – streng nach Farbe kombiniert und sortiert, versteht sich.

Getrocknete Bananen, die obligatorische Avocado, kleine Tomaten, ein Klecks Haferbrei – Pardon, Porridge – und alles bestreut mit Sesam. Voilà: Frühstück. Pure Kichererbsen, Kopfsalat, gebratene Hähnchenbrust, Granatapfelkerne und die Avocado: Mittagessen. Davon gibt es tausend Alternativen. Die Hauptsache: Alles muss schön bunt und kunstvoll zurechtgeschnitten und drapiert sein. Ob das schmeckt? Ich glaube nicht.

Selbst wenn es schmeckt, ist das für mich ein absolut idiotischer Trend. In jedem zweiten Restaurant gibt es mittlerweile "Bowls" in allen möglichen Farben und Variationen. Da hört's bei mir wirklich auf. Ich gehe doch nicht ins Restaurant und esse dann aus einer Müslischale buntes Zeug mit einem Löffel. Fehlt nur noch das Lätzchen. Damit geht für mich jegliche Esskultur verloren.

Esse ich mein Hauptgericht auf einem Teller, den Salat im besten Fall in einer Salatschale daneben, weiß ich genau, mit was ich es gleich zu tun haben werde. Bei einer Bowl kann man nach ein paar Löffeln nicht mehr sagen: War das jetzt eine Melone oder eine Gurke? Alles ist nach ein paar Bissen so durchgemischt, dass es undefinierte Matschepampe ist. Erinnert mich an Baby-Gläschen. So muss es meinen kleinen Cousins gegangen sein – vierjährige Zwillinge. Und selbst die beiden essen mittlerweile von einem Teller. Mit Messer und Gabel.

In die Angelegenheiten anderer soll man sich ja nicht einmischen. Also esse ich weiterhin wie eine Erwachsene und beobachte den ganzen Wahnsinn auf Instagram. Da stellte übrigens letztes Mal eine Userin fest: "Hey Leute, heute wieder leckere Bowl gemacht. Habe die Kombi Kartoffeln, Ei und Spinat getestet. Das müsst ihr probieren, wirklich toll." Dazu sage ich nichts. Und denke mir nur: Wo ist der Leberkäs?

Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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